Die 5 Schritte zu einer Psychotherapie

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Der Satz „Ich brauche Hilfe“ markiert oft den Anfang einer Psychotherapie. Denn sich selbst einzugestehen, dass es alleine nicht mehr geht und dass auch die Psyche manchmal einen Arzt braucht, fällt vielen Betroffenen schwer. Dennoch ist es mit dieser wichtigen Erkenntnis noch nicht getan. Wer in Deutschland ambulante psychologische Unterstützung braucht, muss zunächst einen Psychotherapeuten finden und eine Therapie genehmigt bekommen.

Was es dabei zu beachten gibt und wie die einzelnen Schritte aussehen:

1. Schritt: Einen Ansprechpartner finden

Sie wünschen sich psychologische Unterstützung, doch an wen sollen Sie sich dafür wenden? Diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten. Denn zumindest gesetzlich Krankenversicherte brauchen einen Psychotherapeuten oder Psychiater, der eine Kassenzulassung hat. Haben Sie Angst bei der Suche aufzugeben oder wünschen Sie sich zunächst ärztlichen Rat, ist Ihr Hausarzt der beste Ansprechpartner. Er ist im weiteren Verlauf für die Therapie noch entscheidend und kennt sich deshalb meist gut mit Patienten in Ihrer Lage aus.

In einem ersten Gespräch beantworten Hausärzte gerne alle Fragen zu einer Psychotherapie, geben Tipps und haben in der Regel eine Liste mit geeigneten Praxen in der Nähe. Ein solcher Besuch ist aber nicht unbedingt nötig. Sie können auch direkt einen Termin bei einem Therapeuten vereinbaren – ganz ohne Überweisung oder Empfehlung.

Da es nur eine begrenzte Anzahl von Kassensitzen für Psychotherapeuten gibt, kann die Suche unter Umständen ein paar Wochen oder Monate dauern. Bei mehreren Praxen um einen Platz auf der Warteliste zu bitten oder auch die Krankenkasse nach Möglichkeiten zu fragen, kann deshalb durchaus hilfreich sein.

Wichtig: Sollten Sie akute psychische Probleme haben oder sofort Hilfe benötigen, können Sie sich jederzeit an den psychiatrischen Notdienst oder die Telefonseelsorge wenden.

2. Schritt: Das Einführungsgespräch

Die erste Sprechstunde in einer psychotherapeutischen Praxis entscheidet über den weiteren Verlauf der Therapie. Zunächst schildern Sie Ihre Situation und Ihre Wünsche. Oft ist es auch hilfreich, einen umfangreichen Fragebogen auszufüllen, um bestimmte Ursachen auszuschließen. Anschließend erläutert der Experte Ihre Möglichkeiten. Dabei sprechen Sie auch über die geeignete Therapieform, etwa Verhaltenstherapie oder Psychoanalyse. Da jeder Therapeut anders vorgeht, bekommen Sie beim ersten Termin zudem eine Einschätzung, was Ihnen eventuell weiterhelfen oder ob es einen passenden Kollegen gibt, der Ihre Situation besser lösen könnte. Eine Entscheidung müssen Sie dennoch nicht sofort treffen.

3. Schritt: Die Probestunden

Die gesetzlichen Krankenkassen sehen vier Probestunden bei einem Psychotherapeuten vor. Privatversicherte fragen am besten direkt bei Ihrem Anbieter nach. In jedem Fall sollten Sie die Möglichkeit haben, Ihr Gegenüber und die Art der Therapie genauer kennenzulernen – und diese nutzen. Denn wichtig für den Erfolg ist es vor allem, dass Sie sich in den nächsten Wochen und Monaten öffnen können und Ihrem Gegenüber viele Dinge anvertrauen, die Ihnen vielleicht unangenehm sind. Dafür muss ein Therapeut zu Ihnen passen. Sollten Sie sich unwohl fühlen oder ein schlechtes Bauchgefühl haben, können Sie jederzeit einen anderen Psychotherapeuten suchen.

Beginnen Sie einfach erneut mit den vier Probestunden, bis Sie sicher sind, die richtige Praxis für sich gefunden zu haben.

4. Schritt: Der Konsiliarbericht vom Hausarzt

Bevor Sie mit der Therapie beginnen können, sollte der Hausarzt abklären, ob körperliche Erkrankungen vorliegen. Diese können unter Umständen ähnliche Symptome und auch psychische Beschwerden auslösen. Wird bei der Untersuchung nichts erkannt, verfasst der Mediziner einen sogenannten Konsiliarbericht. Diesen schickt er in einem verschlossenen Umschlag an die Krankenkasse, sodass nur der Gutachter ihn einsehen kann, der am Ende über die Genehmigung der Therapie entscheidet.

5. Schritt: Genehmigung und Start der Therapie

Haben sie sich in den Probestunden mit dem Therapeuten auf eine Vorgehensweise geeinigt, beantragt dieser die Therapie bei der Krankenkasse. Sobald die Genehmigung vorliegt, können Sie damit beginnen. Meist sollten Sie mindestens einmal die Woche einen festen Termin vereinbaren. Zudem wird ein Stundenkontingent vereinbart. Wie die Stunden genau aussehen und was Sie dabei besprechen oder lernen, ist ganz individuell. Dennoch sollten Sie mit Ihrem Therapeuten sprechen, wenn Sie sich unwohl fühlen oder weitere Fragen haben.

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