Kollagenpeptide im Körper: Was Studien zu Aufnahme und Wirkung zeigen

Medizinische 3D-Illustration von Kollagenfasern und Zellen im menschlichen Bindegewebe mit roten Blutgefäßen, die die Struktur und Vernetzung des Gewebes veranschaulicht. Studien berichten über bessere Schmerz- und Funktionswerte durch die Einnahme von Kollagen bei Kniearthrose. | © IMGMIDI - pixabay.com

Als Strukturprotein ist Kollagen ein wichtiger Bestandteil von Haut, Knochen, Sehnen und Knorpel. Wenn es als Nahrungsergänzung eingenommen wird, stellt sich dabei vor allem die Frage, welche der Bestandteile vom Körper überhaupt aufgenommen und verwertet werden können.

In klinischen Studien wird neben der Aufnahme unter anderem untersucht, ob die Einnahme von Kollagen messbare Veränderungen bewirkt und welche Rolle dabei das verwendete Präparat, die Dosierung und die Einnahmedauer spielen. So wird beispielsweise erfasst, ob Gelenkschmerzen nachlassen und alltägliche Bewegungen leichter fallen. Andere Untersuchungen befassen sich mit Veränderungen der Muskelkraft oder der Knochendichte.

Kollagen ist nicht gleich Kollagen

Um die Wirkung von Kollagenpräparaten einordnen zu können, müssen die Aufnahme und die gesundheitlichen Ergebnisse zusammen betrachtet werden. Eine nun veröffentlichte Auswertung wissenschaftlicher Studien und öffentlicher Diskussionen führt Untersuchungen zu Haut und Bewegungsapparat sowie persönliche Erfahrungsberichte und Einschätzungen aus sozialen Medien und Onlineforen zusammen.

Bei „Kollagen" handelt es sich um eine ganze Familie von Proteinen, deren Aufbau und Aufgaben sich unterscheiden.

  • Kollagen Typ I kommt am häufigsten im menschlichen Körper vor. Dieses verleiht unter anderem der Haut sowie Knochen, Sehnen und Bändern Festigkeit.
  • Im Gelenkknorpel macht Typ II den größten Teil des Kollagens aus.
  • Typ III findet sich häufig gemeinsam mit Typ I in Blutgefäßen und im elastischen Bindegewebe.

Weitere Typen haben spezielle Aufgaben:

  • Typ IV bildet Netzwerke in Basalmembranen.
  • Typ V wirkt an der Organisation von Kollagenfasern mit.
  • Typ X ist für Vorgänge im Wachstumsknorpel bedeutsam.

Was nach der Einnahme im Blut ankommt

Bei hydrolysiertem Kollagen wurde das Protein bereits in kleinere Bestandteile zerlegt, die während der Verdauung aufgenommen werden können.

Die Studienzusammenfassung berücksichtigt hierzu eine 2024 veröffentlichte randomisierte Cross-over-Studie mit sechs gesunden Erwachsenen. Diese nahmen an getrennten Untersuchungstagen jeweils zehn Gramm eines der untersuchten Kollagenhydrolysate ein. Während der folgenden sechs Stunden entnahmen die Forscherinnen und Forscher mehrfach Blutproben. Darin wiesen sie freie Aminosäuren und bestimmte kurze Kollagenpeptide nach.

Unter den gezielt untersuchten Peptiden erreichte Pro-Hyp die höchsten Konzentrationen im Blut. Dieses Dipeptid besteht aus zwei miteinander verbundenen Aminosäuren: Prolin und Hydroxyprolin.

Für mögliche gesundheitliche Effekte werden zwei Erklärungen diskutiert. Die aufgenommenen Aminosäuren kann der Körper unter anderem für die eigene Kollagenbildung nutzen. Bestimmte kurze Peptide könnten außerdem als Signale wirken und Zellen des Bindegewebes zur Kollagenbildung anregen. Ob daraus messbare Vorteile für Haut, Gelenke oder Knochen entstehen, muss anhand entsprechender Veränderungen in klinischen Studien beurteilt werden.

Von Gelenkschmerzen bis zur Knochendichte

In der internationalen medizinischen Fachzeitschrift „Orthopedic Reviews" wurde 2025 eine Auswertung von 36 randomisierten kontrollierten Studien zur Einnahme von hydrolysiertem Typ-I-Kollagen veröffentlicht. Diese Studien widmeten sich Fragen aus unterschiedlichen Bereichen.

Forschungsbereich Studienzahl untersuchte Veränderungen
Gelenke 14 Schmerzen, Funktion, Beweglichkeit und einzelne Sehnenmerkmale
Muskeln 19 Kraft, Körperzusammensetzung und Anpassung an Training
Knochen 3 Knochendichte sowie Marker des Auf- und Abbaus

Die Gelenkuntersuchungen liefen meist etwa 19,5 Wochen. Bei Muskelstudien wurden günstige Veränderungen vor allem in Verbindung mit körperlichem Training berichtet. Ein Ergebnis zur Muskelkraft lässt sich aber nur dann genauer einordnen, wenn das dazugehörige Trainingsprogramm bekannt ist.

Auch die untersuchten Personengruppen unterschieden sich. Je nach Beschwerdebild und Trainingsziel standen andere Messgrößen im Vordergrund. Bei einer der Muskelstudien nahmen 53 ältere Männer mit verminderter Muskelmasse teil, die zwölf Wochen ein Krafttraining absolvierten und dabei täglich 15 Gramm Kollagenpeptide beziehungsweise ein Placebo einnahmen. Trainiert wurde dreimal wöchentlich. In der Kollagengruppe waren günstigere Veränderungen der fettfreien Masse und der Muskelkraft zu beobachten. Die körperliche Belastung war hier ausdrücklich Teil der Studie und für beide Versuchsgruppen gleich.

Was Studien bei Kniearthrose gemessen haben

Für Patienten und Patientinnen mit einer Arthrose des Kniegelenks spielen meistens vor allem Schmerzen und die Bewältigung von alltäglichen Bewegungen die größte Rolle. In einer 2025 veröffentlichten Meta-Analyse zur Einnahme von Kollagen bei Kniearthrose wurden elf randomisierte Studien mit insgesamt 870 Teilnehmenden zusammengefasst. 451 davon erhielten über einen Zeitraum von 10 bis 48 Wochen Kollagenpräparate, 419 erhielten ein Placebo.

Die Auswertung zeigte bessere Schmerz- und Funktionswerte in den Gruppen, die die Kollagenpräparate einnahmen. Untersucht wurden unterschiedliche Kollagenformen, darunter Hydrolysate und undenaturiertes Typ-II-Kollagen.

Bei Letzterem wird eine Beeinflussung der Immunantwort im Darm als Wirkprinzip diskutiert. Die räumliche Struktur des Proteins, die anders als bei Hydrolysaten bei der Herstellung weitgehend erhalten bleibt, könnte für diesen Wirkmechanismus entscheidend sein.

Während der Studien beantworteten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Fragen dazu, wie stark ihre Schmerzen sind, wie steif sich ihre Knie anfühlen und wie gut sie alltägliche Bewegungen ausführen können. Gehen und Treppensteigen verbesserten sich unter Kollageneinnahme im Vergleich zur Placebogruppe signifikant. Eine Verbesserung des Gelenkgewebes lässt sich daraus allerdings noch nicht ableiten. Hierfür wären zusätzliche Untersuchungen erforderlich, die in den genannten Studien nicht erfolgt sind.

Wie wird der Vergleich von Ergebnissen möglich?

Für eine sinnvolle Auswertung sind genaue Angaben zum verwendeten Präparat erforderlich. Ein Pulver aus hydrolysiertem Kollagen und ein Präparat mit undenaturiertem Typ-II-Kollagen können für unterschiedliche Forschungsansätze sinnvoll sein, und auch die untersuchte Tagesmenge spielt eine wichtige Rolle.

Eine Analyse dazu, welchen Unterschied die eingenommene Menge macht, ist nur sinnvoll, wenn die Form und die Zusammensetzung der eingenommenen Produkte übereinstimmen.

Die folgenden Angaben sollten daher zusammen betrachtet werden:

  • die verwendete Kollagenform sowie weitere Inhaltsstoffe
  • die untersuchte Personengruppe und ihre Ausgangsbeschwerden
  • Einnahmedauer und Tagesmenge
  • die erfasste Messgröße und die Ergebnisse bei der Vergleichsgruppe

Dass ein regelmäßiges Krafttraining eine Verbesserung der Muskelstruktur mit sich bringt, ist unabhängig von der Einnahme eines Präparats anzunehmen. Daher ist in solchen Studien eine Vergleichsgruppe wichtig, die ein Placebo einnimmt.

Warum die Wechseljahre auch die Knochenforschung betreffen

In den Wechseljahren verändert sich das Gewebe. Davon sind insbesondere auch die Knochen und der Knochenstoffwechsel betroffen. Der nachlassende Östrogenspiegel kann dazu führen, dass mehr Knochen ab- als aufgebaut wird.

Eine Langzeituntersuchung mit 1.902 Frauen zeigte, dass sich der Knochenverlust in der späten Übergangsphase zur Menopause deutlich beschleunigte. Die Knochendichte nahm hier jährlich im Durchschnitt ungefähr um 2 Prozent an der Lendenwirbelsäule und 1,4 Prozent an der Hüfte ab.

An einer anderen Studie nahmen 131 Frauen nach den Wechseljahren teil, deren Knochendichte bereits vermindert war. Ein Teil der Gruppe erhielt täglich 5 Gramm Kollagenpeptide, während der andere Teil ein Placebo bekam. Vor dem Beginn der Einnahme und 12 Monate später wurde die Knochendichte an der unteren Wirbelsäule und am Oberschenkelhals gemessen. Nach einem Jahr hatte sich die Knochendichte an beiden Messstellen in der Kollagengruppe besser entwickelt als in der Placebogruppe.

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