Lebensdauer von Zahnimplantaten: Wie lange hält ein Zahnimplantat?
Zahnimplantate sind eine langfristige Investition. Kein Wunder also, dass sich die meisten Patienten und Patientinnen fragen, wie lange sie eigentlich halten. Das hängt jedoch nicht nur davon ab, welche individuelle Ausgangslage Mund und Kieferknochen mitbringen und wie Sie das Zahnimplantat pflegen. Vielmehr ist auch entscheidend von welchem Teil des Zahnimplantats wir sprechen.
Die kurze Antwort, Zahnimplantate können ein Leben lang halten. Auch nach 10 -15 Jahren sind noch über 90 % funktionstüchtig, reicht hier also nicht aus. Zahnarzt Dr. Christian Empt von Zahnarzt Wesseling - Casa Dental erklärt, worauf es bei der Lebensdauer von Zahnimplantaten wirklich ankommt.
Implantatkörper, Abutment und Krone: Nicht alles hält gleich lange
Wer von einem Zahnimplantat spricht, meint meist den gesamten Zahnersatz. Tatsächlich bestehen Implantate aber aus mehreren Teilen.
- Implantatkörper: künstliche Zahnwurzel im Kieferknochen
- Abutment: Verbindungsteil zwischen Implantat und Zahnersatz
- Implantatkrone/Suprakonstruktion: sichtbarer Zahnersatz
Wenn nach 15 Jahren etwas erneuert werden muss, betrifft das nicht automatisch die künstliche Zahnwurzel. Häufig geht es um Krone, Schrauben oder Verbindungsstück (Abutment). Für eine realistische Einschätzung der Lebensdauer von Zahnimplantaten, müssen wir uns deshalb vor allem ansehen, wie lange die einzelnen Implantatteile halten.
Wie lange hält der Implantatkörper im Kiefer?
Fragen Sie Ihren Zahnarzt oder Ihre Zahnärztin wie lange ein Implantatkörper im Kiefer hält, bekommen Sie meist die vorsichtige Antwort, die wir auch schon am Anfang des Beitrags genannt haben.
Zahnimplantate können ein Leben lang halten. Auch nach 10 -15 Jahren sind noch über 90 % funktionstüchtig.
Das liegt allerdings nicht daran, dass die Lebensdauer von Implantaten spätestens nach 15 Jahren stark nachlässt. Vielmehr ist die Studienlage über längere Zeiträume noch nicht aussagekräftig genug. Zwar gibt es Zahnimplantate schon sehr lange, Materialien und Methoden entwickeln sich aber stetig weiter. Das macht einen Vergleich der Lebensdauer schwierig. Zahnimplantate, die vor 40 Jahren eingesetzt wurden, sind nicht unbedingt mit einem modernen Implantatkörper vergleichbar.
Zudem sind die Studienvoraussetzungen teilweise unterschiedlich. Während manche Untersuchungen die Funktionstüchtigkeit oder „Gesundheit“ des Zahnimplantats feststellen, konzentrieren sich andere auf die Überlebensdauer. Bei Letzteren können Behandlungen z. B. gegen Entzündungen nötig werden, der Implantatkörper selbst kann aber im Kiefer bleiben.
Einen groben Überblick, wie lange ein Implantatkörper halten kann, gibt diese Tabelle:
| Zeitraum | Anteil erhaltener Implantatkörper | Einordnung |
| nach 5 Jahren | ca. 97 % | Sehr viele Implantatkörper sind nach 5 Jahren noch stabil im Kiefer verankert. |
| nach 10 Jahren | ca. 93–96 % | Die Studienlage ist gut; moderne Implantate zeigen nach 10 Jahren meist hohe Überlebensraten. |
| nach 20 Jahren | ca. 78–92 % | Viele Implantatkörper können auch nach 20 Jahren noch erhalten sein. |
| nach bis zu 40 Jahren |
95,6 % (in einer Langzeitstudie) |
Eine sehr lange Haltbarkeit ist möglich, aber noch nicht verlässlich in Studien nachgewiesen. |
Die Tabelle zeigt dabei nur Durchschnittswerte. In Ihrem persönlichen Fall kann die Lebensdauer also auch abweichen.
Das ist auch für Patienten und Patientinnen sehr interessant. Denn den sichtbaren Teil eines Zahnimplantats auszutauschen ist weit weniger aufwändig und invasiv, als bei dem im Kieferknochen verankerten Implantatkörper.
Das Abutment dient als Verbindungsstück zwischen Implantatkörper und Implantatkrone. Manchmal ist es auch fest in den Implantatkörper integriert (Monoblock-Implantat). Anders als beim Rest des Implantats gibt es zum Abutment deutlich weniger Studien zur Langlebigkeit. Dennoch ist ein Bruch des Verbindungsstücks relativ selten. Sehr viel häufiger kommt es zu Schraubenlockerungen oder auch beschädigten Schrauben. Dies ist auch innerhalb der ersten 5 Jahre mit Zahnimplantat möglich. Der Zahnarzt oder die Zahnärztin können Schrauben aber relativ einfach und schnell austauschen. Auf die Langlebigkeit eines Zahnimplantats hat das Abutment also weit weniger Einfluss als Implantatkörper und Implantatkrone.
Wie lange hält die Krone auf dem Implantat?
Für Studien zu Implantatkronen gilt dasselbe wie bei Implantatkörpern: Nach 15 Jahren wird die Studienlage dünner. Das heißt aber nicht, dass die Haltbarkeit danach drastisch nachlässt. Moderne Implantatkronen haben eine sehr hohe Lebensdauer. Auch wenn sie häufiger getauscht oder behandelt werden müssen als Implantatkörper können sie unter Umständen ein Leben lang halten. Diese Tabelle zeigt einen Überblick über die durchschnittliche Überlebensrate von Implantatkronen nach Jahren:
| Zeitraum | Überleben der implantatgetragenen Einzelkrone in % | Einordnung |
| nach 5 Jahren | ca. 96 % | Viele Implantatkronen sind nach 5 Jahren noch erhalten. Technische oder biologische Komplikationen können trotzdem auftreten. |
| nach 10 Jahren | ca. 89 % | Nach 10 Jahren ist die Krone häufiger erneuerungs- oder reparaturbedürftig als der Implantatkörper selbst. |
| nach 20 Jahren |
ca. 86–87 % (nur eingeschränkt vergleichbar) |
Langzeitdaten zu implantatgetragenen Rekonstruktionen zeigen auch nach bis zu 20 Jahren hohe Überlebensraten. |
| nach bis zu 40 Jahren |
60,9 % (in einer Langzeitstudie) |
Sehr lange Haltbarkeit ist möglich, aber Kronen werden über Jahrzehnte deutlich häufiger ersetzt als der Implantatkörper. |
Diese Zahlen zeigen deutlich, dass Implantatkronen sehr lange halten können, auch wenn sie in der Zwischenzeit eventuell zahnärztlich behandelt werden müssen. Eine Garantie für die Lebensdauer von Implantaten gibt es allerdings nicht. Denn diese hängt auch noch von anderen Faktoren ab.
Welche Faktoren beeinflussen die Lebensdauer von Zahnimplantaten?
Die Langlebigkeit von Zahnimplantaten hängt nicht nur vom Material ab. Auch die individuellen Voraussetzungen jedes Patienten und jeder Patientin spielen eine Rolle. Entscheidend sind dabei vor allem:
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Knochenqualität, Zahnfleisch und allgemeine Gesundheit
Für Festigkeit und Haltbarkeit des Implantatkröpers ist die Knochenqualität entscheidend. Nur so kann dieser fest und dauerhaft einwachsen. Deshalb wird diese vor dem Eingriff ausführlich geprüft. Zusätzlich sollte das Zahnfleisch möglichst gesund sein. Entzündungen oder Parodontitis müssen vor dem Einsetzen des Implantats ausgeheilt sein. Nicht zuletzt kann auch die allgemeine Gesundheit das Einheilen und die Langlebigkeit des Zahnimplantats beeinflussen. Das Immunsystem sollte beispielsweise nicht geschwächt sein, aber auch Vorerkrankungen wie Diabetes können sich auswirken. -
Rauchen, Knirschen und Überbelastung
Rauchen hat nachweislich einen Einfluss auf die Mundgesundheit und damit auch auf die Langlebigkeit eines Zahnimplantats. Gerade während der Einheilphase, aber auch danach sollten Sie deshalb auf das Rauchen verzichten.
Ähnlich sieht es mit Überbelastungen aus. Diese können nicht nur das Verankern des Implantats im Kieferknochen behindern, sondern auch danach für Schäden an Implantatkrone, Verbindungsstück (Abutment) oder Implantatkörper verantwortlich sein. Eine solche Überbelastung kann beispielsweise durch unbehandeltes Zähneknirschen verursacht werden. -
gute Mundhygiene und regelmäßige Nachsorge
Eine der häufigsten Ursachen für Behandlungen an oder Verlust von Zahnimplantaten sind Entzündungen. Diese können durch eine gute Mundhygiene und regelmäßige Nachsorge frühzeitig erkannt und verhindert werden. Dabei können auch Sie als Patient:in unterstützen.
Was können Patienten für eine lange Haltbarkeit tun?
Tipps für eine gute Mundgesundheit schließen auch Zahnimplantate mit ein. Für Ihre regelmäßige Zahnhygiene gilt:
- zweimal täglich Zähne putzen
- Zahnzwischenräume reinigen
- Interdentalbürsten oder spezielle Hilfsmittel verwenden
- Implantatränder sorgfältig reinigen
Zudem sollten Sie zweimal jährlich die Vorsorge bei Ihrem Zahnarzt oder Ihrer Zahnärztin wahrnehmen. Hier können Probleme nicht nur frühzeitig erkannt werden, sondern Sie bekommen auch Tipps, ob und wo Ihre Zähne gründlicher gereinigt werden sollten. Treten in der Zwischenzeit Blutungen, Schmerzen oder Lockerungen auf, lassen Sie diese am besten direkt zahnärztlich abklären. Dies kann die Haltbarkeit Ihrer Zahnimplantate deutlich verlängern.
Wann lohnt sich ein Zahnimplantat langfristig?
Aus zahnärztlicher Sicht geht es bei der Frage, ob sich ein Zahnimplantat langfristig lohnt, nicht nur um die Lebensdauer. Auch Kriterien wie Funktion und Komfort sollten in die Entscheidung einbezogen werden. Zahnimplantate bieten in der Regel einen sehr sicheren Halt und eine einfache Handhabung. Zudem ist der Pflegeaufwand im Vergleich zu herausnehmbaren Prothesen oft geringer. Sie können wie die natürlichen Zähne geputzt werden. Bei regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen können eventuell auftretende Schraubenlockerungen oder Entzündung zudem meist frühzeitig behandelt werden. Damit stellen sie für viele Patienten und Patientinnen eine einfache und langfristige Zahnersatz-Lösung dar.
Häufige Fragen zur Lebensdauer von Zahnimplantaten
Wie lange hält ein Zahnimplantat durchschnittlich?
Ein Großteil der Zahnimplantate hält 10 bis 20 Jahre. Auch danach können Implantate noch viele Jahre voll funktionstüchtig bleiben. Für den oder die Einzelne(n) hängt die Lebensdauer allerdings von mehreren Faktoren, z. B. Mundhygiene und Knochenqualität, ab.
Kann ein Zahnimplantat ein Leben lang halten?
Ja, das ist möglich. Eine Garantie gibt es dafür aber nicht.
Was hält länger: Implantat oder Krone?
Meist hält der Implantatkörper länger als die sichtbare Krone.
Wann muss ein Zahnimplantat erneuert werden?
Wenn es locker wird, starke Entzündungen bestehen oder deutlicher Knochenverlust vorliegt, muss ein Zahnimplantat ausgetauscht werden. Häufiger müssen jedoch Krone oder Verbindungsteile erneuert werden.
Wie oft sollte ein Zahnimplantat kontrolliert werden?
Bei der regelmäßigen Vorsorge nach zahnärztlicher Empfehlung (meist zweimal im Jahr) sollten auch Zahnimplantate kontrolliert werden. Bei erhöhtem Risiko können engere Kontrollintervalle sinnvoll sein.