Fünf Jahre vertrauliche Geburt - Ein Überblick

Nahaufnahme eines schwangeren Bauches mit einer gezeichneten Silhouette eines Babys darauf. Die Frau trägt ein weißes Oberteil und Unterwäsche und hält liebevoll ihren Bauch mit beiden Händen. Der Hintergrund ist neutral und hell.
Die vertrauliche Geburt soll Mutter und Kind schützen.

Häusliche Gewalt oder starke finanzielle Probleme. Die Gründe warum eine Frau sich dafür entscheidet, ihr Baby anonym abzugeben sind unterschiedlich. Um den Betroffenen eine Alternative zur Babyklappe zu geben, wurde vor mehr als fünf Jahren das Gesetz zur vertraulichen Geburt verabschiedet. Damit hat sich sowohl für Frauen, als auch für Ärzte einiges geändert. ÄRZTE PLUS gibt Ihnen einen Überblick über fünf Jahre vertrauliche Geburt.

Gesetzliche Grundlage einer vertraulichen Geburt

Zum 01.05.2014 ist das Gesetz zum Ausbau der Hilfen für Schwangere und zur Regelung der vertraulichen Geburt in Kraft getreten. Damit werden Frauen geschützt, die eine Schwangerschaft verheimlichen oder aus anderen persönlichen Gründen ihre Identität nicht preisgeben wollen. Ziel der neuen Rechtsprechung ist es, Geburten, die außerhalb einer medizinischen Einrichtung stattfinden, zu verringern und im besten Fall zu verhindern. Mit Einführung der vertraulichen Geburt hat der Gesetzgeber nicht nur die Rechte der Frauen gestärkt. Auch Sie als Arzt profitieren von der neuen Gesetzeslage. Sollte eine Patientin bei Ihnen Beratung suchen, können Sie diese nun anonym beraten oder an die entsprechenden Fachärzte und Beratungsstellen verweisen. Bei allen Kosten, die während der Vor- und Nachbehandlung und Durchführung der Geburt entstehen, ist es möglich, diese vollständig über das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben abzurechnen.

Wer nimmt die Beratung und Durchführung einer vertraulichen Geburt in Anspruch?

Das Gesetz ist für Frauen gedacht, die sich in persönlichen Konfliktsituationen befinden und die Schwangerschaft deshalb vor ihrem Umfeld verheimlicht haben.
Diese Patientinnen stehen unter enormen psychischen Druck. Bis zum Zeitpunkt der ersten Beratung oder im Notfall der Entbindung, haben die betroffenen Frauen oftmals mit niemandem über die Schwangerschaft sprechen können. So wie sie in Ihrer täglichen Arbeit als Arzt für Patienten eine Vertrauensperson sind, erhofft sich auch die Schwangere eine solche Person. Selbst wenn Sie in Ihrer täglichen Praxis in einem anderen Fachbereich tätig sind, sind Sie als erster Ansprechpartner ein wichtiger Teil des kommenden Prozesses.

Über 2200 Beratungen zur vertraulichen Geburt

Seit der Einführung des Gesetzes im Mai 2014 haben bereits 570 Kinder auf dem Weg der vertraulichen Geburt das Licht der Welt erblickt. Allein 126 davon im Jahr 2018.
Insgesamt wurden bisher mehr als 2200 anonyme und vertrauliche Beratungsgespräche durchgeführt. Von den Frauen die dieses Angebot in Anspruch genommen haben, haben sich knapp 22 Prozent für eine vertrauliche Geburt entschieden.
Das Bundesministerium für Familien ist nach eigenen Angaben zufrieden mit den bisherigen Ergebnissen. Deshalb ist geplant, die Informationskampagne für die Hilfsangebote für Schwangere fortzusetzen.

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