Aktivkohlezahnpasta: Schwarze Zahnpasta als Marketing-Gag?

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Eine junge, schöne Frau hält lächelnd ihre Zahnbürste ins Bild. Ihre Zähne sind dabei vom schwarzen Schaum bedeckt. Dieses auffällige Bild, zahlreich von Influencern auf Instagram verbreitet, hat Aktivkohlezahnpasta bekannt gemacht.

Sie soll die Zähne natürlich reinigen und dabei auch noch für einen Bleaching-Effekt sorgen. Was hat es mit dem Trend auf sich?

Aktivkohle – ein Stoff aus Industrie und Medizin

In Fachkreisen ist Aktivkohle schon seit vielen Jahren bekannt. Sie besteht zu mindestens 90 Prozent aus Kohlenstoff und ist sehr feinkörnig. Durch ihre poröse Struktur kann sie viele Stoffe an sich binden. Deshalb wird sie zum Beispiel zur Reinigung von Wasser, filtern von Zigarettenrauch oder entfernen von unerwünschten Geschmacksstoffen in Wodka eingesetzt.

In der Medizin dient Aktivkohle vor allem der Entgiftung des Magen-Darm-Trakts. Sie kommt etwa bei Durchfallerkrankungen oder Vergiftungsnotfällen zum Einsatz. In den letzten Jahren hat sich das schwarze Pulver oder Granulat immer mehr zum Trendprodukt gemausert. Ob in Kosmetika, Smoothies oder Eis, Aktivkohle findet beinahe überall Verwendung; seit Neustem gehört dazu auch Zahnpasta.

Das versprechen Aktivkohlezahnpasten

Die Idee hinter Aktivkohlezahnpasta klingt logisch: Durch die absorbierende Wirkung nimmt sie Ablagerungen im Mund auf und entfernt sie. Das soll die Zähne gesünder und weißer machen. Einige Hersteller weisen zudem darauf hin, dass die schwarze Zahnpasta besonders schonend sei.

Denn herkömmliche Zahncreme entfernt Bakterien und Essensrückstände vor allem mit kleinen Schmiergelpartikeln. Diese können auf Dauer auch den Zahnschmelz angreifen. Deshalb gibt es in Deutschland klare Vorgaben, wie stark der Abrieb sein darf. Auf der Tube wird er unter dem Kürzel RDA angegeben. Gewöhnlich liegt er zwischen 40 – 80. Bei Zahnpasta mit einem weißmachenden Effekt kann er aber auch viel höher ausfallen.

Das sagen Wissenschaftler zur Aktivkohlezahnpasta

Viele Experten sind skeptisch, ob die Aktivkohlezahnpasta tatsächlich Beläge binden kann. Diese besteht aus mehreren Inhalts- und Wirkstoffen. Da die Aktivkohle immer reaktiv ist, nimmt sie vermutlich schon nach der Herstellung, viele Stoffe auf. Ihre absorbierende Wirkung ist aber begrenzt. Bis Sie sich damit die Zähne putzen, kann sie vermutlich kaum etwas entfernen. Zudem nimmt die Aktivkohle alle Stoffe auf, auch Mineralien oder die Wirkstoffe von Medikamenten. In der Medizin wird sie deshalb meist nur kurze Zeit und unter Beobachtung eingesetzt.

Studien und Tests konnten bisher keinen weißmachenden Effekt der Aktivkohlezahnpasta feststellen. Zudem haben sie gezeigt, dass die Partikel oft doch größer sind als in herkömmlichen Zahncremes. Damit können sie dem Zahnschmelz schädigen und so langfristig zu Zahnerkrankungen führen. Gerade bei Aktivkohlezahnpasta aus dem Ausland sind die Inhaltsstoffe weniger hochwertig, bei einigen konnten sogar schädliche Stoffe festgestellt werden.

Unser Fazit zur Aktivkohlezahnpasta

Langzeitstudien zur Aktivkohlezahnpasta fehlen bisher. Dennoch zeigt sich schon jetzt, dass das Trendprodukt nicht unbedingt hält, was es verspricht. Möchten Sie es dennoch ausprobieren, sollten Sie unbedingt auf den RDA Wert der Zahnpasta achten. Je höher er ist, desto seltener sollte das Produkt angewandt werden.

Auch der Fluoridgehalt ist sehr wichtig. Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung werden etwa 3,5 Gramm pro Tag empfohlen. Weniger als die Hälfte nehmen wir über die Nahrung auf. Deshalb ist eine Zahnpasta mit Fluorid besonders wichtig, um den Zahnschmelz zu stärken. Viele Aktivkohlezahnpasten enthalten gar kein Fluorid und sollten deshalb mit normaler Zahncreme ergänzt werden.