Ganz Ohr: Wie das Hören geistig fit hält

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Trommelfell, Hammer, Amboss und Steigbügel, Ohrschnecke – die Bestandteile unseres Ohres haben wir alle irgendwann in der Schule gelernt. Wie das Hören genau funktioniert, können dennoch die wenigsten sagen. Auch Thomas Sünder hat sich damit erst sehr spät beschäftigt. Nach einem Hörsturz, Tinnitus und der Diagnose Morbus Menière wurde die akustische Wahrnehmung, mit der er seinen Lebensunterhalt verdiente, plötzlich entscheidend: „Das Hören ist ein Vorgang, der überwiegend Im Gehirn stattfindet und das Gehirn kompensiert sehr lange. Ich glaube, deshalb ist es den allerwenigsten Betroffenen bewusst, dass sie eine Hörstörung haben. So war es bei mir auch. Ich habe schon vor dem Hörsturz überdurchschnittlich schlecht für mein Alter gehört und das hat mir meine HNO Ärztin auch gesagt. Ich habe das aber irgendwie abgetan.“

Cover Sachnbuch Ganz Ohr Thomas Sünder Dr. Andreas BortaErst als seine Gesundheit und sein Lebensunterhalt als DJ auf dem Spiel stehen, beschäftigt sich Thomas Sünder intensiv mit seinem Gehör. Mit der Hilfe seines Freundes Dr. Andreas Borta taucht er tief in die Forschung rund um Hören, Schwerhörigkeit und Gleichgewichtssinn ein. Aus den gemeinsamen Recherchen entsteht schließlich ein Sachbuch. „Ganz Ohr“ aus dem Goldmann Verlag richtet sich aber nicht an Experten. Es fasst die gängigsten Erkenntnisse für Laien und Betroffene zusammen. In einfacher Sprache erklären die Autoren die Funktionsweise unseres Gehörs sowie seine Bedeutung.

Gut Hören gegen Demenz

Spannend wird es besonders im dritten Teil des Buches. Nachdem sich der Leser intensiv mit der Entwicklung des Hörens und des „Verstehens“ beschäftigt hat, geht es jetzt um eine eher unbekannte Erkenntnis: Unser Gehör hat Einfluss auf unsere geistige Fitness und damit auch auf das Demenzrisiko. Schon eine leichte Schwerhörigkeit beeinträchtigt unser Gehirn. Bestimmte Bereiche werden plötzlich nicht mehr benötigt. Stattdessen versuchen andere, das Defizit auszugleichen, um dennoch alles zu verstehen. Studien zeigen, dass dabei auch das Demenz-Risiko steigt.

Für Thomas Sünder sind Hörgeräte ein entscheidender Schritt gegen diese Entwicklung. Sie halten betroffene Hirnareale weiterhin fit. Die neue Technik bietet dabei viele, erstaunliche Möglichkeiten, die weit über das bloße Verstärken eines Geräusches hinausgehen. Zusätzlich empfiehlt er, Hörschäden vorzubeugen: „Eine nahe liegende Sache ist die Meidung von Lärm, etwa im Alltag nicht mit Kopfhörern bis zum Anschlag aufgedreht Musik zu hören. Wenn ich in einer Situation bin, in der Lärm vorhanden ist, sollte ich lieber den Ort verlassen oder für Notfälle Ohrenstöpsel dabei haben. Generell ist alles, was einer gesunden Lebensführung zuträglich ist, also nicht Rauchen, eine mediterrane Kost oder ein regelmäßiger Schlafrhythmus, auch für die Ohren gut.“ 

Viele Tipps rund ums Hören

Von Infos zur Akustik in Räumen über Details zur Behandlung eines Hörsturzes bis zu Empfehlungen eines passenden Gehörschutzes: Thomas Sünder und Dr. Andreas Borta bieten in „Ganz Ohr“ zahlreiche Tipps rund um das umfangreiche Thema. Leider können einige Bereiche nur grob angeschnitten werden. Das ist mitunter etwas Schade, da gerade das Hören im Alltag viele Leser betrifft. Die Textboxen und Einschübe machen es zudem an manchen Stellen schwer, dem Haupterzählstrang zu folgen.

Durch den autobiografischen Rahmen, die vielen verschiedenen Textarten und die einfache Sprache wird das doch sehr wissenschaftliche Sachbuch allerdings immer wieder aufgelockert. Das macht „Ganz Ohr“ zu einem guten Einstieg für Laien in das Thema Gehör.

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