Ohne Absage: Was tun, wenn der Patient nicht zum Termin kommt?

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Das Wartezimmer ist voll, diese Woche sind nur noch die Notfalltermine frei und dann das! Der Patient, den sie als nächstes aufrufen sollten, ist nicht erschienen. Manche würden jetzt sagen: Kann ja mal passieren, dass man einen Termin vergisst. Andere dagegen sind weniger versöhnlich.

Vielleicht hat dieser eine Patient schon mehrmals einen Termin vergessen oder zu kurzfristig abgesagt. Eventuell gibt es noch viele andere, die dringend auf einen Termin warten. Zudem müssen Sie trotzdem die laufenden Kosten tragen. Was also können Sie tun, wenn ein Patient nicht zu einem Arzttermin erscheint?

Ab wann ist eine Absage zu kurzfristig?

Patienten können jederzeit und ohne triftigen Grund einen Termin bei Ihnen absagen. Das geht auch fünf Minuten vorher. Ihr Praxisteam möchte aber natürlich möglichst früh Bescheid wissen, um ihn anderweitig zu vergeben. Eine offizielle Grenze, wann die Absage zu kurzfristig ist, gibt es nicht.

Meist ist von 24 oder 48 Stunden die Rede. Dies gilt allerdings nur, wenn es sich um eine reine Bestellpraxis handelt, also jeder Termin einzeln und länger im Voraus vergeben wird.

Wie sieht die Rechtsprechung aus?

Ein Grundsatzurteil zu verpassten Terminen beim Arzt gibt es noch nicht. Sie können sich aber an mehreren kleinen Urteilen orientieren. Demnach haben Sie durchaus das Recht auf ein Ausfallhonorar. Dafür müssen allerdings einige Punkte erfüllt sein.

  • In der Zeit des Termins konnten keine anderen Arbeiten durchgeführt werden
  • Dem Patienten wurde klar kommuniziert, dass der Termin alleine für ihn reserviert wurde
  • Es konnte kein anderer Patient den Termin übernehmen

Außerdem sollte das Ausfallhonorar bei verspäteter Absage schriftlich mit dem Patienten festgehalten werden. Ist das nicht der Fall, müssen Arzt oder Praxis nachweisen, dass tatsächlich ein Schaden entstanden ist, beispielsweise weil zwei Tage vorher ein Patient nach dem Termin gefragt hat und abgewiesen werden musste. Sollten Sie statt einer Pauschale die Kosten der ausgefallenen Behandlung verlangen, muss außerdem das gesparte Material abgezogen werden.

Ausfallhonorar oder keine Termine mehr?

Ob gesetzlich oder privat versichert, ein Ausfallhonorar muss der Patient immer selbst entrichten. In vielen Praxen wird allerdings darauf verzichtet. Stattdessen weisen die Mitarbeiter darauf hin, dass sie bei mehrmaligem Fehlen keine Termine mehr vergeben werden. Ein Privatarzt kann seine Patienten frei wählen und sie jederzeit ausschließen. Bei Vertragsärzten ist das aber nicht so einfach.

Um Patienten abzuweisen, muss es sich um einen sogenannten begründeten Fall handeln, etwa Überlastung oder Überschreitung des Fachgebiets. Ein Nichterscheinen bei einem Ersttermin fällt nicht darunter, auch wenn es mehrmals vorkommt. Nur wenn bei einer bereits laufenden Behandlung, die mehrere Termine umfasst, einige unentschuldigt verpasst werden, kann der Arzt den Patienten abweisen. Das gilt natürlich nicht bei Notfällen.

Fazit zu verpassten Terminen

Dass ein Patient zu einem Termin nicht erscheint oder kurzfristig absagt, kann vorkommen. Ist das mehrmals der Fall, handelt es sich um eine aufwendige Behandlung oder ist der Verdienstausfall erheblich, können Ärzte und Heilberufler ein Ausfallhonorar verlangen, sofern in dieser Zeit keine anderen Tätigkeiten durchgeführt werden können. Dies sollte vorher schriftlich festgehalten werden. Abweisen dürfen Vertragsärzte einen Patienten nur in Ausnahmefällen.

Die gleichen Rechte gelten allerdings auch für Patienten. Müssen Sie länger als eine halbe Stunde im Wartezimmer ausharren und werden nicht darauf hingewiesen oder bekommen die Möglichkeit zu gehen, so können sie ebenfalls den Verdienstausfall verlangen.