Die exakte Form und Größe des Implantats wird vom Patienten festgelegt und wird immer vor der OP visualisiert.
Dr. med. Michael A. Kremer

Dr. med. Michael A. Kremer

Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie, Craniofaciale Chirurgie (USA)

Die exakte Form und Größe des Implantats wird vom Patienten festgelegt und wird immer vor der OP visualisiert.

Schädeldeformitäten: Ein flacher oder platter Hinterkopf kann auch im Erwachsenenalter behandelt werden

Gesichts- und Schädelformen, wie zum Beispiel einen „runden Kopf“, gibt es viele. Sie hängen von vererbten familiären Faktoren ab, aber auch von der Lagerung als Säugling und Kleinkind. Dr. Michael Kremer ist Spezialist für Craniofaciale Chirurgie, also Deformitäten des Schädels. Der ÄRZTE.DE EXPERTE sieht auch bei Erwachsenen noch Behandlungsmöglichkeiten.

Neben einer Vielzahl normaler Schädelformen gibt es schwere angeborene Schädeldeformitäten und genetisch bedingte Syndrome, die durch Wachstumsstörungen der Schädel- und Gesichtsknochen und der Schädelnähte („Fontanellen“) bedingt sind. Diese werden heute frühzeitig bereits im Säuglingsalter in speziellen Zentren operativ behandelt („Craniofaciale Chirurgie“).

Doch auch Erwachsene können unter einem deformierten Schädel leiden. Dabei handelt es sich meist um lagerungsabhängige Schädeldeformitäten aus dem Säuglingsalter, die sich im Erwachsenenalter als flacher bzw. platter oder auch asymmetrischer Hinterkopf darstellen.

Ursachen für einen flachen oder platten Hinterkopf

In der Regel haben es die Eltern der erwachsenen Patienten versäumt, ihre Babys in den ersten Lebensmonaten immer in wechselnder Position, also Seiten-, Bauch- und Rückenlage hinzulegen. Grund dafür ist zum Beispiel eine übertriebene Angst vor dem plötzlichen Säuglingstod (SIDS), welcher mit einer zu langen Bauchlagerung, jedoch auch einer Unreife des zentralen Nervensystems in Verbindung gebracht wird.

Da der Schädelknochen in den ersten Lebensmonaten sehr weich und gut formbar ist, kommt es durch den Flächendruck auf den Hinterhauptschädel zu einer immer schlimmer werdenden und für das Umfeld sichtbaren Abflachung des Hinterkopfes. Die Eltern bemerken diese Auffälligkeit erstaunlicherweise meist nicht. Zum einen, weil sie das Kind jeden Tag sehen und die langsamen Veränderungen gar nicht merken. Zum anderen, weil sie keine Abnormität an ihrem Baby erkennen wollen, also die Augen vor einem Problem verschließen. Wenn ihnen dann noch vom Kinderarzt im Rahmen der Untersuchungen bestätigt wird, dass mit ihrem Kind alles in Ordnung sei, wird das „Tabuthema Kopfform“ weiter ignoriert - bis es dann zu spät ist.

Während der ersten Lebensmonate bis etwa zum ersten Lebensjahr wäre es möglich durch konsequente Wechsellagerung und bei schwereren Deformitäten auch durch Anpassen von speziellen Helmen, die Ausformung des Schädels zu normalisieren. Wird dies aber unterlassen, hat das Kind bzw. der spätere erwachsene Patient dauerhaft für sein ganzes Leben einen platten und/oder schiefen Hinterkopf.

Das Beschwerdebild bei Schädeldeformitäten

Betroffene stören sich an dieser Schädeldeformität sehr. Auch wenn ihr Umfeld ihnen bestätigt, dass alles völlig normal sei, kann das diese Patienten nicht von ihren Problemen befreien. Sie meiden oft das Duschen und Baden in Schwimmbädern oder im Urlaub am Strand und ziehen sich aus der Öffentlichkeit zurück. Sie vermeiden es, sich von der Seite fotografieren zu lassen und haben starke Selbstzweifel, die einer psychologischen Therapie in der Regel nicht zugänglich sind. Frauen versuchen ihre Haare so zu toupieren, dass der Hinterkopf rund erscheint, Männer lassen sich die Haare lang wachsen und stylen sie so über den flachen Schädel, dass er möglichst wenig auffällt. Die Betroffenen sind mit diesen Maßnahmen jedoch oft über Jahrzehnte unglücklich und entwickeln Komplexe, welche ihre Freunde und Angehörigen nicht nachvollziehen können. Meist finden die Betroffenen erst nach längerem Suchen Informationen über Behandlungsmöglichkeiten und Implantate.

Dr. Michael Kremer Schädeldeformation flacher Hinterkopf Skizze Behandlung

Behandlungsmöglichkeiten bei einem flachen oder platten Hinterkopf

Durch ein spezielles Implantat kann ein flacher oder platter Hinterkopf die gewünschte runde Form erhalten. Da es sich bei jedem Patienten um eine ganz individuelle Situation und Anatomie handelt, werden die Implantate maßangefertigt.  Eine Computertomografie (CT) liefert vor der Operation eine passgenaue Vorlage.

Veraltete und vor allem sehr ungenaue Methoden, wie das Modellieren von aushärtenden Kunststoff- oder Mineralien-Massen während der Operation, sollten nicht mehr zur Anwendung kommen; ebenso wenig wie ungenaue Hartsilikon-Implantate, die mithilfe von Abdrücken auf der behaarten Kopfhaut hergestellte werden.

Ein gemeinsamer Planungsprozess und die Visualisierung des definitiven Implantats (siehe Grafik) durch Arzt und Patient sollten vor der Operation auf jeden Fall erfolgen. Nur so kann der Patient die von ihm gewünschte Form bis zur Machbarkeitsgrenze mitbestimmen und weiß somit über das genaue ästhetische Ergebnis von vornherein Bescheid.

Operation und Nachsorge

Dr. Michael Kremer Schädeldeformation Hinterkopfimplantat

In Vollnarkose wird in Bauchlage ein wellenförmiger Hautschnitt in der Kopfhaut gemacht. Haare müssen dafür nicht abrasiert werden. Durch den Schnitt wird der Skalp sozusagen aufgeklappt, danach die Knochenhaut vom Schädelknochen ab präpariert und das Implantat passgenau am Schädel mit mehreren kleinen Titanschrauben befestigt. Die Knochenhaut wird dann über das Implantat gelegt und festgenäht, die Kopfhaut mit Fäden und Klammern wieder zugenäht und der Kopf mit einem elastischen Wundverband verbunden.

Die Patienten bleiben in der Regel ein bis zwei Nächte stationär in der Klinik. Die Haare können nach drei Tagen wieder gewaschen werden. Die Hautklammern werden nach drei Wochen entfernt. Arbeitsfähigkeit besteht meistens schon nach wenigen Tagen, weil bei entsprechend langen Haaren die Wunde für Außenstehende kaum zu erkennen und das Gesicht praktisch nicht geschwollen ist. Schmerzen bestehen allenfalls geringe im Sinne einer gewissen Spannung der Kopfhaut, welche abhängig von der Größe des Implantats ist. Das Implantat aus Poly-Eter-Eter-Keton- (PEEK) Kunststoff hält ebenso wie die Titan-Schrauben ein Leben lang. Die Schrauben müssen also nicht entfernt werden und wirken sich z. B. bei Sicherheitskontrollen am Flughafen nicht negativ aus.

Das Ergebnis der Behandlung

Dr. Michael Kremer Schädeldeformation Hinterkopf ErgebnisAufgrund der genauen Planbarkeit von Größe, Form und Position des Implantats gemeinsam mit dem Patienten besteht eine hohe Erfolgswahrscheinlichkeit. Das Ergebnis ist schon einen Tag nach der Operation bei der Abnahme des Verbands sicht- und tastbar. In seltenen Fällen kommt es an manchen Stellen zu einer verbreiterten Narbenbildung, in welcher naturgemäß ja keine Haare wachsen. Wenn diese sichtbar ist oder stört, kann die Narbe in örtlicher Betäubung etwa ein halbes Jahr nach der Operation verschmälert werden.

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