Apps auf Rezept: Krankenkassen bezahlen digitale Gesundheitsanwendungen

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Vom Schrittzähler über Zyklusbestimmung bis zu Diabetes Ratgeber – Apps für unsere Gesundheit gibt es viele. Das Digitale Versorgung Gesetz vom November 2019 greift diesen Gedanken auf. Nach ihm gibt es seit 6. Oktober 2020 Apps auf Rezept. Ärzte können verschiedene Anwendungen verschreiben, wenn sie diese als hilfreich empfinden.

Doch wie funktioniert das eigentlich genau? Und was bedeutet es für Sie als Patient?

Welche Apps können verschrieben werden?

Unter dem Begriff „Gesundheit“ finden sich unzählige Apps in den Appstores. Das bedeutet aber nicht, dass sie alle Ihre Gesundheit wirklich verbessern würden. Damit eine App verschrieben werden kann, muss sie deshalb in das Verzeichnis für digitale Gesundheitsanwendungen aufgenommen werden. Die kurz Diga genannten Apps werden dafür vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) geprüft. Sie müssen vor allem folgende Kriterien erfüllen:

  • zugelassenes Medizinprodukt
  • ausreichender Datenschutz
  • sicher, funktional und qualitativ hochwertig
  • positiver Effekt auf die Patientenversorgung

Um einen Platz in der Liste bewerben, können sich nur die Appentwickler. Können sie den positiven Effekt auf die Patientenversorgung noch nicht nachweisen, können die Anwendungen auch probeweise aufgenommen werden. Nach 12 Monaten muss der Einfluss dann ersichtlich sein.

Momentan befinden sich 3 Digas im offiziellen Verzeichnis. Sie unterstützen bei Schlafstörungen, Tinnitus und Angststörungen. Viele weitere sollen sich im Prüfverfahren befinden und vielleicht bald zugelassen werden.

Kann ich mir eine App aussuchen, die ich gerne vom Arzt hätte?

Ärzte sollen die Apps natürlich nur verschreiben, wenn sie einen behandlungsrelevanten Grund dafür sehen. Wie bei Medikamenten können Sie deshalb nicht einfach in die Praxis gehen und ein Rezept verlangen. Einige Mediziner sind aber sicher offen für Vorschläge. Daneben haben Sie auch die Möglichkeit, direkt bei der Krankenkasse nach einer bestimmten App zu Fragen.

Passt diese Diga zu Ihrem bisherigen Behandlungsverlauf, können Sie den Zugang direkt von der Versicherung bekommen. Sie übernimmt die Kosten zunächst für ein Jahr. Könnte eine App dauerhaft ihrer Gesundheit nutzen, kann der Zeitraum verlängert werden.

Was mache ich als Patient mit dem Rezept?

Mit einem Rezept für eine App können Sie natürlich nicht einfach zur Apotheke gehen. Stattdessen müssen Sie es bei Ihrer Krankenkasse einreichen. Das geht digital, oder auch per Post. Anschließend bekommen Sie einen Code zugeschickt, den Sie in der App einlösen können. Dieser gilt für 12 Monate.

Kritik an Apps auf Rezept

Experten sind sich einig, dass die Gesundheitsversorgung sehr viel digitaler werden muss. Die Apps auf Rezept halten aber nicht alle für einen Schritt in die richtige Richtung. Es sei nicht bewiesen, dass die Anwendungen tatsächlich die Gesundheit verbessern können. Als Nachweis für den positiven Effekt auf die Patientenversorgung sind neben wissenschaftlichen Studien, auch Fallberichte, Expertenmeinungen, Anwendungsbeobachtungen und andere valide Erkenntnisse möglich. Für einige Kritiker spricht das nicht für die Qualität.

Zudem erfassen viele der Digas sensible Daten. Diese ausreichend zu schützen ist eine große Aufgabe, der die Entwickler gerecht werden müssen. Gleichzeitig werden durch die strengen Kriterien sehr viele Apps aussortiert, die vielleicht einen großen Nutzen für Patienten haben könnten. Die Krankenkassen rechnen zudem mit sehr hohen Kosten, für die Apps auf Rezept. Milliardenausgaben, die vielleicht an einer anderen Stelle besser aufgehoben wären.

Dennoch könnten manche Digas die Behandlung unterstützen oder Diagnosen erleichtern. Liegen Daten digital vor, kann der Arzt sie schneller auswerten. Außerdem hat beinahe jeder Patient sein Smartphone immer dabei. So werden Anweisungen und Empfehlungen eventuell gründlicher umgesetzt. Ob sich die Apps auf Rezept lohnen und welchen Einfluss sie haben können, wird sich deshalb wohl erst in Zukunft zeigen.