Wunderwerk Speichel – ein unterschätzter Helfer

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„Da bleibt einem doch die Spucke weg!“ Dieses Sprichwort beschreibt den Zusammenhang aus Stress und der dadurch gehemmten Speichelproduktion sehr treffend. Was es mit einem trockenen Mund auf sich haben kann und was Sie sonst noch über Speichel wissen sollten:

Die Speicheldrüsen

Drei große Speicheldrüsen sitzen auf jeder Seite Ihres Gesichts und sind hauptsächlich für die Speichelproduktion verantwortlich. Eine am Ohr, am Unterkiefer und unter der Zunge. Drüsen in der Mundschleimhaut erledigen den Rest.

Zusammensetzung von Speichel

Eigentlich ist es ganz einfach: Speichel besteht aus Wasser. Lediglich ein Prozent enthält andere Stoffe, die aber in ihrer Zusammensetzung komplexer nicht sein könnten. Salze, Eiweiße, Schleimstoff und Antikörper, sogenannte Immunglobuline bilden diesen übrigen Teil. Die Salze bestehen aus Natrium, Kalium sowie Kalzium- und Phosphatverbindungen und sorgen für die Mineralisierung des Zahnschmelzes. Die Eiweiße hingegen arbeiten mit Enzymen. Diese Enzyme übernehmen die Spaltung der im Essen enthaltenen Stärke und sorgen dafür, dass der Bissen hinuntergeschluckt werden kann. Die Schleimstoffe kümmern sich um die Mundschleimhaut.

Welche Aufgaben hat Speichel?

Neben den bereits erwähnten Aufgaben des Speichels ist er noch für viele weitere Funktionen verantwortlich. Das saure Milieu im Mund auszugleichen und nebenbei noch winzige Schäden an den Zähnen zu reparieren gelingt mit Bikarbonat und Jodid. Ersteres neutralisiert Säuren, das Zweite ist ein Mineralsalz, das im Zahnschmelz abgelagert wird. Speichel wirkt antibakteriell, antimykotisch und antiviral.

Er ist darüber hinaus ein wichtiger Hirte des gesamten Biotops, das sich Mundhöhle nennt. In diesem Biotop leben nämlich viele verschiedene Mikroorganismen, welche versorgt werden wollen. Geraten darunter auch potenziell Gefährliche, entfernt der Speichel sie von Schleimhäuten und Gebiss und spült sie mit dem Schlucken hinunter in den Magen. Auch die Ausgeglichenheit der bakteriellen Mikroflora im Mund gehört zu diesen Aufgaben. Er bewacht das ökologische Gleichgewicht und schützt Zähne und Mundschleimhaut.

Nützliches Wissen über Speichel

  • Peptid – wirksame Waffe gegen Erreger

US-amerikanische Wissenschaftler feierten mit einer Antibiotika-Alternative aus Speichel einen kleinen Durchbruch. Peptid ist eine organisch-chemische Verbindung eines Eiweißes im Speichel. Es kann Bakterien und Pilze zu bekämpfen. Nun besteht die Hoffnung, dass es zukünftig in der Lage sein könnte, antibiotikaresistente Erreger zu töten.

  • Mundtrockenheit – ein Begleiter des Alters

Gut die Hälfte aller Deutschen über 65 Jahren leidet unter chronischer Mundtrockenheit. Davon ist die Rede, wenn das raue Gefühl im Mund und das Kratzen im Hals auch nach dem Trinken nicht besser werden. Ursache dafür kann die allgemein schlechtere Schleimhautregeneration in zunehmendem Alter sein. Dazu kommt, dass kaum ein älterer Mensch die ausreichende Trinkmenge von eineinhalb bis zwei Litern täglich zu sich nimmt. Ärzte empfehlen als Flüssigkeitszufuhr Wasser, Tee, Saftschorlen oder alkoholfreies Bier. Vor allem das Gurgeln mit Salbeitee kann die Speichelproduktion ankurbeln. Ein Gespräch mit dem Arzt sollte bei anhaltender Mundtrockenheit auf jeden Fall erfolgen, da dahinter auch Krankheiten stecken können.

  • Schnitt im Finger – Ab in den Mund oder lieber nicht?

Sie schneiden sich beim Gemüseschneiden in den Finger, er blutet. Viele Menschen stecken sich denn Finger blitzschnell und instinktiv in den Mund. Aber ist das wirklich eine gute Idee? Ja und Nein. Ja, wenn Sie sich unterwegs verletzen und kein sauberes Wasser zur Verfügung steht, um die Wunde auszuspülen. Tatsächlich kann der Speichel die Wunde säubern und antibakteriell wirken. Allerdings sollten manche Menschen, etwa Betroffene von Autoimmunerkrankungen lieber Vorsicht walten lassen. Außerdem ist auch für gesunde Menschen nur der eigene Speichel ungefährlich, weshalb Eltern nie Verletzungen ihrer Kinder mit Speichel säubern oder ablecken sollten. So könnten gefährliche Bakterien und Viren in die Wunde gelangen.