Vibrionen – Krankheitserreger aus dem Wasser

Nahaufnahme von zwei Händen mit blauen Einweghandschuhen, die Wasserproben aus einem Teich oder See entnehmen. Meeresbakterien Vibrionen

Für viele Menschen gehört ein erfrischendes Bad im Meer einfach zum Sommer dazu. Gedanken an mögliche, negative, Auswirkungen nehmen dabei, wenn überhaupt, nur eine untergeordnete Rolle ein. In den letzten Jahren gibt es jedoch immer mehr Berichte über eine Infektion mit Vibrionen, als Folge eines sonnigen Tages am Meer. Besonders in Teilen der Ostsee kommt es laut Medienberichten und dem niedersächsischen Gesundheitsamt mittlerweile mehrmals jährlich zu Vibrioneninfektionen.  

Vibrionen in ihrem natürlichen Lebensraum

Vibrionen sind stabförmige Bakterien, die von Natur aus im Wasser heimisch sind. Insbesondere salzhaltige Gewässer mit einem Salzgehalt von bis zu 2,5 Prozent sind dabei der ideale Nährboden. In Deutschland zählen besonders die beliebten Urlaubsziele Ost- und Nordsee zum bevorzugten Lebensraum.
Um sich ideal zu entwickeln, ist nicht nur die Umgebung, sondern auch die Umgebungstemperatur entscheidend. Ab 20 °C bestehen für Vibrionen optimale Voraussetzungen, um sich stetig auszubreiten. Aus diesem Grund steigt vor allem im Sommer die Zahl der Infektionen an.

Die bekannteste Krankheit, die durch ein Vibrio-Bakterium ausgelöst wird, ist Cholera. Während die Erkrankung in Deutschland nicht zu den einheimischen Infektionen zählt, sondern meist aus dem Ausland mitgebracht wird, sind hierzulande besonders Vibrio parahaemolyticus und Vibrio vulnificius anzutreffen.
Im Gegensatz zu anderen Infektionskrankheiten ist die Zahl der Vibrioneninfektionen noch vergleichsweise gering. 2018 wurden Medienberichten zufolge 18 Fälle der Infektionserkrankung verzeichnet, von denen drei einen tödlichen Verlauf hatten.

Wie kommt es zu einer Ansteckung?

Eine Infektion mit einem der Vibrio-Bakterien kann zwei Ursachen haben. Zum einen die orale Aufnahme und zum anderen den Eintritt über offene Wunden.

Die Infektion über den Mund erfolgt dabei in den meisten Fällen beim Essen. Schuld daran sind vorbelastete und nicht durchgegarte Meerestiere. Dennoch ist die Ansteckung ebenso durch verschlucktes Meerwasser möglich, wenn auch äußerst selten. Zu den typischen Symptomen zählen verschiedene Probleme mit dem Magen-Darm-Trakt, wie Durchfall oder starkes Erbrechen. Diese Anzeichen treten durchschnittlich innerhalb von maximal 24 Stunden auf, sind oft harmlos und verschwinden mit der passenden Behandlung innerhalb weniger Tage.
Bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem kann die Infektion jedoch einen schwereren Verlauf, bis hin zu einer Sepsis, nehmen.

Während eine orale Ansteckung meist aus Fernreisen in Länder mit geringeren Hygienestandards entspringt, ist in Deutschland die Wundinfektion weiter verbreitet. Um sich auf diese Weise anzustecken genügt es, eine Kleine, nicht verheilte, Wunde am Körper zu haben, die mit dem erregerhaltigen Meerwasser in Berührung kommt. Im Gegensatz zu einer Infektion über die Speiseröhre beträgt der Abstand zwischen Ansteckung und Ausbruch der Erkrankung, die sogenannte Inkubationszeit, hier lediglich ein paar Stunden.
Bereits nach dieser kurzen Zeit zeigt sich ein typisches Anzeichen der Wundinfektion: Ein starker, irrationaler Schmerz, der für die offensichtliche Wunde nicht angemessen ist. Zeigen sich nach einem Tag im Meer zudem Symptome wie Fieber oder Schüttelfrost, sollte schnellstmöglich ein Arzt aufgesucht werden. Personen mit Immunschwächen sind auch hier wieder besonders gefährdet, denn bei zu später oder gar fehlender Behandlung kann es zum Absterben von Gewebeschichten an der infizierten Stelle oder einer Blutvergiftung kommen.

Eine schnelle Behandlung ist entscheidend

Sollte einige Stunden nach einem Badegang ein oder mehrere Symptome festgestellt werden, ist ein zügiger Besuch bei einem Arzt oder in einer Klinik entscheidend. Besonders bei einer Vibrioneninfektion über offene Wunden können sich die Bakterien schnell im Körper ausbreiten. Treten sie sogar in den Blutkreislauf ein, kann die Überlebenschance, besonders in der Risikogruppe, um etwa die Hälfte sinken.
Wird jedoch frühzeitig eine Antibiotika-Therapie eingeleitet, kann damit die Verbreitung gestoppt und das Bakterium besiegt werden.

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