Hyperhidrose – Die Behandlung von übermäßigem Schwitzen

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An heißen Sommertagen, beim Sport oder bei der Gartenarbeit spüren wir schnell die ersten Schweißtropfen an Schläfe oder unter der Achsel. Dieses Schwitzen bei Anstrengung oder Erhöhung der Körpertemperatur ist völlig normal. Es gibt aber auch Patienten, bei denen der Schweiß ganz ohne Grund läuft. Sie fangen an zu schwitzen, wenn sie gemütlich die Straße entlangschlendern, mit Freunden lachen oder auch nur im Büro sitzen.

Wann genau die Hyperhidrose – also das übermäßige Schwitzen – beginnt, ist nicht festgelegt. Sollten Sie aber auch an ruhigen Tagen sehr viel schwitzen, plötzliche Schweißausbrüche ohne erkennbare Ursache bemerken oder erhöhten Nachtschweiß wahrnehmen, ist ein Besuch beim Arzt ratsam.

Die Diagnose bei übermäßigen Schwitzen

Durch Ihre Schilderungen erkennt der Arzt die Anzeichen einer Hyperhidrose relativ schnell. Um die Ursachen zu finden, sind häufig aber noch weitere Untersuchungen nötig. Die sekundäre Hyperhidrose wird beispielsweise durch eine Krankheit oder Störung ausgelöst. Das kann etwa eine Schilddrüsenüberfunktion, die Wechseljahre oder eine Angststörung sein. Diese wird vorrangig behandelt, sodass das übermäßige Schwitzen wieder nachlässt.

Bei der primären Hyperhidrose ist dagegen keine Ursache bekannt. Die Schweißdrüsen der Betroffenen produzieren einfach sehr viel mehr Sekret als gewöhnlich. Experten gehen vor allem von einer genetischen Veranlagung aus. Woher das übermäßige Schwitzen genau kommt, können sie aber nicht sagen.

Um sie zu diagnostizieren, sind verschiedene Tests möglich. So kann etwa mit einem Filterpapier und einer Waage gemessen werden, wie viel Schweiß Sie in einer bestimmten Zeit produzieren. Auch das Einfärben des Schweißes mithilfe bestimmter chemischer Substanzen ist möglich. Da die Menge je nach Tag stark variieren kann, ist eine exakte Bestimmung allerdings schwierig. Viele Ärzte verlassen sich deshalb alleine auf ihre Beobachtung und die Schilderungen der Patienten.

Übermäßiges Schwitzen behandeln

Bei der Behandlung von Hyperhidrose geht es darum, die Produktion der Schweißdrüsen einzudämmen oder ganz zu stoppen. Dafür gibt es ganz unterschiedliche Therapiemöglichkeiten. In der Regel beginnen Sie mit der sanftesten Methode. Erst wenn diese nicht hilft, testen Sie die nächste Stufe.

Antitranspiranten

Deodorants, Cremes oder Pulver mit Aluminiumchlorid sind oft der erste Versuch von Patienten mit Hyperhidrose. In geringer Konzentration bekommen Sie diese bereits in der Drogerie. Stärkere Varianten gibt es in der Apotheke. Die Metallsalze irritieren die Schweißdrüsen und können das Schwitzen so für eine Weile eindämmen.

Gerade zu Beginn kann es allerdings zu Brennen oder Hautirritationen kommen. Einige Experten warnen zudem vor einer zu großen Aluminiumkonzentration. Deshalb werden Antitranspiranten nicht mehr von allen Ärzten empfohlen.

Tabletten gegen Schwitzen

Neben Antitranspiranten gibt es in der Apotheke auch verschiedene, verschreibungspflichtige Tabletten gegen das Schwitzen. Diese Antihidrotika können die Hyperhidrose ebenfalls eindämmen, haben aber auch Nebenwirkungen. Deshalb werden sie vor allem bei Schwitzen am ganzen Körper oder gleich an mehreren Stellen eingesetzt.

Leitungswasseriontophorese

Vor allem bei schwitzigen Händen oder Schweißfüßen, aber auch an den Achseln kann die sogenannte Leitungswasseriontophorese helfen. Dabei wird schwacher Strom durch die Schweißdrüsen geleitet, um ihre Produktion einzudämmen. Wie die Wirkung genau funktioniert, konnte wissenschaftlich bisher nicht nachgewiesen werden. Viele Patienten berichten aber von einer klaren Verbesserung.

Botox gegen Schwitzen

Botulinumtoxin, umgangssprachlich Botox genannt, ist ein Nervengift. Es kann nicht nur bei Falten, sondern auch bei Hyperhidrose angewandt werden. Die Schweißdrüsen werden so drei bis neun Monate lang gestört. Danach muss die Behandlung wiederholt werden.

OP gegen Schwitzen

Sollten die Behandlungen nicht helfen, kann ein Eingriff sinnvoll sein. Auch hier gibt es verschiedene Möglichkeiten. Bei der Schweißdrüsensaugkürettage werden die Schweißdrüsen minimal-invasiv abgesaugt. Außerdem können sie herausgeschnitten werden. An vielen Stellen ist auch ein Durchtrennen der Nervenstränge möglich, um die Schweißproduktion zu stoppen.

Nach der OP lässt das Schwitzen an der behandelten Stelle nach oder ist sogar ganz unterbrochen. Zum Ausgleich kann es aber sein, dass in anderen Körperbereichen deutlich mehr Sekret produziert wird.