Die Autonomiephase - ein wichtiger Entwicklungsschritt

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Im Alter von zwei Jahren machen Kinder riesige Entwicklungsschritte. Sie lernen beinahe mühelos laufen und sprechen, können alleine essen und werden langsam trocken. Hinzu kommt, dass Kinder in diesem Zeitraum zunehmend ihr eigenes Selbst entwickeln und feststellen, dass ihre eigenen Wünschen und Vorstellungen nicht immer denen der anderen entsprechen. Das bringt so eine kleine Welt ganz schön ins Wanken und überfordert sie. Eltern erleben das hautnah mit und zwar in Form von Wutanfällen, sogenannten „Trotzanfällen“.

Was ist die Autonomiephase und wofür wird sie gebraucht?

Die Autonomiephase, oft auch Trotzphase genannt, ist ein Entwicklungsabschnitt im Alter von zwei bis vier Jahren, in dessen Verlauf jedes Kind den Umgang mit ihm zuvor unbekannten Gefühlen erlernt. Diese Gefühle übermannen das kindliche Gehirn regelrecht, es ist überfordert und reagiert mit einem Wutausbruch – welchen das Kind nicht kontrollieren kann.

Das Ergebnis dieses Prozesses, meist im Laufe des vierten Lebensjahres ist beachtlich: Das Kind hat gelernt, mit verschiedenen Gefühlen wie Wut oder Frustration umzugehen. Außerdem entdeckt es sein eigenes ICH und betrachtet sich selbst differenzierter. Es ist sich seiner eigenen Grenzen bewusst und hat somit einen unabdingbaren Teil seiner Persönlichkeitsbildung geschafft. Aus psychologischer Sicht ist diese Phase der Entwicklung von großer Bedeutung, denn das Kind löst sich damit aus der sehr engen Beziehung mit seiner Mutter, es wird selbstständiger und autonomer.

Wie äußert sich ein Wutausbruch während der Autonomiephase?

Wie aus heiterem Himmel gerät das eben noch gelassene Kind in Rage. Es schreit, tobt, schlägt und tritt um sich und wirft sich auf den Boden. Die meisten dieser auch „Trotzanfälle“ genannten Wutausbrüche tragen diese Attribute. Eltern sprechen oft von einem Gewitter, bei dem sich Wut blitzschnell mit hohem Druck entlädt. Für das Kind ist das äußerst anstrengend, es kann den Anfall weder verhindern noch etwas dagegen tun. Verbale Appelle oder Zureden sind daher meist wirkungslos. Drohungen sollten auf keinen Fall ausgesprochen werden, da das Kind in einer aus seiner Sicht ausweglosen Situation ist und dem Willen der Eltern deshalb auch nicht einfach gerecht werden kann.

Was kann einen solchen Wutausbruch auslösen?

Wie bereits erklärt, erlebt das Kind in diesem Alter viele Gefühle sehr stark und entwickelt langsam eigene Wünsche und Pläne. Werden diese Wunschvorstellungen enttäuscht, reagiert das Kind mit einem Wutausbruch.

Beispiel:

Die Familie will gemeinsam Plätzchen backen. Das Kind ist begeistert, denn es darf helfen und so seinen Explorationsdrang ausleben. Nun geht es darum den Herd vorzuheizen. Die Mutter holt das Backblech heraus und schaltet den Ofen ein. Das Kind reagiert darauf mit einem plötzlichen Wutausbruch.

Weshalb?

Mit der Einladung der Mutter ihr beim Backen zu helfen, entwickelte sich eine Idee davon im Kopf des Kindes. Das Einschalten des Ofens war ihm dabei besonders wichtig. Seine Vorstellungen, die es vorher nicht kommuniziert hat, werden enttäuscht.

Andere Auslöser können Wissbegierde und Neugier sein, die durch die Eltern ausgebremst werden, sowie die Frustration, wenn es etwas (wiederholt) nicht gelingt. Müdigkeit und Hunger sind ebenso für viele Wutausbrüche verantwortlich.

Wie können Eltern das Kind unterstützen?

 Es ist hilfreich, dem Kind so oft es geht Teilhabe zu ermöglichen. Dafür reicht es schon, geplante Aktivitäten zu erklären und den Tagesablauf weitestgehend konsequent einzuhalten. Das Kind kann sich nun darauf einstellen und wird seltener „enttäuscht“. Eine feste Tagesstruktur gibt zudem Halt in dieser aufwühlenden Phase.

  • Beteiligung
  • Demokratische Entscheidungen
  • Das eigene Tempo dem Kind anpassen

Wie zuvor beschrieben, entstehen einige Wutausbrüche aus dem Drang heraus, etwas ausprobieren zu wollen, dies aber nicht zu dürfen. Eltern können vor einem „Nein“ innehalten und kurz überlegen: Muss ich wirklich Nein sagen, weil es gefährlich ist oder kaputt gehen könnte? Oder ist nur mein eigener Komfort der Grund, weshalb ich das nicht möchte? Zeigen Eltern häufiger Kooperationsbereitschaft, schauen sich ihre Kinder das ab und sind häufiger dazu bereit. Gestalten Sie daher möglichst viele Bereiche Ihres Familienlebens zeitweise so um, dass sie seltener Nein sagen müssen. Grundregeln sind davon selbstverständlich ausgenommen und müssen unbedingt eingehalten werden!

Der Wutausbruch ist da – was ist nun zu tun?

Kinder, die gerade einen Wutausbruch erleben werden von ihren Gefühlen überfallen und können sich selbst nicht regulieren. Behalten Sie das möglichst auch im Stress des Geschreis und Getobe im Hinterkopf und nehmen Sie es nicht persönlich. Ein Gefühl der Hilflosigkeit ist verständlich. Aber: Alle Kinder erleben und brauchen diese Phase.

ÄRZTE.DE empfiehlt:

  • Ruhe bewahren, so signalisieren Sie Stabilität, die Ihr Kind nun braucht.
  • Warten Sie ab. Oft hilft schon etwas Zeit, sodass das „Gewitter“ vorüberziehen kann.
  • Nehmen Sie Ihr Kind in den Arm, falls es das möchte. Nähe hilft zu entspannen.
  • Reden Sie anschließend mit Ihrem Kind darüber. Das trägt dazu bei, eben Erlebtes zu verarbeiten.

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