Unsere Mandeln: Sind sie wirklich so unnütz?

Ein Arzt mit Brille und Mundschutz schaut durch einen geöffneten Mund und untersucht den Rachen eines Patienten. Der Blickwinkel ist aus der Perspektive des Patienten aufgenommen. Mandelentzündung: Ursachen, Behandlung & wann eine OP nötig ist

Ihren Mandeln schenken die meisten Menschen wenig Beachtung. Erst wenn sie Halsschmerzen oder Schluckbeschwerden bekommen, fallen sie ihnen wieder ein – und mit ihnen die gefürchtete Mandelentzündung. Kann das mandelförmige Gewebe in unserem Rachen also nur Schmerzen verursachen? Oder ist es vielleicht noch für etwas anderes gut?

Die vier Mandeln in unserem Hals

Zwei Gaumenmandeln, eine Rachenmandel und eine Zungenmandel befinden sich in unserem Hals. Zusammen mit weiterem, nicht genauer benannten Gewebe bilden sie den lymphatischen oder Waldeyerschen Rachenring. Er ist ein wichtiger Bestandteil unseres Immunsystems, denn er sorgt dafür, dass keine Bakterien oder Viren in unsere Atemwege eindringen. Besonders für Kinder, bei denen sich die Abwehrkräfte gerade erst entwickeln, spielt er eine wichtige Rolle.

Sprechen wir von Mandeln, sind allerdings meist nur die zwei Gaumenmandeln gemeint. Sie sitzen rechts und links im Rachen und sind auch von außen zumindest teilweise zu erkennen. Zudem ist ihr Gewebe stark zerfurcht und bietet so eine Angriffsfläche für Viren und Bakterien. Die beiden anderen Mandeln sind ganz anders aufgebaut und damit weniger anfällig. Außerdem können wir sie von außen nicht sehen. Die Rachenmandel sitzt am Ausgang der Nasenhöhle. Nur bei einer Nasenspiegelung können Ärzte sie genauer betrachten. Umgangssprachlich wird sie auch Polypen genannt. Ist sie bei Kindern vergrößert, muss sie häufig entfernt werden. Die Zungenmandel befindet sich im hinteren Drittel am Grund der Zunge und ist nicht zuletzt deshalb relativ unbekannt.

Tonsillektomie – die Mandeloperation

Sind die Mandeln sehr häufig entzündet, raten manche Ärzte dazu sie trotz ihrer Funktion zu entfernen. Denn der permanente Infektionsherd im Körper kann sich leicht ausbreiten. Je nach dem, welche Bakterien oder Viren hinter der Mandelentzündung stecken, kann es so zu ernsten Folgeerkrankungen kommen. Dazu gehört zum Beispiel rheumatisches Fieber, Nierenentzündung oder eine Entzündung der Gelenke. Außerdem steigt das Risiko eines Abszesses im Rachen. Die Eiteransammlung muss meist operativ entfernt werden. Dringen die Erreger in die Blutbahn, könnte es zudem zu einer Blutvergiftung kommen.

Bei der Tonsillektomie werden allerdings nicht alle Mandeln entfernt. Lediglich die Gaumenmandeln werden vorsichtig aus dem Gaumenbogen gelöst. Weitere Entzündungen können damit allerdings nicht ganz ausgeschlossen werden. Nach dem Eingriff könnten Bakterien oder Viren auch anderes Gewebe im Rachen befallen.

Die Bedeutung der Mandeln für unser Immunsystem

Als Teil des lymphatischen Rachenrings tragen alle Mandeln etwas zu einem effektiven Immunsystem bei. In der Kindheit helfen sie uns sogar, es zu bilden und weiterzuentwickeln. Danach werden sie allerdings immer kleiner. Mediziner vermuten, dass die Mandeln im Erwachsenenalter keine große Rolle mehr spielen. Wie wichtig sie genau sind, können wir allerdings nicht sagen. Deswegen wird heute immer häufiger von einer Mandeloperation abgeraten.

Sind Gaumenmandeln oder Rachenmandel bei Kindern zu groß, wird oft nur ein Teil entfernt. So kann das Schlucken und Atmen erleichtert und gleichzeitig die wichtige Funktion erhalten werden. Treten die Mandelentzündungen jedoch öfter als sechs Mal innerhalb eines Jahres auf, kann eine Tonsillektomie durchaus ratsam sein.

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