Die Strahlenkrankheit – wie schlimm sind die Auswirkungen radioaktiver Strahlung?

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Atomare Unglücke wie die Reaktorkatastrophen von Tschernobyl und Fukushima sind ein Super-GAU. Auch wenn diese Zwischenfälle keine Regelmäßigkeit haben, ist die Menschheit einer Bestrahlung ausgesetzt. Woher stammt diese Strahlung, ist sie schädlich und ab wann wird von einer Strahlenkrankheit gesprochen?

Was ist Strahlung und woher kommt sie?

Neben Reaktorunfällen und Atommüll-Endlagern gibt es zwei weitere, nicht vom Menschen erschaffene Quellen, die regelmäßige Strahlung aussenden. Zum einen handelt es sich um kosmische Strahlung, die aus den Tiefen des Weltalls auf die Erde prallt, zum anderen die sogenannte terrestrische Strahlung, welche von den natürlichen Uranerzvorkommen des Planeten abgegeben wird. Der Mensch ist dabei jedoch nicht einer konstanten Strahlenmenge ausgesetzt, denn aufgrund unterschiedlicher Faktoren verändert sie sich stetig.

Das Bundesamt für Strahlenschutz gibt die jährliche Strahlenbelastung, der eine Einzelperson in Deutschland durchschnittlich ausgesetzt ist, mit 2,1 Millisievert (0,0021 Sievert) an. Die Bezeichnung Sievert, Abkürzung Sv, ist die offizielle Einheit, in der die Strahlenbelastung angegeben wird.

Ist jede Strahlung schädlich?

Nicht jede Strahlung ist sofort eine irreparable Belastung für den menschlichen Organismus. Verschiedene gängige medizinische Gerätschaften arbeiten mit Strahlung, um Bildmaterial zu erstellen, mithilfe dessen Ärzte Befunde anfertigen und Therapien verordnen.

Beispielsweise belastet eine Untersuchung im Computertomografen den Körper mit einer Strahlung zwischen 1 – 20 Millisievert (mSv), je nach bestrahlter Region. Bei einer Röntgenuntersuchung bewegt sich die Belastung gar nur zwischen 0,1 und 2 mSv. Auch wenn diese Strahlung konzentriert auf den Körper trifft, ist sie in diesen Größenordnungen harmlos.

Symptome der Strahlenkrankheit

Welche Symptome und Schäden bei der Strahlenkrankheit auftreten ist davon abhängig in welcher Dosis, wie lange und auf welche Fläche die Strahlung auftrifft.

Ab 0,2 Sv

Keine direkt spürbaren Symptome. Experten nehmen aber an, dass sich das Erbgut verändert und das Krebsrisiko ansteigt.

Ab 0,5 Sv

  • Leichte Kopfschmerzen
  • Erhöhtes Infektionsrisiko für Krankheiten
  • Krebsrisiko soll sich um 7,5 % erhöhen

Ab 1 Sv

Diese Belastung wird auch als letalie Dosis bezeichnet, da sie ausreicht, um für Lebewesen wie den Menschen tödlich zu sein.

  • Symptome der leichten Strahlenkrankheit:
    • Übelkeit
    • Erbrechen
    • Durchfall
  • Innerhalb von vier bis sechs Wochen sterben etwa 10 % der Erkrankten, besonders gesundheitlich angeschlagene und alte Menschen
  • Krebsrisiko dauerhaft um 10 Prozent erhöht

Ab 2 Sv

Ab dieser Strahlenbelastung sprechen Experten von einer schweren Strahlenkrankheit.

  • Etwa 30-40 Prozent überleben eine Ganzkörperbestrahlung dieser Schwere nicht
  • Betroffene erliegen den Auswirkungen nach 4-6 Wochen
  • Symptome ähnlich einer leichten Strahlenkrankheit, zusätzlich nach 1-2 Wochen starker Haarausfall

3-4 Sievert

  • Todesrate erhöht sich auf 50 Prozent
  • Einzige Hilfe ist eine intensivmedizinische Versorgung
  • Überlebende haben ein bis zu 20 Prozent erhöhtes Krebsrisiko

Ab 4 Sievert

  • Akute Strahlenkrankheit
  • Mortalitätsrate steigt auf bis zu 90 Prozent
  • Alle bisherigen Symptome und schwere Blutungen treten im schlimmsten Fall bereits nach 30 Minuten auf
  • Überlebende erleiden permanente Unfruchtbarkeit

Ab 6 Sievert

  • 100 Prozent Sterblichkeitsrate
  • Einzig der Zeitraum nach dem der Tod eintritt ändert sich
    • Vier Wochen nach der Bestrahlung stirbt der Betroffene
  • Zellen des Magen-Darm-Traktes sind zerstört
  • Blutbildende Zellen im roten Knochenmark sind zerstört
  • Sehr viele innere Organe erleiden starke Schäden

10-20 Sv

  • Gleiche Symptome wie bei sehcs Sievert, die Zeit des Überlebens sinkt jedoch auf maximal zwei Wochen
  • Einige Tage nach dem Strahlenunfall empfinden viele Betroffene eine kurze Phase des Wohlbefindens, die sogenannte „Walking Ghost Phase
    • Nach diesem Moment schreitet der Verfall schnell voran, auf ein kurzes Koma folgt der Tod

Ab 20 Sv

  • Alle vorangegangenen Symptome
  • Tod innerhalb von sieben Tagen

> 50 Sv

  • Koma setzt innerhalb weniger Sekunden bis Minuten ein
  • Nach einigen Stunden kommt es zum Tod

Höher als 80 Sv

  • Sofortiger Tod

Sind die Folgen einer radioaktiven Katastrophe therapierbar?

Zunächst kann im vorneherein nicht abgeschätzt werden, welche Auswirkungen eine radioaktive Katastrophe, wie der Reaktorunfall von Tschernobyl, auf die Umwelt hat. Der Grund dafür ist die unstete Verteilung der radioaktiven Strahlung auf die umliegende oder gar weit entfernte Umgebung, da hier Windstärke und -richtung eine große Rolle spielen.
In Tschernobyl waren beispielsweise die Feuerwehrleute, die zum Notfalleinsatz gerufen wurden, einer Strahlung von bis zu 16 Sievert aufgesetzt. Zwei Tage später wurde die Strahlenbelastung der vier Kilometer entfernten Stadt Pripyat mit 0,288 Sv gemessen. Auch wenn es sich um einen deutlich niedrigeren Wert handelt, ist dieser dennoch um das 14,5-fach höher als die erlaubte Strahlung, der eine Person in Deutschland, die beruflich mit der Materie zu tun hat, ausgesetzt werden darf.

Sollte ein Mensch einer derart erhöhten Bestrahlung ausgeliefert sein, gibt es für die direkten Strahlenschäden keine bekannte Therapie. Ausschließlich die Folgeerkrankungen, wie etwa Durchfallerkrankungen oder Krebs, können behandelt werden. Der erste Schritt der Therapie ist, dass der Körper zunächst keiner weiteren Strahlung ausgesetzt ist.
Welche genauen Maßnahmen, zum Beispiel Infusionen bei einer Störung des Flüssigkeitshaushalts, benötigt werden entscheidet der behandelnde Arzt je nach Einzelfall.