Der Frühe totale Muttermund-Verschluss kann einige Fehlgeburten verhindern

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Ein Kinderwunsch ist immer mit großer Hoffnung, aber auch Ängsten und Zweifeln verbunden. Das gilt besonders, wenn Sie bereits eine oder mehrere Fehlgeburten hatten. Doch auch in einem solchen Fall gibt es Möglichkeiten, zu denen Sie sich von Ihrem Arzt beraten lassen sollten. Eine davon ist der Frühe Totale Muttermundverschluss.

Der Eingriff ist immer dann zu empfehlen, wenn die Ursache der Fehlgeburt eine aufsteigende genitale Infektion war. Auch bei einem unbekannten Auslöser nach dem ersten Trimester kann er ratsam sein. Anders als bei einer Cerlage wird beim Totalen Muttermund-Verschluss der Gebärmuttermund zugenäht und wächst anschließend komplett zusammen. Keime aus der Vagina können nicht mehr eindringen.

Exkurs Cerlage

Eine Cerlage wird meist durchgeführt, wenn es schon zu einer frühzeitigen Öffnung des Muttermundes während einer Schwangerschaft gekommen ist. Der Arzt legt einen Ring um den Muttermund, sodass dieser möglichst eng geschlossen bleibt. Anders als beim Totalen Muttermund-Verschluss ist dieser nicht komplett verschlossen. Einige Experten empfehlen ihn dennoch, um aufsteigende Infektionen einzuschränken, zum Beispiel wenn es bereits zu einer Fehlgeburt gekommen ist.

Gründe für einen Frühen Totalen Muttermund-Verschluss

In der Vagina tummeln sich eine Vielzahl unterschiedlicher Bakterien und Pilze. Sie regulieren sich in der Regel selbst. Manchmal kommt es allerdings vor, dass dieses Milieu gestört ist. Pilzinfektionen und andere Beschwerden treten auf. Frühzeitig behandelt stellt das auch bei einer Schwangerschaft meist kein Problem dar. Für einige wenige Betroffene scheint die Therapie allerdings nicht auszureichen. Die Keime dringen bis zum Muttermund vor und lösen dort eine Fehl- oder Frühgeburt aus. Es kommt etwa zu vorzeitigen Wehen oder einem vorzeitigen Blasensprung.

Daneben kann auch eine Zervixverschlussstörung vorliegen. Der Zervixschleim, der normalerweise den Muttermund verschließt, wird nicht ausreichend produziert. So können ebenfalls Keime eindringen. Die Ursache könnte etwa eine kurze Zervix sein, die dem Druck des Uterus, zum Beispiel bei einer Mehrlingsschwangerschaft, nicht standhält. Auch Gewebeänderungen der Zervix können die Verschlussstörung auslösen.

Wie läuft der Frühe Totale Muttermund-Verschluss ab?

Der Frühe Totale Muttermund-Verschluss ist ein operativer Eingriff, der stationär durchgeführt wird. Nach der Aufnahme in der Klinik testet der Arzt zunächst, ob bereits eine Infektion vorliegt. Außerdem wird ein Ultraschall durchgeführt, um sicherzustellen, dass es dem Ungeborenen gut geht. In manchen Kliniken wird vorab zusätzlich ein Antibiotikum verabreicht. Danach kann der Eingriff beginnen. Dafür ist eine Vollnarkose, selten auch eine Peridural-Anästhesie nötig. Der Operateur entfernt zunächst die Gewebeoberfläche des Gebärmuttermunds. Das sichert eine gute Narbenbildung. Anschließend wird er mit sehr dünnen Fäden vernäht.

Nach dem Eingriff kommt es zu leichten Blutungen, die für die Heilung der Naht wichtig sind. Ein weiterer Ultraschall stellt sicher, dass Mutter und Kind die Operation gut überstanden haben. Zudem können sie zur Beobachtung noch einige Tage im Krankenhaus bleiben. Bis der Muttermund komplett verheilt und zugewachsen ist, kann es etwas dauern. In dieser Zeit sollte die Schwangere auf Geschlechtsverkehr verzichten. Zudem sollte kein vaginaler Ultraschall durchgeführt werden.

Wie sieht die Geburt mit Totalem Muttermund-Verschluss aus?

Auch nach einem Totalem Muttermundverschluss ist eine natürliche Geburt ohne Weiteres möglich. Die Fäden lösen sich in der Regel von selbst und der Muttermund öffnet sich gegen Ende der Schwangerschaft. Ist das nicht der Fall, kann er durch den Gynäkologen geöffnet werden. Eine lokale Betäubung und ein kurzer Schnitt reichen dafür aus. Nach der ambulanten Behandlung kann die Patientin wieder nach Hause gehen.

Eine vaginale Geburt ist auch wegen der Rückbildung zu empfehlen. Dennoch gibt es Gründe, die für einen Kaiserschnitt sprechen können, zum Beispiel die Lage des Kindes. Auch eine Einleitung kann wegen ganz unterschiedlicher Ursachen nötig sein.

Wie sicher ist der Frühe Totale Muttermund-Verschluss?

Beim Totalen Muttermund-Verschluss handelt es sich um einen operativen Eingriff, der natürlich einige Risiken birgt. Darüber hinaus sind Mutter und Kind aber nicht gefährdet. Dennoch kann die Behandlung natürlich keinen Erfolg versprechen.

Aufsteigende Infektionen sind die häufigste Ursache für Fehlgeburten nach der 12. Schwangerschaftswoche. Es gibt aber noch andere Auslöser, die durch den Frühen Totalen Muttermundverschluss nicht verhindert werden können. Zudem sind Fehlgeburten besonders im ersten Trimester der Schwangerschaft weit verbreitet. In der Regel wird der Frühe Totale Muttermund-Verschluss deshalb erst in der 12. SSW durchgeführt. Findet der Eingriff später statt, ist die Heilung eventuell noch nicht ganz abgeschlossen, wenn es zu einer Infektion kommt.

Studien zeigen dennoch, dass durch den Frühen Totalen Muttermund-Verschluss etwa 95 % der Schwangerschaften erfolgreich beendet werden können. Einige Experten raten sogar dazu, ihn bei Mehrlingsschwangerschaften immer durchzuführen. Ob das bei Ihnen ratsam ist und ob noch weitere Risikofaktoren vorliegen, sollten Sie mit Ihrem Arzt besprechen.