Können Ginkgo-Mittel halten was sie versprechen?

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Als Kapsel, Tee, Tablette oder Tinktur – das Angebot an Nahrungsergänzungsmitteln und Arzneimitteln mit Ginkgo ist groß. Apotheken sowie Reformhäuser und Drogerien bieten sie ihren Kunden an, die sich davon mehr Konzentrations- und Gedächtnisleistung oder endlich die Heilung ihres Tinnitus versprechen. Doch was ist dran an der „Heilpflanze Ginkgo“? ÄRZTE.DE hat sich für Sie schlaugemacht:

Der „Dinosaurier“

 Die Nadelholzbaumart Ginkgo biloba ist schon über 250 Millionen Jahre alt und somit ein Fossil unter den Bäumen. Ein Ginkgobaum kann bis zu 1000 Jahre alt und 40 Meter hoch werden. Seine Blätter bestehen aus Inhaltsstoffen wie Di- und Sesquiterpenen, Flavonoiden und Ginkgolsäuren.

Welchen Effekt hat Ginkgo auf den Körper?

In Laborversuchen können bei einigen dieser Substanzen positive Effekte auf die Gesundheit beobachtet werden. Unter Laborbedingungen bieten sie Nervenzellen Schutz und unterstützen außerdem Botenstofffunktionen im Gehirn, welche das Gedächtnis und Lernen beeinflussen. Zudem ändern die Bestandteile des Ginkgos den Blutfluss und die Blutgerinnung.

Die Schlussfolgerung liegt demnach nahe, von den Wirkstoffen des Ginkgobaumes positive Einflüsse auf die geistige Fitness oder Durchblutungsstörungen wie Schwindel und Tinnitus zu erwarten. Den Beweis dafür wollten Wissenschaftler mit einigen Studien liefern und hatten unterschiedliche Ergebnisse. Von 40 dieser Arbeiten erfüllen nur wenige die strengen Richtlinien. Nach aktuellem Forschungsstand lässt sich keine gesicherte Wirkung von Ginkgo auf einen dieser Bereiche ableiten.

Risiken und Nebenwirkungen von Ginkgo

Die Wirkung von Ginkgo ist nicht nur umstritten, die Blätter des Baumes können sogar schaden: Das Bundesinstitut für Risikobewertung BfR äußert sich zu möglichen Wirkungen ginkgohaltiger Nahrungsergänzungsmittel. Demnach enthielten einige der Teemischungen bedenkliche Mengen an Ginkgolsäure. Dieser wird in hohen Dosen eine gesundheitsschädliche Wirkung wie Magen-Darm-Beschwerden oder Erbgutveränderungen nachgesagt. Bei Lebensmitteln besteht, anders als bei Arzneimitteln keine Beschränkung des zulässigen Ginkgolsäuregehalts.

Das BfR, Apotheken und Verbraucherzentralen empfehlen daher, Ginkgoprodukte nur in Absprache mit dem Arzt einzunehmen. Dies gilt insbesondere für Personen, die regelmäßig Medikamente einnehmen. Kinder, schwangere und stillende Frauen sollten ganz auf Ginkgo verzichten. Positive Wirkungen auf das Gedächtnis oder die Konzentration sowie andere Beschwerden sind für Nahrungsergänzungsmittel mit Ginkgo nicht nachgewiesen.

Ginkgo in der Ernährung und Traditionellen chinesischen Medizin

Während die pharmakologische Verwendung nur den Extrakt aus den Blättern des Ginkgobaumes vorsieht, verarbeitet die japanische Küche die gegarten Samen als Beilage in bestimmten Gerichten im Ganzen oder als Gewürz. Wichtig ist dabei das Maß des verwendeten Ginkgosamens, da es bei zu großen Mengen zu Vergiftungserscheinungen kommen kann.

Die Traditionelle chinesische Medizin TCM nutzt neben den Blättern und Samen auch die Wurzeln des Baumes.

 

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Tipps für mehr Konzentration und Gedächtnisleistung:

Auch ohne Ginkgo können Sie Ihr Gedächtnis gerne in Schwung bringen und Ihre Konzentration erhöhen. Unsere ÄRZTE.DE Tipps:

  • Bleiben Sie aktiv!
    Geistige und körperliche Aktivität kann das Demenzrisiko senken. Besonders wichtig: viel Bewegung an der frischen Luft!

  • Nehmen Sie Depressionen oder depressive Verstimmungen ernst!
    Studien haben gezeigt, dass diese die Gedächtnisleistung beeinträchtigen können.

  • Wissen hält den Kopf fit!
    Je besser die Bildung und Förderung in der Kindheit und Jugend ist, desto länger bleibt die Gedächtnisleistung hoch.

  • Machen Sie einen Hörtest!
    Studien zufolge existiert ein Zusammenhang zwischen Demenz und schlechtem Gehör.

  • Trinken, trinken, trinken!
    Ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist sehr wichtig für Ihren Körper und Ihren Geist.