Covid-19-Impfung organisieren - Tipps für Hausärzte

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Impfen ist in vielen Arztpraxen Alltag. Die Impfung gegen COVID-19 stellt aber auch Profis vor Herausforderungen. Da sind die verunsicherten Patientinnen und Patienten, sich ständig wechselnde Regelungen und der höhere Aufwand. Hinzu kommt die neue Technologie der Vektor- und mRNA-Vakzine.

Wir finden: Bei all der Aufregung lohnt es sich einen Moment inne zu halten und die aktuelle Situation zusammenzufassen.

Impfstoff bestellen

Impfstoff gegen COVID-19 können Sie mittels Muster 16 wie gewohnt bei Ihrer Apotheke bestellen. Die Mitteilung über die Wochenlieferung erfolgt meist am Freitag der Vorwoche. Bestellungen bei Ihrer Apothekerin oder Ihrem Apotheker sind bis Dienstag möglich, geliefert wird in der darauf folgenden Woche.

Auch das nötige Zubehör wird mitgeliefert, darunter ausreichend Kanülen, Kochsalzlösungen und Feindosierungsspritzen.

Impfstoffe richtig lagern

Alle Impfstoffe sollten unabhängig vom Hersteller im Kühlschrank in ihrem mitgelieferten Karton aufbewahrt werden, um sie vor Licht zu schützen. Dennoch gibt es je nach Vakzin einige Unterschiede zu beachten.

Comirnaty®

Beim Transport des ultratiefgekühlten Vakzins Comirnaty® gilt es einiges zu beachten. Bereits bei Temperaturen zwischen zwei und acht Grad Celsius fängt es an aufzutauen. Ab diesem Zeitpunkt ist der Impfstoff nur noch 120 Stunden haltbar. Der Lieferung liegt dehalb ein Begleitdokument bei, auf dem der Auftauzeitpunkt und das Verfallsdatum vermerkt sind.

Auch bei der Handhabung ist der Impfstoff des Herstellers BioNTech/Pfizer empfindlich. Es sollte nicht geschüttelt werden. Die Mrna ist gekapselt in ein Lipid-Protein, das relativ anfällig ist für Erschütterungen und deshalb leicht zerstört werden kann. 

Eine Ampulle mit dem Corona-Impfstoff Comirnaty® muss zunächst mit einer Kochsalzlösung verdünnt werden, daraus ergeben sich um die sechs bis sieben Impfdosen. Diese sind bei Temperaturen von zwei bis 30 Grad für sechs Stunden haltbar. Sollten Sie Hausbesuche für immobile Patientinnen und Patienten planen, empfiehlt sich eine Kühlbox mit Temperaturkontrolle und spezieller Polsterung, um Erschütterungen zu vermeiden.

Vaxzevria®

Das Vakzin muss zwischen zwei und acht Grad gelagert werden, ist im Gegenzug dafür aber ungeöffnet bis zu sechs Monate haltbar. Der Impfstoff darf nicht verdünnt werden. Eine Viole enthält zehn Impfdosen und hält sich angebrochen für 48 Stunden im Kühlschrank. Eine AstraZeneca-Flasche kann innerhalb dieser Frist einmalig für sechs Stunden bei bis zu 30 Grad gelagert werden. Nach Ablauf der Zeit muss der Impfstoff entsorgt werden.

Terminvergabe: Wie gehe ich am besten vor?

Welche Art der Teminvergabe am meisten Sinn ergibt, ist oftmals von der Größe der Praxis abhängig – Für manche rentiert sich sicherlich ein „Impfnachmittag“ für ein paar Stunden. Auf diesem Wege können Medizinerinnen und Mediziner vermeiden, dass Impflinge in Kontakt mit erkrankten Personen kommen.

Eine große Aufgaben für Praxen ist momentan auch die Verunsicherung der Patienten. Die Flut an Anfragen zu Impfterminen und der Sicherheit der Impfstoffe ist an vielen Stellen kaum zu bewältigen. Bei der Organisation können Ihnen digitale Tools wie unser Terminbuchungstool helfen. Die Registierung und Einrichtung des Tools auf Ihrer Webseite dauert nur wenige Minuten. Das Tool ist kostenlos und kann von Ihrer Praxis selbst verwaltet werden. Wenn Sie Termine freigeben und diese von der Patientin oder dem Patienten gebucht werden, erhalten Sie beide eine Mailbestätigung darüber. Sie können daraufhin den Terminwunsch annehmen oder ablehnen. Auch hier geht wieder eine Bestätigungsmail, sowie eine Terminerinnerungsmail raus. Beide Parteien können den Termin auch wieder absagen und werden ebenfalls gegenseitig informiert.

Darüber hinaus wären auch digitale Listen für Impfinteressierte Patientinnen und Patienten oder spezielle Anrufbeantworter denkbar. Auch eine FAQ-Liste auf der Praxiswebsite könnten die Anrufflut eindämmen.

Organisatorisch gestaltet sich ddie Terminvergabe aber etwas schwierig, denn: Es gibt nur eine begrenzte, ungewisse Impfmenge pro Praxis. In der Regel erfahren Sie erst donnerstags, wie viel Impfstoff sie in der Folgewoche tatsächlich bekommen werden. Eine langfristige Planung ist daher nur schwer möglich. Es empfiehlt sich, Ihren Patientinnen und Patienten vorab über diese Unsicherheiten bei der Terminvergabe hinzuweisen.

Abgesehen davon ist es ratsam, die Impfungen auf Dienstag, Mittwoch oder Donnerstag zu legen. Das liegt daran, dass montags die Impfstoffe geliefert werden und freitags grundsätzlich von einer Impfung abgesehen werden sollte, da sich die Patientinnen und Patienten bei Nebenwirkungen sonst nicht direkt am nächsten Tag bei Ihnen melden können.

Der Tag der Impfung: Proaktiv organisieren

Nachdem Sie Ihre Patientin oder Ihren Patienten begrüßt haben, sollten Sie sicherstellen, dass sie oder er keine Kontraindikation für einen der Impfstoffe gegen Covid-19 mitbringt. Hierzu erstellen Sie einen Dokumentationsbogen, der gegengezeichnet werden muss. Dort wird auch aufgeführt, wie die Viole aus dem Kühlschrank herausgenommen wird.

Die Viole selbst wird anschließend mit Uhrzeit und Datum versehen. (Das ist deshalb so wichtig, weil der Impfstoff nur relativ kurz nach Anbruch haltbar ist.)

Wie viel Zeit muss ich für meine Patientinnen und Patienten einplanen?

Jeder Termin ist in der Regel sehr kurz getaktet. Insgesamt sollten Sie pro Patientin und Patient mit etwa 20 Minuten rechnen – Fünf Minuten Impfung und 15 Minuten Nachbeobachtung. Bei Impfungen mit dem Vakzin Vaxzevria® sollten Sie jedoch mehr Zeit einplanen. Bei vielen Patientinnen und Patienten ist das Vertrauen in den Impfstoff des Herstellers Astrazeneca stark gesunken. Sie sind sehr verunsichert und haben deshalb einen erhöhten Redebedarf.

Um einen hohen Zeitaufwand zu vermeiden, lohnt es sich, das Aufklärungsmaterial zur Impfung schon bei der Terminvergabe auszuhändigen, damit sich Ihre Patientinnen und Patienten vorab informieren können. Hier können Sie sich die Dokumente in verschiedenen Sprachen herunterladen.

Was tun, wenn kein Impfausweis vorliegt?

Üblicherweise wird die Immunisierung im Impfausweis dokumentiert. Sollte Ihre Patientin oder Ihr Patient das Dokument verloren haben oder keines besitzen, können Sie ein Ersatzformular zur Dokumentation der durchgeführten Impfung ausstellen.

Dieser Text wurde von unserer Redakteurin Tamara Todorovic verfasst.