Was im Wochenbett wirklich wichtig ist – ÄRZTE.DE Familienratgeber

Adobestock 142617707mceezn

Das Wochenbett – es ist noch gar nicht so lange her, als dieser Begriff noch wörtlich genommen wurde. War eine Frau aus einem Dorf kürzlich Mutter geworden, erledigten die anderen Frauen des Ortes in diesen Wochen ihre Aufgaben im Haus und kochten das Essen. Die Wöchnerin selbst stieg zumindest am Anfang nicht aus dem Bett. Dieses Selbstverständnis hat sich nun freilich geändert, dennoch hat das Wochenbett an Bedeutung für junge Eltern nicht verloren.

Den Körper heilen lassen - Physische Veränderungen während des Wochenbetts

In den sechs bis acht Wochen des Wochenbetts erholt sich der Körper von der Geburt und beginnt damit, die Veränderungen der Schwangerschaft wieder zurückzubilden. Nachwehen sorgen für die Rückbildung des Uterus, während der sogenannte Wochenfluss sechs Wochen lang abgestorbenes Material und Wundgewebe ausschwemmt. Der Hormonspiegel verändert sich wieder immens und der Milcheinschuss legt mit dem Hormon Oxytocin noch eins oben drauf. Manche Frauen haben nach der Entbindung Probleme mit dem Beckenboden und können, ähnlich einer Inkontinenz, das Wasser schlechter zurückhalten, besonders beim Niesen oder Husten. Ein Gespür für Harndrang und eine volle Blase kommt bei einigen Müttern erst im Laufe der Zeit zurück. Die Hebamme kann dabei helfen, sofern kein Kaiser- oder Dammschnitt vorlag, bereits im Wochenbett mit leichten Rückbildungsübungen zu beginnen. Sie wird ebenso die Rückbildung der Gebärmutter mittels Tastuntersuchungen kontrollieren. Auf schweres Heben sollte in den ersten beiden Wochen verzichtet werden.

Wie lange es braucht, bis sich eine Frau nach der Geburt wieder wie vorher fühlt, ist sehr unterschiedlich. Allgemein lässt sich sagen, dass die Regenerierung in der Regel mehrere Monate dauert. Auch nach einer „leichten“ Geburt ist der Körper auf die Ruhephase während des Wochenbetts angewiesen. Es sollte daher genug Freiraum für diese Erholung geschaffen werden.  

Die Psyche der Mutter im Wochenbett

In der Zeit des Wochenbetts passiert unglaublich viel. Eine Familie wächst zusammen und der Körper der Mutter beginnt zu heilen und sich von den Strapazen der Schwangerschaft und Geburt zu erholen. Extreme Hormonschwankungen, der Milcheinschuss und wenig Schlaf – all dies kann für die Mutter sehr anstrengend werden. Das Kind möchte gestillt und gewickelt werden und braucht viel Nähe. Es dauert einige Zeit, bis die Mutter lernt, die Signale und Bedürfnisse des Kindes richtig einzuschätzen.

Tränen und Erschöpfung erleben die meisten Frauen während des Wochenbetts, manche auch depressive Verstimmungen. Wer glaubt, an einer Wochenbettdepression zu leiden, sollte dies unbedingt mit der Hebamme oder Frauenärztin besprechen. Diese Gedanken und Gefühlen sind Teil eines völlig natürlichen Prozesses. Wenig Schlaf, ein Hormoncocktail und viel neue Verantwortung - über die Ängste und Sorgen zu sprechen ist äußerst wichtig. 

Doch auch ihre eigenen Bedürfnisse sollte sie nicht außer Acht lassen. Unabhängig davon, wie die Geburt verlief, ob unproblematisch oder sehr traumatisch – alle Frauen wollen in den Tagen danach über die Geburt sprechen. Die großartige Erfahrung ein Kind geboren zu haben verdient ein positives Echo ihrer Umgebung. Viele Mütter suchen in diesen Momenten verstärkt die Nähe zur eigenen Mutter und wünschen sich viel Fürsorge und Geborgenheit von ihr.  

Hebammenhilfe im Wochenbett

Eine Hebamme übernimmt den möglicherweise wichtigsten Teil der Nachsorge von Mutter und Kind. Was viele nicht wissen: Das Kind selbst hat auch Anspruch auf Hebammenhilfe, wenn es etwa adoptiert wurde. Speziell weitergebildete Hebammen übernehmen zudem die Betreuung von Müttern, deren Kinder vor oder nach der Geburt gestorben sind. In bestimmten Fällen ist eine Hebammenhilfe über die von den Krankenkassen vorgesehenen acht Wochen hinaus möglich, wenn das Kind Probleme mit der Ernährung hat oder eine Stillberatung erforderlich ist.

Die Rolle des Vaters im Wochenbett

Die Aufgabe des Vaters in der Wochenbettzeit ist scheinbar schnell erklärt: Die Mutter braucht Ruhe und Erholung und wird daher von ihrem Partner entlastet. Er wickelt, reicht Getränke an oder schaltet die Waschmaschine ein. Tatsächlich ist die Auszeit für den frischgebackenen Vater aber ebenso wichtig, denn auch er muss die Geburt verarbeiten, sich in die Familie einfinden und den neuen Herausforderungen stellen. Er lernt sein Kind erst jetzt kennen und hat im Wochenbett Zeit für Vater-Kind-Bonding.

Besuch während der Wochenbettzeit

Die werdenden Eltern sollten sich am besten bereits vor der Geburt mit der Frage beschäftigen, ob und wie viel Besuch sie im Krankenhaus und den Wochen danach erhalten möchten und das auch klar kommunizieren. In diesen intensiven Wochen der Umstellung und Neufindung ist es völlig normal, dass die Wohnung chaotisch ist oder der Schlafanzug auch tagsüber getragen wird. Die Prioritäten liegen schließlich ganz klar in der Versorgung des Kindes und der Suche nach dem eigenen Weg zur kleinen Familie. Laden Sie daher nur Menschen ein, die sie auch unter diesen Umständen empfangen möchten und die für Sie mehr Unterstützung denn Belastung bedeuten. Hebammen sagen: Wer in der Wochenbettzeit unbedingt zu Besuch kommen möchte, bringt Essen mit, erledigt den Abwasch und nimmt auf dem Weg nach draußen auch noch den Müll mit.

Wie können Freunde und Familie helfen?

Besonders die einfachsten Dinge helfen der jungen Familie jetzt am besten. Eine nahe stehende Person, etwa eine der Omas, kann Suppe vorbeibringen, das Nötigste im Haushalt erledigen oder einkaufen gehen. Gibt es bereits Geschwisterkinder, könnte ihre Rolle vor allem in deren Betreuung liegen. Zuhören ist übrigens auch etwas, das immens wichtig ist und den frischgebackenen Eltern bei der Verarbeitung der Geburt und der ersten Tage hilft. Wer diese Unterstützung nicht hat und auch der Vater früh zurück in den Job muss, kann sich von einer Haushaltshilfe oder speziellen „Mütterpflegerin“ unterstützen lassen. In einigen Fällen bezahlt die Krankenkasse die Kosten.

Tipps für werdende Eltern und solche, die es schon sind:

  • Eine in der Schwangerschaft vorgekochte Suppe mit viel Gemüse und Brühe gibt Kraft und ist schnell erwärmt. Wer in den letzten Wochen vor der Geburt immer etwas mehr kocht und im Gefrierfach lagert, hat schnell eine gesunde Stärkung parat. Blähende Lebensmittel sollten vermieden werden.

  • Papa ist wichtig und zwar vor allem in den ersten acht Wochen. Wer kann, sollte sich deshalb über den gesamten Zeitraum freinehmen. In der dritten und vierten Woche nach der Geburt verändert sich das Schrei- und Schlafverhalten vieler Kinder und für die meisten Eltern beginnt nun die anstrengendste Zeit.

  • Wöchnerinnen sollten den Rat der Hebammen und anderen Mamis ernstnehmen und das Wochenbett tatsächlich im und am Bett verbringen statt mit Aufräumen und Haushalt. Lassen Sie sich bekochen und Getränke bringen. Nun ist die Zeit, um in Ruhe zu stillen, zu kuscheln und zu „bonden“ sowie Schlaf nachzuholen. Der Papa darf derweil das Wickeln üben.

  • Anträge sollten bereits vor der Geburt ausgefüllt werden. Den Gang zum Standesamt übernimmt meist ein Service der Geburtsklinik.