Asthma - einfach atmen?

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Warum Häufigkeit und auch Ausprägung von Asthma – und Allergien – seit den 1970er Jahren so deutlich ansteigen, konnten auch die Forscher bisher noch nicht klären. Natürlich spielen die Gene dabei eine Rolle, doch weisen viele Hinweise mittlerweile in eine andere Richtung: Möglicherweise ist die stark verbesserte Hygiene in großem Maße mitverantwortlich. Sauberkeit soll Asthma verursachen? Klingt unsinnig… ist es aber eigentlich gar nicht.

Denn das Immunsystem unseres Körpers ist es gewohnt, viel zu tun zu haben. Der Kampf mit bedrohlichen Erregern gehörte viele Jahrtausende lang zu seinen täglichen Aufgaben. Heute ist das anders: Im Zeitalter von Desinfektionsmitteln und penibelster Reinlichkeit geht ihm so langsam die Arbeit aus. Und dem Workaholic Immunsystem gefällt das gar nicht. So kann es passieren, dass es auf Stoffe oder Gewebe überreagiert, die es eigentlich gar nicht zu kümmern bräuchten. Damit fällt der Startschuss für Autoimmunerkrankungen aller Art: Zöliakie, Rheuma, Morbus Crohn …und eben auch Immunstörungen wie das Asthma.

Asthma – wenn die Bronchien überempfindlich werden

Dann kommt es ständig zu Entzündungen im Bereich der Bronchien. Die sind davon irgendwann so mitgenommen, dass sie auf kleinste Reizungen stark überempfindlich reagieren. Fühlen sie sich bedroht, schalten sie direkt auf Alarmstufe Rot: Die Schleimhäute schwellen plötzlich stark an und produzieren große Mengen Schleim, die sich nur schwer abhusten lassen. Die Bronchien selbst verkrampfen sich. Für den Betroffenen macht sich das als teils heftige Atemnot, schwerer Husten und auffällige Atemgeräusche bemerkbar.

Neben der Atemnot durch die Verkrampfung der Muskeln ist eines der größten Probleme beim Asthma, dass das Ausatmen nicht mehr oder nur noch eingeschränkt funktioniert. Mit jedem Atemzug verbleibt mehr verbrauchte Atemluft im Körper, die Lungen überblähen mehr und mehr. Beim Einatmen ist kaum noch Platz für die frische Luft. Treten diese Beschwerden plötzlich und äußerst heftig auf, spricht man von einem Asthma-Anfall. Bei einem milderen Verlauf über einen längeren Zeitraum ist von Obstruktion die Rede.

Im Idealfall ist dann sofort das Notfall-Spray zur Hand. Es erweitert möglichst schnell die Bronchien – dann kann der Betroffene wieder freier atmen und sich erholen. Asthma-Kranke sollten deshalb immer so ein Spray bei sich tragen. Ein Anfall kann sonst extrem gefährlich werden.

Zur Behandlung von Asthma gehört aber nicht nur der Einsatz von den sogenannten Relievern. Um die Erkrankung abzumildern und die Lebensqualität zu steigern braucht es auch die Controller. Das sind Medikamente – meist in Pulverform –, die regelmäßig und über einen langen Zeitraum eingenommen werden müssen, um ihre volle Wirkung zu entfalten. Sie enthalten Cortison, das beruhigend auf das Immunsystem und die Entzündungen in den Bronchien wirkt. Langfristig schützt das vor den akuten Asthma-Anfällen.

Die vielen Gesichter von Asthma

Asthma ist keineswegs gleich Asthma: Welche der vielen Formen tatsächlich vorliegt, hängt entscheidend von der Ursache ab, die die Anfälle auslöst. Die Möglichkeiten sind dabei schier endlos: Allergien (zum Beispiel Heuschnupfen), häufiger (auch beruflich bedingter) Kontakt zu potentiell allergieauslösenden Stoffen, Infekte, körperliche Belastung oder äußere Reize wie zum Beispiel nasskaltes Wetter. All das kann für sich allein genommen eine Asthma-Erkrankung ausmachen. In sehr vielen Fällen liegen allerdings Mischformen vor, die mehrere Auslöser kombinieren. Die Ausprägung von Asthma bleibt dabei aber keinesfalls immer gleich. Bei nahezu jedem Betroffenen wechseln sich Phasen stärkerer Beschwerden mit ruhigeren, erholsamen Phasen ab.

Taucht der Verdacht auf eine Asthma-Erkrankung auf, führt am Arztbesuch kein Weg vorbei. Nur er kann zweifelsfrei klären, ob tatsächlich Asthma vorliegt oder ob nicht doch eine andere Erkrankung Schuld an den Beschwerden haben könnte. Neben einem ausführlichen Gespräch und dem Abhören der Lunge spielt der Lungenfunktionstest eine entscheidende Rolle bei der Diagnose. Helfen können außerdem eine Blutgasanalyse, Röntgen oder ein Allergietest.

Steht die Diagnose fest, ist das für viele Menschen erst einmal ein Schock. Schließlich sitzt der Gedanke an die Erkrankung von diesem Zeitpunkt an immer im Nacken. Die Furcht vor dem nächsten Anfall gehört zum Leben mit Asthma dazu. Doch sollte man darauf achten, der Krankheit nicht zu viel Macht zu geben – denn ein erfülltes, normales Leben ist auch mit Asthma möglich. Wichtig ist es, regelmäßig die verordneten Medikamente einzunehmen – auch und vielleicht gerade dann, wenn sich die Symptome gebessert haben. Viele Betroffene, denken dann nämlich, dass die Medikamente nicht mehr nötig sind. Dadurch riskieren sie eine drastische Verschlechterung ihres Asthmas und das Auftreten von neuen Asthma-Anfällen.

Um das Risiko generell zu verringern, gibt es aber noch andere Möglichkeiten: Meiden Sie Reize, die eine Verschlechterung Ihrer Beschwerden auslösen – seien es nun Tierhaare, Staub oder nasskalte Luft. Hören Sie auf Ihren Körper. Tun Sie was Ihnen gut tut.

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