Semaglutid: Die Abnehmspritze gegen Übergewicht kommt

Abnehmen ohne Sport oder Ernährungsumstellung – was sich für manche anhört wie ein Wunschtraum, verbreitet sich in Hollywood und unter Prominenten wie ein Lauffeuer. Der Wirkstoff Semaglutid muss einmal die Woche gespritzt werden und soll die Pfunde anschließend ganz von alleine purzeln lassen. Selbst Prominente wie Elon Musk sind davon überzeugt. Doch ist die Abnehmspritze vielleicht doch zu schön, um wahr zu sein?

Von Ozempic zu Wegovy

Semaglutid ist ein Wirkstoff zur Behandlung von Typ 2 Diabetes. Er senkt den Blutzuckerspiegel. Damit kann er sowohl alleine als auch in Kombination mit Insulin eingesetzt werden. Dass er gleichzeitig beim Abnehmen unterstützt, war eher eine willkommene Nebenwirkung. Seit 2018 können Ärzte und Ärztinnen ihn aber auch zu diesem Zweck an Diabetes-Patienten und Patientinnen verschreiben. Haben eine Ernährungsumstellung und Sport nicht die erhoffte Wirkung, kann Ozempic zusätzlich helfen.

Novo Nordisk, der Hersteller des Medikaments, wollte die positiven Effekte aber nicht auf eine Patientengruppe beschränken. Ein neues Präparat soll alle Abnehmwilligen bei Ihrem Vorhaben unterstützen. Wegovy ist in den USA bereits erhältlich. Es enthält ebenso Semaglutid und unterscheidet sich nicht von Ozempic. Unter dem neuen Namen kann es aber auch an übergewichtige Patienten und Patientinnen ohne Diabetes verschrieben werden. Diese Nachricht scheint auch viele Prominente erreicht zu haben. Sie berichten teilweise offen über ihre Erfolge mit Wegovy. In Deutschland wird sich aber wohl nicht jeder Semaglutid verschreiben lassen können, nur um wenige Kilo abzunehmen.

Voraussetzungen für die Verschreibung von Semaglutid in Deutschland:

  • Erhoffte gesundheitliche Vorteile durch eine Gewichtsabnahme (z. B. Blutdruck, Herzgesundheit, etc.).
  • Sehr starkes Übergewicht (Body-Mass-Index von 30 oder höher) oder starkes Übergewicht (Body-Mass-Index von 27 oder höher) plus eine Begleiterkrankung wie Bluthochdruck oder Diabetes.

Zusammenfassung wichtigste Punkte zu Semaglutid

Ozempic: Wirkung im Körper

Semaglutid gehört zu den Glukagon-Like-Peptide-1-(GLP-1-)Agonisten, kurz GLP-1-RA. Diese ahmen ein körpereigenes Hormon nach und sorgen dafür, dass die Bauchspeicheldrüse mehr Insulin freisetzt. So wird Zucker im Blut gebunden und abtransportiert. Der Blutzucker sinkt.
Gleichzeitig verlangsamt Ozempic die Entleerung des Magens. Essen Sie Zuckerhaltiges, wird dieses also langsam aufgenommen und ins Blut abgegeben. Ursprünglich wurden die GLP-1-RA wie Semaglutid und Liraglutid deshalb zur Behandlung von Diabetes Typ 2 entwickelt.

Die Wirkstoffe beeinflussen aber auch Bereiche Ihres Gehirns. Sie sorgen im Hypothalamus und im Hirnstamm dafür, dass Ihr Sättigungsgefühl schneller eintritt und das Hungergefühl geringer wird. Studien zeigen, dass stark Übergewichtige damit in knapp 1,5 Jahren bis zu 15 % ihres Körpergewichts abnehmen können. Gerade bei krankhaftem Übergewicht, bei dem Ernährungsumstellung und Sportprogramm keine langfristigen Erfolge erzielen, könnte Semaglutid deshalb viel bewirken.

Ozempic: Anwendung stellt vor Herausforderungen

Glukagon-Like-Peptide-1-(GLP-1-)Agonisten zur Unterstützung beim Abnehmen sind eigentlich keine Neuigkeit mehr. Bereits 2016 wurde Liraglutid EU-weit zur Behandlung von Übergewicht zugelassen. Allerdings muss dieses täglich gespritzt werden. Mit Semaglutid bzw. Wegovy ist die Behandlung jetzt mit einer Spritze wöchentlich möglich. Der Wirkstoff wird als Injektionslösung in einem Fertigpen geliefert. Unabhängig von den Mahlzeiten können Patienten bzw. Patientinnen sich ihn selbst verabreichen. Weitere noch effektivere Abnehmspritzen mit kombinierten Wirkstoffen sind in der Entwicklung.

Sich selbst eine Spritze zu setzen, kann dennoch abschreckend wirken. Deshalb wird auch über Semaglutid in Tablettenform diskutiert. Rybelsus lautet etwa der Name für die Ozempic-Tabletten, die aktuell schon auf dem Markt sind. Eine Zulassung für die Behandlung von Übergewicht in Deutschland haben sie allerdings noch nicht.

Nebenwirkungen von Ozempic

Durch das Verlangsamen der Verdauung treten bei Semaglutid vor allem Nebenwirkungen im Magen-Darm-Trakt auf: Übelkeit, Durchfall, Bauchschmerzen, Sodbrennen und Verstopfung kommen zu Beginn der Therapie sehr häufig vor. Die Dosis sollte deshalb begleitet von Arzt oder Ärztin langsam gesteigert werden. Nach einigen Wochen lassen diese Nebenwirkungen bei Ozempic bzw. Wegovy in der Regel nach.

In seltenen Fällen werden auch Gallensteine, eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse oder Nierenprobleme mit Semaglutid in Verbindung gebracht. Deshalb kann es hilfreich sein, Patienten und Patientinnen über mögliche Symptome aufzuklären. Sie sollten sensibler darauf achten.

Über Langzeitfolgen von Semaglutid ist bisher wenig bekannt. Fachleute äußern sich deshalb eher skeptisch über den Einsatz bei jungen Patienten und Patientinnen. Denn Ozempic oder Wegovy können nach einer erfolgreichen Abnahme nicht abgesetzt werden. Der Gewichtsverlust wird über den Zeitraum der Anwendung geringer, bis er sich etwa bei Normalgewicht einpendelt. Wird der Wirkstoff nicht mehr gespritzt, nehmen die Betroffenen aber auch wieder zu. Semaglutid muss also ein Leben lang eingenommen werden.

Damit eignen sich Ozempic bzw. Wegovy kaum, um kurzfristig ein paar Kilos zu verlieren. Auch wenn es in den sozialen Medien und unter Prominenten aktuell dafür empfohlen wird.

Semaglutid in Deutschland

In Deutschland sowie den Nachbarländern Österreich und Schweiz ist Semaglutid rezeptpflichtig. Damit muss es von einem Arzt oder einer Ärztin verschrieben werden und ist nur in der Apotheke erhältlich. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für Ozempic bisher allerdings nur, wenn es gegen Diabetes Typ 2 verschrieben wird. Die Behandlung von Übergewicht müssen Betroffene selber zahlen.

Das liegt auch daran, dass Semaglutid in Deutschland dafür noch nicht verfügbar ist. Der Hersteller Novo Nordisk kommt mit der Produktion nicht hinterher. Bis zur Markteinführung wird es deshalb wohl noch dauern.

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