Die beliebtesten medizinischen Weiterbildungen für Ärzte

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Facharztausbildungen – die begehrtesten Weiterbildungen

Nach dem Medizinstudium streben viele Ärzte die Facharztausbildung an. Damit orientieren sie sich auf einen Fachbereich und bilden sich meist auch in dem Bereich gezielt weiter. Die Facharztausbildung dauert mehrere Jahre und ist erst nach dem erfolgreichen Abschluss des Medizinstudiums möglich. Wer sich früh auf eine Fachrichtung festlegen kann, hat aber die Chance, schon im Grundstudium diverse Praxiseinsätze zu machen, die als Praxis auf die Facharztausbildung angerechnet werden können.

Kurze Seminare im fachlichen Bereich

Kurze Seminare sind für Ärzte kaum zu finden. Wenn dann sind es Hersteller von Medizingeräten, die eine Art Präsentation und Training in der praktischen Anwendung anbieten (Operationsassistenten, Geräte für Diagnoseverfahren). Am ehesten nutzen Ärzte Kongresse, um sich über Studienergebnisse und bestimmte Verfahren auszutauschen.

Die Pharmahersteller bieten teilweise auch Seminare an, um ihre Forschungen zu präsentieren und Ärzte auf neue Medikamente hinzuweisen.

Interdisziplinäre Medizin und alternative Heilmethoden

In kaum einem anderen Bereich hat die Komplementärmedizin so einen hohen Stellenwert, wie in der Krebstherapie. Doch auch andere Fachbereiche suchen nach Lösungen und sind durchaus offen für alternative Heilmethoden, wenn diese aus ärztlicher Sicht hilfreich sind. Dass Körper, Gesundheit und Befinden als Ganzes gesehen werden muss, ist nicht neu und gerade psychosomatische Erkrankungen sind schwierig zu erkennen. Einerseits fällt die Aussage: „Das ist psychisch bedingt!“ – zu schnell und leicht und andererseits werden Diagnoseverfahren ausgereizt, ohne wirklich eine körperliche Ursache zu finden, die aber unbedingt gefunden werden soll. Dass die Psyche da eine Rolle spielen kann, fällt Patienten und Ärzten gar nicht oder sehr spät ein.

Immer mehr Ärzte sehen jedoch den ganzheitlichen Ansatz und informieren sich in beruflichen Weiterbildungen über mögliche Zusammenhänge, bauen ihre Netzwerkarbeit aus und auch wenn vor allem niedergelassene Ärzte oft Einzelkämpfer sind, nutzen sie die Zusammenarbeit mit Kollegen aus demselben oder anderen Fachbereichen zur Teamarbeit zum Wohle ihrer Patienten.

Palliativmedizin

Die Palliativmedizin richtet sich an Sterbende, aber auch an ihre Angehörigen. Ärzte können hier nicht trennen und leisten oft vor allem psychische Therapie an Freunden, Verwandten oder Partnern, die sie selbst auch an ihre eigenen Belastungsgrenzen bringen kann. Neben den Kenntnissen über medizinische Aspekte, spielen hier viele rechtliche Themen eine Rolle. Auch wenn die Kommunikation mit Sterbenden und deren Angehörige nicht unbedingt ein medizinisches Thema ist, so nutzen viele Ärzte und auch Pflegende die Angebote entsprechender Seminare, um sich auszutauschen.

Fortbildungen finden

Fortbildungen für Ärzte werden durch die zuständigen Kammern publiziert. Aber auch in Fachzeitschriften und im Internet gibt es Datenbanken, die Ärzte nach Seminaren durchforstet werden können.

Kongresse und Veranstaltungen von Forschungseinrichtungen, Vorträge etc. gehören im weitesten Sinne ebenfalls zu Fortbildungen.

Kliniken setzen regelmäßig interne Gesprächsrunden zum Austausch an, verpflichten ihre Ärzte zu Vorträgen oder laden Referenten ein, die im Haus mit Fachwissen auf das ärztliche Personal zukommen.

Fortbildungspflicht für Ärzte

Ärzte sind fortbildungspflichtig. Absolvierte Seminare und Qualifikationsabschlüsse müssen übergeordneten Stellen nachgewiesen werden. In Kliniken wären dies die Klinikleitungen, bei niedergelassenen Ärzten die Kassenärztliche Vereinigung. Die Pflicht zur Fortbildung für Ärzte ist im SGB V geregelt.

Fortbildungen abseits der medizinischen Themen

Ärzte müssen sich mit vielen rechtlichen Fragen beschäftigen. Sind Krankheiten meldepflichtig, so müssen sie der Meldepflicht nachkommen. Neben der Schweigepflicht, nimmt auch der Datenschutz eine immer größere Rolle ein. Diverse Softwares, die digitale Patientenakten anlegen, für die Abrechnung mit den Kostenträgern oder die Steuererklärung genutzt werden, müssen ebenso beherrscht werden, wie die Führung von Mitarbeitern. Die Digitalisierung stellt ebenfalls besondere Ansprüche an die Ärzte. Apps die Vitalwerte messen, speichern und weiterleiten, müssen nicht nur von Patienten beherrscht werden.

Niedergelassene Ärzte müssen zudem genau wissen, wie weit sie Marketing betreiben dürfen und betriebswirtschaftliche Kenntnisse schaden ebenfalls nicht, weil sie ja eine Praxis führen, die rentabel sein muss.

Seminare für sich selbst

Ärzte stehen unter einem hohen Druck. Eine Fehlentscheidung kann im wahrsten Sinne des Wortes Leben kosten. Entsprechend ist es wichtig, dass Ärzte lernen, den Druck auszuhalten und so zu kanalisieren, dass sie nicht permanent unter Stress stehen. Gerade sehr empathische Menschen gehen vielleicht auch zu nah an die persönlichen Schicksale heran. Was in Serien wie dem Bergdoktor menschlich wirkt, bedeutet für einen Arzt puren Stress. Privatleben, Entspannung etc. kommen ggf. viel zu kurz, was sich langfristig auch für einen Arzt nachteilig auf die Gesundheit auswirkt.

Seminare zu Themen wie:

  • Psychohygiene
  • Stressabbau
  • Autogenes Training
  • Entspannungstechniken

bieten sich für Ärzte also ebenso an, wie für viele andere Menschen auch.

Ein wesentlicher Schwerpunkt im Arbeitsalltag, ist das Thema Zeitmanagement. Einerseits möchte der Arzt seinen Patienten nicht das Gefühl geben, er sei in Eile, andererseits ist er das aber und zwar stets und ständig. Denn nach den direkten Kontakten mit den Patienten stehen Arztbriefe, Abrechnung etc. an. Zeitmanagement und Selbstorganisation muss gelernt werden. Und je nach Mentalität auch, Nein zu sagen.

Wer das Talent hat, sich gut ausdrücken zu können und dabei empathisch und aufmerksam zu wirken, hat großes Glück. Doch auch das ist lernbar. Kommuniziert werden muss immer. Die Kommunikation mit Patienten unterliegt besonderen Anforderungen. Schmerzen lassen selbst freundliche Personen zu schwierigen Gesprächspartnern werden und schlimme Diagnosen zu überbringen, ist keine leichte Aufgabe. Hier helfen entsprechende Seminare, die sich dann auch direkt positiv auf die Kommunikation mit anderen Menschen im beruflichen und sogar im privaten Bereich auswirken.

Fazit: Die Fortbildungspflicht für Ärzte soll dafür sorgen, dass Ärzte sich weiterentwickeln und mit dem Fortschritt gehen. In wenigen Fachgebieten ändern sich Thesen so schnell und häufig wie in der Medizin oder Gesundheit. Schon lange haben Ärzte sich auf die Fahnen geschrieben, nicht nur gegen die Krankheiten zu kämpfen, sondern auch für eine bessere Gesundheit einzustehen. Gilt Kaffee nun als Trinkmenge oder nicht, ist sicher noch das kleinste Problem und manche Studien haben scheinbar fast lächerliche Fragestellungen. Doch gerade die Medizin profitiert sehr von den Forschungsergebnissen und ist darauf angewiesen, dass ein Thema aus möglichst vielen Perspektiven beleuchtet wird. Ärzte profitieren auch von der digitalen Weiterentwicklung und können viele Fortbildungen inzwischen Online wahrnehmen oder sogar selbst anbieten. 

 

Über die Autorin: Carola Käpernick hat ihren beruflichen Background in Erziehung und Pflege und lange als Dozentin gearbeitet. Hier hat sie u.a. Pflegeassistenten und Betreuungskräfte ausgebildet. Aktuell arbeitet sie in der Informationsvermittlung zu Covid 19 in einem südbadischen Gesundheitsamt.