Lipödem: Wenn Fettzellen sich ungebremst vermehren

Eine Frau in schwarzem ärmellosem Oberteil und schwarzer Jeanshose, die von hinten fotografiert wird, ihre Hände in die Hüften gestützt. Lipödem: Definition, Symptome, Diagnose & Behandlung

Reiterhosen, Bundhosen, Pumphosen das sind nicht etwa die neusten modischen Trends, sondern gängige Bezeichnungen für eine relativ unbekannte Krankheit: das Lipödem. Die Begriffe beschreiben vor allem die äußerlichen Veränderungen der Betroffenen. Denn während Füße, Hände und Körpermitte schlank bleiben, werden beim Lipödem Beine und Hintern, oft auch die Arme immer voluminöser.

Für die Patienten und Patientinnen ist das eine große Herausforderungen. In vielen Fällen wird die Ursache erst spät erkannt. Fremde und Bekannte reagieren abweisend auf die körperlichen Veränderungen. Zudem ist eine Behandlung nicht immer einfach.

Lipödem ist kein Übergewicht

Das Lipödem ist eine Fettverteilungsstörung. Die Fettzellen an Armen und Beinen vermehren sich immer mehr. Je nach Stadium bekommt die Hautoberfläche Dellen, das Gewebe wird knotiger und härter. Zudem werden die kleinsten Blutgefäße, die Kapillaren, dünner und durchlässiger. Das vermehrte Fettgewebe kann sie verstopfen. So gelangt häufig mehr Wasser hinein als hinaus. Es kommt zu Wassereinlagerungen (Ödem).

Das zusätzliche Volumen an Beinen und Armen wird oft mit einer Adipositas (krankhaftem Übergewicht) verwechselt. Im Anfangsstadium ist das Lipödem schwer davon zu unterscheiden. Später werden die ungewöhnlichen Proportionen des Körpers aber immer deutlicher. Der Auslöser des Lipödems ist nicht bekannt. Es tritt vor allem bei jungen Frauen nach der Pubertät, seltener nach einer Schwangerschaft oder den Wechseljahren auf. Deshalb wird ein Zusammenhang mit Hormonen vermutet. Ursache könnte aber auch das Fettgewebe sein, das bei Frauen anders aufgebaut ist als bei Männern. Zudem scheint das Lipödem innerhalb der Familie vererbt zu werden. Manchmal tritt es aber auch ohne bekannte Vorerkrankungen auf.

Die Symptome beim Lipödem

Erstes Anzeichen für ein Lipödem ist die Gewichtszunahme an Beinen und Armen. Diäten, Ernährungsumstellungen und Sport können dagegen nur wenig ausrichten. Stattdessen nimmt die Fettschicht immer weiter zu. Hinzu kommen andere Symptome, die ebenfalls auf ein Lipödem hinweisen:

  • Die Gewichtszunahme ist an beiden Armen oder Beinen symmetrisch
  • Hände und Füße bleiben schlank
  • Das Gewebe spannt und schmerzt
  • Beine und / oder Arme sind druckempfindlich und bekommen leicht blaue Flecken
  • Nach langem Stehen oder Sitzen schmerzen die Beine
  • Arme und Beine sind oft kalt

Diagnose des Lipödem

Gibt es bei Ihnen klare Anzeichen für ein Lipödem, kann es auch ein Hausarzt diagnostizieren. Am besten geeignet ist jedoch ein Gefäßspezialist, etwa ein Lymphologe oder Phlebologe. Er begutachtet zunächst die betroffenen Körperregionen. Meist sind die ungewöhnlichen Körperproportionen klar zu erkennen: Schlanke Füße, Hände und Oberkörper stehen breiten Hüften und Oberschenkeln gegenüber. Auch die Druckempfindlichkeit kann geprüft werden. Soll das Unterhautfettgewebe genauer untersucht werden, kann eine Ultraschall-Untersuchung helfen.

Entscheidend ist aber vor allem, dass Sie frühzeitig zum Arzt oder zur Ärztin gehen. Denn das Lipödem breitet sich im Laufe der Zeit immer weiter aus. Das kann auch zu Folgeschäden, wie etwa Fehlstellungen der Gelenke oder Arthrose, führen. Viele Betroffene leiden außerdem unter psychischen Problemen, ziehen sich aus der Gesellschaft zurück und sollten zusätzlich eine psychologische Behandlung aufnehmen.

Die ersten Behandlungsschritte

Die Behandlung des Lipödem besteht aus mehreren Teilen. Eventuell vorhandenes Übergewicht sollte auf jeden Fall abgebaut werden. Zusätzlich wird auch Sport, etwa Schwimmen oder Trampolinspringen, empfohlen. Außerdem verschreibt der Arzt bzw. die Ärztin in den meisten Fällen eine manuelle Lymphdrainage. Diese hilft hauptsächlich gegen die Flüssigkeitseinlagerungen, kann aber auch allgemein Linderung verschaffen. Zusätzlich empfehlen sich maßgefertigte Kompressionsstrümpfe.

Experten und Expertinnen raten dazu, die einzelnen Behandlungsmöglichkeiten einige Monate lang auszuprobieren. Sie können die Beschwerden eindämmen, müssen allerdings ein Leben lang durchgeführt werden. Zudem können sie die Symptome nur lindern, nicht aber die zusätzlichen Fettzellen entfernen. Viele Betroffene fühlen sich dennoch mit der Behandlung wohl und gewinnen wieder an Lebensqualität.

Fettabsaugen bei Lipödem

Gegen das zusätzliche Fettgewebe können die genannten Behandlungsmöglichkeiten nichts ausrichten. Viele Patienten und Patientinnen entscheiden sich deshalb für das Fettabsaugen. Studien zeigen, dass es auch längerfristig Besserung bringen kann, Beine und Arme sollen über Jahre unverändert schlank bleiben. Ab 1. Januar 2026 übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen Kosten für Fettabsaugen beim Lipödem vollständig, ohne vorherige Prüfung.

Sollten Sie sich für eine Operation entscheiden, ist vor allem die Wahl des behandelnden Arztes bzw, der behandelnden Ärztin entscheidend. Er oder sie sollte nach Möglichkeit schon Erfahrung mit Lipödem-Patienten und -Patientinnen haben. Denn bei ihnen läuft der Eingriff anders ab, manchmal sind mehrere Behandlungsschritte nötig. Nach dem Fettabsaugen sind bei einigen Patienten und Patientinnen zudem noch weitere Maßnahmen – etwa Lymphdrainagen oder Kompressionsstrümpfe – nötig. In der Regel werden diese aber viel seltener benötig.

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