Barrierefreiheit in der Arztpraxis

Ein lächelnder Mann im Rollstuhl trägt ein rotes Hemd, während eine lächelnde Frau in einem blauen Hemd hinter ihm steht und ihm ihre Arme um die Schultern legt. Sie befinden sich draußen bei sonnigem Wetter, umgeben von grünen Bäumen und Pflanzen.
Barrierefreiheit richtet sich nicht nur an Rollstuhlfahrer:innen, sondern ist auch für andere Patienten und Patientinnen wichtig.

Die schlechte Nachricht zum Thema fehlender Barrierefreiheit in Praxen: Der Anteil älterer und behinderter Patienten wächst. Die gute Nachricht ist, dass viele niedergelassene Ärzte und MVZ’s bereits auf blinde, gehörlose, geh- oder geistig behinderte Patienten eingestellt sind. Artikel 25 der ratifizierten Behindertenrechtskonvention fordert genau dies: gleichberechtigten Zugang zu Leistungen des Gesundheitswesens.

Wer neu baut, tut sich freilich leichter damit auf Barrierefreiheit in der Arztpraxis zu achten. Bestehende Bauten von Hürden zu befreien ist da schon wesentlich komplizierter und oft schlichtweg nicht realisierbar. Oder doch? Definiert sich Barrierefreiheit nicht auch durch geeignete Information und Kommunikation? Eine eingeschränkte Mobilität ist nicht das einzige Handicap, das Ihre Patienten mitbringen. Welche Gegebenheiten sollten Patienten mit Defiziten in anderen Bereichen, wie der visuellen oder akustischen Wahrnehmung optimalerweise vorfinden?

ÄRZTE PLUS Tipps für eine barrierearme Praxis für Sehschwache und Blinde

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ÄRZTE PLUS Tipps für behindertengerechte Kommunikation und Information

Eine barrierearme Praxis beginnt schon außer Haus. Bereits während der Terminvergabe an einen mobileingeschränkten oder orientierungsschwachen Patienten können Sie tätig werden und eine persönliche Empfangnahme durch einen Praxismitarbeiter am Parkplatz vereinbaren. Es empfiehlt sich, für solche Situationen einen Rollstuhl anzuschaffen. Wer Ihre Praxis betritt, sollte zudem direkt angesprochen und begrüßt werden, selbstverständlich mit Blickkontakt. So erhalten Ihre Mitarbeiter auch Gelegenheit, den Patienten nach dem gewünschten Umfang der Unterstützung zu fragen. Schließlich ist das Ziel der Barrierefreiheit, dass sich alle Patienten ohne Hilfe in Ihrer Praxis bewegen können – sofern sie das wünschen. Es mag hin und wieder vorkommen, dass ein Helfer oder Betreuer als Begleitung mit in die Behandlung geht. In diesem Fall ist es wichtig, das Gespräch dennoch an den Behandelten selbst zu richten, um ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Sprechen Sie deutlich, langsam und in einfachen Sätzen. Kompliziertere Gesprächsgegenstände wie Untersuchungsergebnisse, Befunde oder Rezepte sollten unbedingt erklärt werden – ein Modell oder Bild vereinfacht dies.

Patienten mit stark reduziertem oder fehlendem Gehör unterstützen Sie durch eine direkte Ansprache mit Blickkontakt. Wer Lippen liest, tut sich leichter, wenn kurze Sätze deutlich ausgesprochen werden und Fremdwörter vermieden werden. Fachbegriffe sollten Sie schriftlich erklären. Räumen Sie außerdem unbedingt zum Ende des Gesprächs Zeit für Fragen ein und erkundigen Sie sich selbst aktiv nach Unklarheiten.

ÄRZTE PLUS Tipps für Zugänglichkeit und Service

Bauliche Hürden lassen sich nicht einfach aus dem Weg räumen und auch der beste Wille kann eine Tür nicht verbreitern. Um dem Siegel „barrierefrei“ gerecht zu werden, sollte ein Eingang mindestens 80 – 90 cm breit sein, sodass Rollstühle und Kinderwagen problemlos hindurch passen. Hindernisse wie Treppen oder Absätze werden mit einem Treppenlift oder einer Rampe überwunden. Stellen Sie sicher, dass Türklinken, Klingeln und die Garderobe aus einem Rollstuhl heraus benutzt werden können und sich alle Türen einfach öffnen lassen. Ideal ist ein automatischer Türöffner. Ein behindertengerechter Sanitärraum sollte ebenso bedacht werden wie Stühle mit Armlehnen, die das Aufstehen und Hinsetzen vereinfachen. Umfassende Informationen zu baurechtlichen Vorgaben und hilfreiche Tipps bietet die Kassenärztliche Bundesvereinigung unter https://www.kvb.de/mitglieder/praxisfuehrung/pflichten/barrierefreiheit.

Fünf Argumente für barrierefreie / barrierearme Arztpraxen

In der ambulanten Versorgung wird eine barrierearme Versorgung immer wichtiger. Gerade Augenärzte, Orthopäden, Hals-Nasen-Ohrenärzte oder auch Neurologen spüren dies in ihrer täglichen Praxisarbeit.

Fünf Gründe für eine barrierefreie / barrierearme Arztpraxis:

  1. Das Siegel „barrierearme“ oder „barrierefreie“ Praxis ist für viele Patienten ausschlaggebend bei der Wahl ihres Arztes.

  2. Neben der sozialen Verantwortung entlasten Sie das Team und ihre Patienten sind merklich dankbar. Eine barrierefreie oder -arme Praxis ist ein gutes Marketinginstrument und förderlich für das Praxisimage.

  3. In Ihrer Nähe gibt es einige Praxen Ihrer Fachrichtung? Heben Sie sich aus der Masse hervor und nutzen Sie den Wettbewerbsvorteil der Barrierefreiheit.

  4. Apropos Wettbewerb: Spätestens mit dem TSVG fallen einige Zulassungsbeschränkungen und damit steigt die Konkurrenz. Als barrierearme oder -freie Praxis bleiben Sie auch in Zukunft wettbewerbsfähig.

  5. Konzipieren Sie die Website Ihrer Praxis barrierefrei, werden Sie im Internet einfacher gefunden. Heben Sie Ihre Sichtbarkeit zudem durch Profile auf Arztsucheportalen wie aerzte.de hervor.

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