Hormonfreie Verhütung: Löst die natürliche Familienplanung bald die Pille ab?

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Zu ihrer Einführung wurde die Pille für die Befreiung der Frau gefeiert. Sie machte etwas möglich, was heute selbstverständlich ist: sexuelle Selbstbestimmung für Frauen. Denn ab 1960 mussten sie nicht mehr befürchten, ungewollt schwanger zu werden.

Doch wie damals ist auch heute die Pille wieder umstritten. Viele Frauen fürchten sich vor Nebenwirkungen, wie einem erhöhten Krebs- und Thromboserisiko, manche vertragen sie auch nicht oder möchten lieber auf eine hormonfreie Verhütungsmethode umsteigen. Was auch immer der Grund für einen Wechsel ist, heute gibt es viele Alternativen.

Die natürliche Familienplanung

Viele Methoden der natürlichen Familienplanung wurden ursprünglich entwickelt, um Frauen zu helfen schwanger zu werden. Denn eigentlich ist der passende Zeitraum in einem Zyklus sehr kurz. Das weibliche Ei ist nur etwa einen Tag lang fruchtbar. Gleichzeitig überleben Spermien nur drei bis fünf Tage in der Vagina. Damit ist die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft kurz vor und nach dem Eisprung am höchsten. Dieses Wissen können wir natürlich auch umgekehrt nutzen. Mithilfe der natürlichen Familienplanung ermitteln wir die fruchtbaren Tage und vermeiden so eine Schwangerschaft.

Dafür kann der Zyklus der Frau anhand von drei Faktoren vorhergesagt werden: Temperatur, Zustand des Zervixschleims und Veränderungen des Muttermunds. Bei der natürlichen Familienplanung wird mindestens einer der Faktoren aufgezeichnet, um fruchtbare und unfruchtbare Tage zu bestimmen. Produkte wie Verhütungscomputer und -Apps unterstützen die Frauen heute dabei und machen die Vorhersagen genauer. Trotzdem gilt es einiges zu beachten.

Messung der Temperatur

Die Temperaturveränderung wird bei fast allen Methoden der natürlichen Familienplanung miteinbezogen. Mit einem sensiblen NFP-Thermometer oder einem Digitalthermometer wird die Körpertemperatur bestimmt. Damit es möglichst exakte Ergebnisse gibt, wird gleich nach dem Aufwachen im Bett gemessen.

Beim Eintragen in das Zyklusblatt wird eine Kurve sichtbar. Kurz vor der Menstruation steigt die Körpertemperatur an. Ihren Höhepunkt erreicht sie während des Eisprungs. Danach fällt sie wieder. So können fruchtbare Tage ermittelt werden.

Zervixschleim / Billingsmethode

Der Zervixschleim wird von den Schleimhäuten der Gebärmutter gebildet. An unfruchtbaren Tagen sitzt er vor dem Muttermund und verschließt diesen. An fruchtbaren Tagen verändert er seine Konsistenz, um den Spermien den Weg in die Gebärmutter zu erleichtern.

Beobachten Frauen den Zervixschleim, können sie also ebenfalls Rückschlüsse auf den Zyklus ziehen. Auch hierfür wird meist ein Zyklusblatt geführt.

Veränderungen des Muttermunds

Bei einigen hormonfreien Verhütungsmethoden gehört auch das Abtasten des Muttermundes zu einem wichtigen Faktor. Rückt der Eisprung näher, verändert er sich. Der Muttermund verlagert sich nach hinten und öffnet sich leicht. Gleichzeitig wird er weicher. Vor und nach der Menstruation ist er dagegen schwerer zu ertasten. Er liegt hoch, ist geschlossen und wird wieder hart.

Durch das Abtasten des Muttermundes können Frauen also ebenfalls den Verlauf ihres Zyklus ermitteln.

Der Pearl-Index: Wie sicher ist die hormonfreie Verhütung

Viele Frauen und sogar Mediziner glauben, dass die natürliche Familienplanung eine sehr unsichere Verhütungsmethode ist. Durch neue Produkte und Apps auf dem Markt ist sie allerdings wieder ins Gespräch gekommen.

Der Pearl-Index bestimmt dabei zweifelsfrei, wie sicher sie wirklich ist. Die angegebene Zahl beantwortet die Frage, wie viele von 100 Frauen in einem Jahr schwanger geworden sind, während sie mit der Methode verhütet haben. Die natürliche Familienplanung schneidet dabei sehr gut ab. Einige Apps auf dem Markt sollen sogar ähnlich sicher sein, wie die Pille.

Allerdings ist die richtige Anwendung dafür entscheidend. Der Aufwand für die natürliche Familienplanung ist verhältnismäßig hoch. Es muss immer zur richtigen Zeit gemessen werden. Veränderungen im Alltag, wenig Schlaf oder Alkoholkonsum können die Ergebnisse verfälschen.

Zudem wären da noch die fruchtbaren Tage. Der Pearl-Index zählt nur, wenn die Frau an den fruchtbaren Tagen enthaltsam bleibt. Für viele ist das aber keine annehmbare, hormonfreie Alternative. Sie setzen in diesem Zeitraum auf andere Verhütungsmethoden.

Weitere hormonfreie Verhütungsmethoden

Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung nutzen 36 % der Deutschen Kondome zur Verhütung. Sie bieten zuverlässigen Schutz vor Schwangerschaft und auch noch vor Geschlechtskrankheiten.

Eine weitere Möglichkeit an fruchtbaren Tagen sind Diaphragmen. Sie werden erst kurz vor dem Geschlechtsverkehr eingeführt und verdecken den Muttermund. Gemeinsam mit synthetischen Verhütungsmitteln, also Spermien abtötenden Gels, können sie ebenfalls vor einer Schwangerschaft schützen. Allerdings sind sie lange nicht so sicher, wie andere Methoden. Deshalb werden sie heute kaum noch eingesetzt.

Auch mit der Spirale kann vollkommen hormonfrei verhütet werden. Das Kupfer hemmt die Beweglichkeit der Spermien. Gleichzeitig sorgt sie dafür, dass sich keine Eizellen in der Gebärmutter einnisten. Einmal vom Arzt eingesetzt, kann sie 3-5 Jahre ihre Wirkung entfalten. Damit sorgt sie für eine sehr sichere und vor allem langfristige Verhütung. Andere Methoden, wie die natürliche Familienplanung, sind nicht mehr nötig.

Welche Verhütungsmethode ist die richtige?

Die natürliche Familienplanung ist zunächst schwer zu erlernen und mischt sich stark in unseren Alltag. Für Mädchen und junge Frauen oder Frauen mit einem unregelmäßigen Zyklus ist sie zudem nicht zu empfehlen. Daneben hat aber auch die Pille viele Nebenwirkungen, wie Kopfschmerzen und schlechte Stimmung. Sie erhöht das Risiko einer Thrombose und für Brustkrebs. Jede der genannten Verhütungsmethoden hat ihre Vor- und Nachteile.

Letztendlich können Sie nur gemeinsam mit Ihrem Arzt entscheiden, welche zu Ihnen und zu Ihrem Leben passt. Dabei sollten Sie vor allem folgende Fragen beantworten:

  • Wollen Sie eine lang- oder kurzfristige Lösung finden?
  • Möchten Sie sich täglich, nur im Bedarfsfall oder am liebsten gar keine Gedanken über Verhütung machen?
  • Welche Methoden können Sie sich im Alltag vorstellen? Schrecken Sie manche ab?
  • Wie viel darf Ihre Verhütungsmethode kosten?