Physiotherapie vs. Osteopathie: Was ist der Unterschied?

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Dem Arztreport der Barmer GEK zufolge, leiden über drei Millionen Menschen in Deutschland unter dauerhaften Schmerzen. Um diese zu lindern und aktiv zu bekämpfen, ist oftmals eine Alternative bzw. sinnvolle Ergänzung zu operativen und medikamentösen Behandlungen nötig. Ärztinnen und Ärzte verordnen deshalb häufig Physiotherapie.

Was versteht man unter Physiotherapie?

Physiotherapie, früher auch bekannt als Krankengymnastik, ist ein natürliches Heilverfahren, das sich mit körperlichen Beschwerden wie Störungen des Bewegungsapparats befasst. Alle angewandten Methoden sind medizinisch anerkannt. Die Kosten werden von der gesetzlichen oder privaten Krankenkasse übernommen, für Erwachsene ab 18 Jahren wird, je nach Art der Behandlung, eine Zuzahlung von 10 Euro (Rezeptgebühr) zzgl. 10 Prozent des jeweiligen Kassensatzes fällig.

Ziel der Physiotherapie ist es, PatientInnen bei der Wiederherstellung, Verbesserung und Erhaltung ihrer Beweglichkeit und anderen körperlichen Funktionen zu unterstützen. Auch die Schmerzfreiheit soll soweit wie möglich zurückgewonnen werden. Denn die Verbesserung des Alltags der PatientInnen hat oberste Priorität. Zu den wichtigsten physiotherapeutischen Behandlungstechniken zählen:

  1. Manuelle Therapie: Griff-und Massagetechniken zur Behandlung von Gelenktraumata
  2. Gerätgestützte Therapie: Hier werden verschiedene medizinische Trainingsgeräte und Zugapparate genutzt, um zusammen mit den PatientInnen deren Kraft und Beweglichkeit zu verbessern
  3. Manuelle Lymphdrainage: Entstauungstherapie zur Behandlung von Gewebsflüssigkeiten (Lymphe), die sich im Körper angestaut haben

Doch auch Wärme- und Kältetherapie, Rückenschule und Atemtherapie werden häufig von Ärztinnen und Ärzten verschrieben. Eine Physiotherapie kann demnach sowohl aktiv als auch passiv sein. Das unterscheidet sie erheblich von der Osteopathie, die sich auf äußere Einwirkungen der behandelnden TherapeutInnen beschränkt.

Was ist Osteptahie?

Die Osteopathie ist eine alternative, manuelle Heilmethode, die den Körper als Ganzes betrachtet. Sie ist kein Bestandteil des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenkassen, da ihre Wirksamkeit bisher nicht zweifelsfrei nachgewiesen ist. Es gibt jedoch einige Kassen, die sich beispielsweise im Rahmen eines Prämien- oder Bonussystems an den Kosten beteiligen.

Im Gegensatz zur Physiotherapie verzichten OsteopathInnen auf Instrumente, sie arbeiten mit bloßen Händen. Bei der Diagnose und Behandlung liegt der Fokus auf den Ursachen von Krankheiten und Symptomen. Nach der Lehre der Osteopathie stehen bei einem gesunden Menschen Körper, Geist und Seele im Einklang. Ist dies nicht der Fall, können sich Blockaden bilden, die zu körperlichen Schmerzen führen. Ziel der TherapeutInnen ist es, ihre PatientInnen wieder ins Gleichgewicht zu bringen und so deren Schmerzen zu lindern. Die Lehre ist in insgesamt drei Bereiche unterteilt:

1. Parietale Osteopathie: sie umfasst den gesamten Bewegungsapparat, darunter Knochen, Muskeln, Bänder, Gelenke und Faszien.
2. Kraniosacrale Osteopathie: hierzu gehören Schädel und Wirbelsäule, die Hirn-und Rückenmarksflüssigkeit, deren Häute und das Nervensystem.
3. Viszerale Osteopathie: sie umfasst die inneren Organe, also etwa Leber, Milz, Magen, Darm, Blut- und Lymphgefäße, sowie Nerven und Bindegewebe.

Der Begriff Osteopathie stammt übrigens aus dem Griechischen und bedeutet übersetzt so viel wie „Leiden der Knochen.“ Begründet wurde sie Ende des 19. Jahrhunderts von dem US-Amerikanischen Arzt Andrew Taylor Still. Seine Theorie: der menschliche Körper besitzt starke Selbstheilungskräfte, die gelegentlich von außen aktiviert werden müssen. In den Vereinigten Staaten ist die Heilmethode inzwischen weit verbreitet. Hierzulande sieht das Ganze jedoch etwas anders aus.

Physiotherapie vs. Ostheopathie: rechtliche Unterschiede

Physiotherapie und Osteopathie unterscheiden sich nicht nur ihrer Herangehensweise voneinander. Es gibt auch einige rechtliche Unterschiede:

  • Die Ausbildung zur Physiotherapeutin bzw. zum Physiotherapeuten ist durch das sogenannte Masseur- und Physiotherapiegesetz staatlich geregelt. Das bedeutet, dass die Ausbildungsinhalte, Prüfungen und zu erbringenden Leistungen gewissen Auflagen unterliegen. Es darf sich also demnach nur PhysiotherapeutIn nennen, wer eine solche Ausbildung abgeschlossen hat.
  • OsteopathIn hingegen ist kein anerkannter Beruf. Die Osteopathie darf nur von Ärztinnen und Ärzten, PhysiotherapeutInnen oder von HeilpraktikerInnen ausgeübt werden. Das Problem: Die Berufsbezeichnung OsteopathIn ist in Deutschland (noch) nicht geschützt. Deshalb gibt es leider erhebliche Qualitätsunterschiede bei der Ausbildung.

Dieser Text wurde von unserer Redakteurin Tamara Todorovic verfasst.