Kolostrum – die Wirkung der Erstmilch auf Neugeborene

Ein neugeborenes Baby schläft friedlich in den Armen seiner Mutter im Krankenhaus. Nur der untere Teil des Gesichts der Frau ist sichtbar, während das Baby unter einer Decke liegt. Die Szene vermittelt eine ruhige und liebevolle Atmosphäre. Kolostrum: So wichtig ist die Vormilch für Ihr Baby

Eine Geburt ist äußerst anstrengend für Mutter und Kind.  Nach der Entbindung bekommen sie deshalb erst mal ein paar Minuten Ruhe. Das Neugeborene wird auf die Brust der Mutter gelegt. Dort kann es ihre Wärme spüren, den vertrauten Herzschlag hören und sich erholen. Außerdem kann es im Anschluss gleich angelegt werden. Denn beim ersten Stillen erhält es das wichtige Kolostrum, das den Neugeborenen viel Kraft geben kann.

Was ist das Kolostrum?

Das Kolostrum ist etwas schleimiger und dickflüssiger als die normale Muttermilch und kann eine gelbliche Farbe haben. Es wird auch Vormilch oder Erstmilch genannt und verändert sich in den ersten Tagen immer wieder, um sich perfekt an die Bedürfnisse des Neugeborenen anzupassen. Nach etwa zwei bis fünf Tagen kommt es zum Milcheinschuss der Muttermilch, die das Kolostrum ablöst.

Woraus besteht das Kolostrum?

Auch wenn die erschöpften Kinder in den ersten Stunden und Tagen noch nicht viel trinken, die Bedeutung des Kolostrums sollte nicht unterschätzt werden.

Das Kolostrum enthält Nährstoffe für das Kind: Proteine, Vitamin A und Natriumchlorid sowie geringe Mengen von Kohlenhydraten, Lipiden und Kalium. Zudem versorgt es das Kind mit Lymphozyten, Antikörpern und vielen weiteren wichtigen Immunkomponenten und Wachstumsfaktoren.

Welche weiteren Funktionen hat das Kolostrum?

  • Die Gebärmutter ist eine sterile Umgebung. Ist das Kind einmal auf der Welt, ist es Unmengen von Keimen und Bakterien ausgesetzt, zum Beispiel durch das Liegen auf dem Bauch der Mutter. Über die Vormilch erhält das Baby Immunstoffe gegen diese Keime.

  • Im Mutterleib schlucken Babys eine Menge Fruchtwasser und andere Stoffe, die über das sogenannte „Kindspech“ meist in den ersten beiden Tagen nach der Geburt ausgeschieden werden. Da es äußerst zäh und klebrig ist, hat die Vormilch eine leicht abführende Wirkung, um diesen Vorgang zu erleichtern.

  • Das Kolostrum wirkt sich positiv auf den Bilirubinwert der Babys aus, welcher nach der Geburt ansteigt und verantwortlich für den Neugeborenenikterus, also Gelbsucht, ist.

  • Im Darm des Babys bildet sich nach der Geburt eine Schutzschicht, die dafür sorgt, dass Keime nicht durch die Darmwände in den Körper gelangen können. Dafür benötigt der Körper sogenannte Immunoglobuline, die zahlreich im Kolostrum enthalten sind. Ebenso wie Milchsäurebakterien, die anschließend den Darm des Kindes bevölkern.

  • Stillen kann auch besonderen Schutz vor Magen-Darminfektionen bieten, da das Eiweiß Laktoferrin Eisen bindet. Gefährliche Bakterien können dies so nicht mehr nutzen.

Warum sollte nur in Ausnahmefällen in den Tagen nach der Geburt zugefüttert werden?

Auch wenn das Baby anfangs nur sehr wenig trinkt: Es wird vom Kolostrum auf jeden Fall ausreichend genährt, da die Wirkstoffe stark konzentriert sind. Zudem kann der Körper in der ersten Zeit nur kleinvolumige Mengen aufnehmen und muss sich erst langsam an die steigende Milchmenge gewöhnen. Am ersten Tag trinkt ein Neugeborenes pro Stillvorgang nur etwa 10 ml.

Hinzu kommt, dass der Darm zum Zeitpunkt der Geburt noch nicht ausgereift ist. Jedes Zufüttern von Milchprodukten, Glukosemischungen oder anderen Stoffen kann deshalb schädlich sein. Im Laufe der vierten und sechsten Lebenswoche bilden sich dann die eigenen Immunstoffe des Kindes.

Welche Vorteile bietet das Stillen für die Mutter?

Das Stillen…

  • hilft dem Körper bei der Rückbildung der Gebärmutter.

  • senkt das Risiko für Osteoporose und Brustkrebs und Eierstockkrebs, sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes mellitus.

  • kann der Mutter beim Verlieren der Schwangerschaftspfunde helfen.

  • ist kostenlos und bietet jederzeit perfekt temperierte Nahrung.

  • stört den Schlaf in geringerem Umfang.

  • bildet das Hormon Prolaktin, das für mehr Gelassenheit sorgt.

  • fördert die Oxytocinbildung. Dieses Hormon verringert Stress und stärkt die Bindung zwischen Mutter und Kind.
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