Gesundheitsupdate: Die Zukunft von CBD – das sagen Ärzte über das Potenzial

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In den vergangenen Jahren haben Forscher dank einer großen Zahl klinischer Studien das Wissen zur therapeutischen Wirkung von Cannabisprodukten erheblich verbessert. Angefangen hat diese Trendwende, als Wissenschaftler vor etwa 20 Jahren das Endocannabinoid-System im menschlichen Körper entdeckt hatten. Schon im Oktober 2008, bei einer Anhörung vor dem Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages, erklärten Ärzte der kassenärztlichen Bundesvereinigung, der Bundesärztekammer und der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, dass es medizinische Indikationen für die Anwendung von Cannabinoid-Präparaten gibt. Wenn Patienten keine ausreichende Linderung ihrer Symptomatik bei Schmerzen, Spastiken, Übelkeit, Appetitmangel und Erbrechen erfahren, kann der Einsatz von CBD sinnvoll sein. Mittlerweile dürfen Ärzte in Deutschland medizinisches Cannabis verschreiben – und zwar seit März 2017.

Noch fehlen fundierte Studien

Die Änderung des Betäubungsmittelgesetzes hat die laut bundesaerztekammer.de die Möglichkeiten für Ärzte erweitert, Cannabis-Arzneimittel zu verordnen. Das Verfahren ist dadurch viel einfacher geworden. Jeder Arzt darf entsprechende Medikamente verordnen. Dabei ist im Gesetz nicht näher spezifiziert, für welche Indikationen Verschreibungen erlaubt sind. Das liegt vor allem daran, dass es noch an aussagekräftigen und hochwertigen Studien fehlt. Noch lässt sich nicht sagen, für welche Beschwerdebilder Cannabis das richtige Medikament ist. Es liegen in erster Linie Fallbeispiele und Fallsammlungen vor. Ärzte sind hier selbst in der Verantwortung. Die Cannabispflanze Cannabis sativa beispielsweise enthält mehrere Hundert verschiedene Wirkstoffe. Die wirksamsten dabei sind THC (Delta-9-Tetrahydrocannabinol), das bekannt ist für seine berauschende Wirkung und CBD (Cannabidiol). Darüber hinaus sind noch weitere Cannabinoide und Pflanzenstoffe enthalten, die sich auf verschiedene Cannabinoidrezeptoren im Endocannabinoiden-System auswirken. Dabei kommt es zu Einzeleffekten und auch zu einer Wirkung in anderen Rezeptor-Systemen. Wer mehr Informationen zu CBD-Öl sucht, kann im CBD-Öl-Ratgeber auf aller-eltermagazin.de weiterlesen.

Medizinisch bereits belegte Indikationen

Für die meisten Indikationen zur Wirksamkeit von Cannabinoiden fehlen noch viele Daten. In einigen Bereichen gibt es bereits akzeptable wissenschaftliche Erkenntnisse, wie die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) nach einer Recherche bestätigt. Das gilt für die Behandlung von Übelkeit, Erbrechen und Spastiken, die durch Zytostatika verursacht sind, und bei chronischen Schmerzen.

Zudem gibt es Hinweise auf eine Wirksamkeit bei Gewichtsverlust und Appetitlosigkeit bei HIV/AIDS, dem Tourette-Syndrom, Morbus Parkinson, Schizophrenie, Epilepsie, entzündlichen Darmerkrankungen und Kopfschmerzen.

Die Behandlung mit Cannabis ist bisher vor allem für die folgenden Indikationen vorgesehen:

  • Schmerzen
  • ADHS
  • unterschiedliche Genesen von Spastiken
  • Depressionen
  • Appetitlosigkeit
  • Unterernährung infolge einer schweren Erkrankung
  • Tourette-Syndrom
  • Darmerkrankungen
  • Epilepsie
  • psychische Erkrankungen

Für diese Erkrankungen gibt es bisher Belege, dass sie auf eine cannabinoid-basierte Therapie ansprechen. Es ist laut AkdÄ sehr wahrscheinlich, dass noch weitere Patienten mit anderen Krankheitsbildern und Indikationen von einer Therapie mit Cannabis-Produkten profitieren können.

Wann sind Cannabinoide keine Option?

Es gibt auch einige Fälle, bei denen Ärzte dringend von einer Anwendung cannabinoid-haltiger Produkte abraten. Dazu gehören schwere Persönlichkeitsstörungen, schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Psychosen, Schwangerschaft und Stillzeit. In diesen Fällen sollten Ärzte von einer entsprechenden Verordnung absehen.

Cannabinoide als ergänzende Therapie

Produkte aus der Cannabispflanze sind eine Ergänzung zu einer bestehenden Medikation anzusehen. Sie lindern bestimmte einzelne Beschwerden. So kann beispielsweise der angstlösende, stimmungsaufhellende und schlaffördernde Effekt von THC die Lebensqualität der erkrankten Menschen erheblich erhöhen. Hier ist auf eine niedrige Dosierung zu achten.

Für THC ist keine tödliche Dosis beim Menschen bekannt. Die bisher bekannten Nebenwirkungen sind relativ gering und lassen schnell nach. Durch entsprechende Dosisanpassungen lassen sie sich leicht beheben. Nebenwirkungen sind dosisabhängige Rauschzustände mit Symptomen wie Euphorie, gesteigerte Wahrnehmung, Begeisterung, Mundtrockenheit, Schwindel und Schläfrigkeit. Gelegentlich kann es zu Angst, Gedankenstörungen, Nervosität, Paranoia, Sprach- und Sehstörungen, Tinnitus, Albträumen kommen. In sehr seltenen Fällen löst THC psychische Erkrankungen aus oder befördert diese.

Für viele Apotheker sind bei der Verordnung von medizinischem Cannabis vor allem die Patienten die Experten, heißt es unter aerzteblatt.de. Viele beschäftigen sich ausgiebig mit dem Thema und lesen sich viel Wissen an. Meist sind es auch die Patienten, die den Arzt erst auf die Idee bringen, dass medizinisches Cannabis in ihrem speziellen Fall eine Therapieoption wäre.

Die Erfahrungen der Patienten

Regelmäßig berichten Patienten, die von ihrem Arzt medizinisches Cannabis verordnet bekommen, davon, dass ihre Beschwerden besser werden. Migränekopfschmerzen, Rheumaschmerzen oder die Nebenwirkungen einer Chemotherapie bei Krebspatienten werden erträglicher. Patienten bekommen wieder Appetit, können essen und Gewicht zulegen. Insgesamt berichten viele, vor allem schwer kranke Patienten, dass diese Medikamente ihnen ein Stück ihrer Lebensqualität zurückgegeben haben.

Die medizinische Forschung steht hier noch am Anfang

Noch sind viele wissenschaftliche Studien und Bemühungen notwendig, bis es wirkungsspezifische Medikamente auf der Basis von Cannabis gibt. Eines Tages wird es entsprechende Produkte mit isolierten Cannabinoiden und Terpenen geben, die ein Wirkstoffprofil haben, das auf eine bestimmte Krankheit abgestimmt ist. Für viele kann das dann die optimale Form der Behandlung sein. Es wird immer auch Menschen geben, die davon überzeugt sind, dass nur naturbelassene Cannabisblüten alle gesundheitlichen Vorteile transportieren können.

Durch Züchtungen entwickeln die Forscher Subtypen, die ganz bestimmte medizinische Eigenschaften haben. Diese Entwicklung schreitet weiter voran. Auch hier wird es in absehbarer Zeit die Möglichkeit zum gezielten medizinischen Einsatz der Hanfpflanze geben.