Aktualisiert: 18.09.2026 | Lesezeit: 4 Minuten |
Um den eigenen Schlaf zu verbessern, greifen Menschen beim Sleepmaxxing zu vielerlei Hilfsmitteln.
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Durchschlafen und morgens erholt aufwachen: Für viele Erwachsene klingt das wie ein Wunschtraum. Kein Wunder, dass sich immer mehr Menschen aktiv um ihren Schlaf kümmern: mit Apps, Trackern, Nahrungsergänzungsmitteln oder viralen Tricks aus sozialen Netzwerken. Unter dem Schlagwort Sleepmaxxing hat sich daraus ein regelrechter Trend entwickelt. Doch wo hört sinnvolle Optimierung auf, wo fängt Überforderung an? Eine aktuelle repräsentative Studie liefert dazu handfeste Zahlen.
Was eine aktuelle Studie zum Schlafverhalten zeigt
In der Studie Sleepmaxxing: Projekt Schlaf wurden 1.040 Personen ab 18 Jahren zu ihrem Schlafverhalten befragt. Die Zahlen zeigen: Rund 40 Prozent der Befragten stufen ihre aktuelle Schlafqualität als (eher) nicht gut ein. Der Wunsch nach besserem Schlaf reicht aber deutlich weiter – 85 Prozent ist es wichtig, ihren Schlaf aktiv zu optimieren. Darunter sind auch viele Menschen, die eigentlich bereits gut schlafen.
Als Hauptmotive nennen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gesundheitliche Gründe wie körperliche Prävention oder Stressabbau sowie den Wunsch nach mehr Energie und Leistungsfähigkeit im Alltag.
Was steckt hinter dem Begriff Sleepmaxxing?
Sleepmaxxing bezeichnet den gezielten Versuch, die eigene Schlafqualität zu verbessern – von festen Routinen über Nahrungsergänzungsmittel bis zu Schlaftrackern und Social-Media-Hacks. Der Begriff ist ein Ableger des sogenannten Biohackings, bei dem Menschen versuchen, ihre Biologie über Ernährung, Training oder technische Hilfsmittel gezielt zu beeinflussen.
Dass sich ausgerechnet der Schlaf zu einem derart intensiv diskutierten Optimierungsfeld entwickelt hat, überrascht wenig: Schlafprobleme sind einer Auswertung von Statista zufolge vor allem in westlichen Ländern weit verbreitet.
Zwischen Trend und Evidenz: Was ausprobiert wird
Mehr als die Hälfte der Befragten hat bereits Nahrungsergänzungsmittel wie Melatonin oder Magnesium für besseren Schlaf getestet. Ähnlich häufig kamen Schlaftees, Atemübungen oder Meditation zum Einsatz. Auch ungewöhnlichere Methoden wie Mouth Taping, das bewusste Verkleben der Lippen zur Nasenatmung im Schlaf, probierten immerhin elf Prozent der Befragten aus.
Dr. med. Alexander Blau, Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie mit Schwerpunkt Schlafmedizin von der Schlafakademie Berlin, ordnet den Trend so ein: „Zwischen einem physiologischen Zusammenhang und einem wirksamen Produkt liegt leider oft eine große Lücke. Vieles, was auf dem Markt für besseren Schlaf verkauft wird, mag auf biologischen Fakten beruhen – aber nicht jede Anwendung hält in der Praxis, was sie verspricht."
Wenn Optimierung selbst zur Last wird
Die Studie zeigt aber auch eine Kehrseite: 53 Prozent der Befragten empfinden Schlaf manchmal eher wie eine Aufgabe, die erledigt werden muss, als eine Erholungsphase. Bei Menschen, die ohnehin schlecht schlafen, sind es sogar 73 Prozent.
In der Schlafforschung wird dieses Phänomen unter dem Begriff Sleep Anxiety diskutiert: eine Form von Leistungsdruck rund um das Einschlafen, die genau das verhindern kann, was sie eigentlich erreichen soll. Passend dazu geben 76 Prozent der Befragten an, dass zu viele Optimierungsmaßnahmen mehr Stress als Erholung erzeugen.
Was hilft wirklich für guten Schlaf?
Auf die Frage nach dem langfristig wirksamsten Hebel für guten Schlaf landen laut der Studie weder Apps noch Tracker oder Nahrungsergänzungsmittel vorn. Als besonders wirksam werden von den Befragten feste Routinen sowie eine passende Matratze und ein passendes Kopfkissen wahrgenommen. Neue Trends aus sozialen Netzwerken schneiden mit vier Prozent dagegen deutlich schwächer ab.
Auch beim hypothetischen Budget für besseren Schlaf setzen die Befragten mehrheitlich auf das Fundament: 65 Prozent würden zuerst in Matratze, Topper oder Kissen investieren.
Dr. Blau ordnet das aus medizinischer Sicht ein: „Die Schlafregulation ist ein komplexer Prozess. Melatonin, Adenosin, Cortisol – sie folgen zirkadianen Rhythmen, die sich nicht durch einzelne Hacks überlisten lassen. Verschiedene Interventionen können sinnvoll sein. Aber sie sind lediglich ein Werkzeug, keine Lösung."
Fazit: Die Basics gewinnen
Die Studie legt nahe, dass viele Menschen intuitiv bereits wissen, was ihnen beim Einschlafen hilft: ein stabiler Rhythmus und eine Schlafumgebung, die dazu passt. Apps, Nahrungsergänzungsmittel und Tracker können diese Basis ergänzen, ersetzen sie aber nicht. Wer trotz optimierter Routine dauerhaft schlecht schläft oder zusätzliche Beschwerden wie Atemaussetzer bemerkt, sollte das ärztlich abklären lassen, statt allein auf weitere Optimierung zu setzen.
Daniel Gonnermann ist Schlafcoach und seit 2010 Fachberater bei RAVENSBERGER Matratzen. In dieser Doppelrolle berät er zu Fragen rund um erholsamen Schlaf und ordnet in diesem Beitrag Ergebnisse der Studie ein.Weitere Informationen
- Statista: „Wie verbreitet sind Schlafprobleme?” https://de.statista.com/infografik/29586/befragte-die-unter-schlafstoerungen-leiden/
- Schlafrhythmus – Tipps für einen gesunden Schlaf: https://www.aok.de/pk/magazin/wohlbefinden/schlaf/schlafrhythmus-wiederherstellen-tipps-fuer-einen-gesunden-schlaf/
- Besser schlafen: Was hilft?: https://www.stiftung-gesundheitswissen.de/gesunder-schlaf/besser-schlafen