Das neue Coronavirus – dreimal täglich eine Dosis Vernunft

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ÄRZTE.DE Gesundheitsratgeber Themenwoche zu Covid-19

Teil 1: Das neue Coronavirus – dreimal täglich eine Dosis Vernunft

Mit Stand des 2. März 2020 meldet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) 88.913 bestätigte Fälle einer Infektion mit dem neuen Coronavirus. Sie erstrecken sich über 62 Staaten. 3.043 Menschen hat das Virus namens SARS-CoV-2 bis heute bereits das Leben gekostet. In Deutschland sind mit Ende des vergangenen Wochenendes nun 129 Fälle zu verzeichnen.

Dieser sprunghafte Anstieg der Ansteckungen ist völlig zurecht besorgniserregend, Vernunft sollte aber weiterhin unser Verhalten bestimmen. Alle bereits ausgesprochenen Handlungsempfehlungen behalten auch mit wachsenden Patientenzahlen ihre Gültigkeit.

Was ist Covid-19?

Das Virus SARS-CoV-2 ist das dritte Coronavirus welches innerhalb von kurzer Zeit von Tieren auf Menschen überging. Vergleiche mit den beiden Vorgängern Sars und Mers zeigen, dass die aktuelle Version zwar vermutlich viel weniger Todesfälle haben wird, aber fast genauso ansteckend ist. Wer sich noch an Sars von 2003 erinnern kann, weiß vielleicht auch, dass dieses gefährliche Virus damals nur knapp aufgehalten wurde. Insgesamt sind evidente Informationen immer noch Mangelware und kaum einer weiß, wie schlimm die Epidemie wirklich ist. Nach wie vor sind fast 99 % der infizierten Patienten Chinesen.

Zur Lage in Deutschland zeigen sich die Prognosen bislang verhalten positiv. Keiner der Fälle führte zu weiteren Ansteckungen – das deutsche Melde- und Kontrollsystem scheint zu wirken. Es erhöht die Möglichkeit Kranke zu isolieren bevor sie andere anstecken können. Laut Infektionsschutzgesetz müssen alle medizinischen Einrichtungen bestimmte Krankheiten melden. Die Information des Gesundheitsamtes geht anschließend weiter an Landesbehörden und das Robert-Koch-Institut. Das sorgt dafür, dass ein Ausbruch einer meldepflichtigen Krankheit schnell erkannt werden und Maßnahmen ergriffen werden können.

Der Erreger dieser meldepflichtigen Krankheit namens Covid-19 wurde bereits ausführlich analysiert. Die Ergebnisse bestätigten, was den meisten Fachleuten bereits vorher klar war: Es handelt sich um ein Fledermausvirus, das die gleichen Rezeptoren wie schon Sars nutzt, um in eine Zelle zu gelangen. Was auf den ersten Blick nicht so klingt, ist eine gute Nachricht, denn das erhöht die Chance, dass die bewährten Medikamente und Vakzine auch bei Covid-19 helfen könnten.

Wie ansteckend ist das Coronavirus 2019-nCoV?

Das Virus SARS-CoV-2 ist Teil der Gruppe der sarsähnlichen Coronaviren. Anders als seine beiden Vorgänger ist diese Lungenkrankheit schneller in den Ländern der Welt verbreitet worden. Das liegt unter anderem auch daran, dass die Gefahr sich im Alltag anzustecken, höher ist. Warum ist das so?

Patienten, die sich mit dem neuen Coronavirus infiziert haben, sind schneller ansteckend. Während die Betroffenen des Sars Virus eher auf dem Höhepunkt ihrer Erkrankung zur Gefahr für andere wurden, sind Infizierte nun schneller ansteckend. SARS-CoV-2 verursacht insgesamt eher mildere Infektionen, die aber für eine Ansteckung bereits ausreichen, wie deutsche Experten mitteilen. Das führe demnach allerdings auch dazu, dass viele symptomschwache oder symptomlose Menschen in den Statistiken gar nicht auftauchen.

Mittlerweile zielen die Maßnahmen der internationalen Behörden vor allen Dingen auf zweierlei ab:

 

Strategie gegen Covid-19

 

Zur Sterblichkeitsrate dieses Virus lassen sich auch drei Monate nach dessen Ausbruch nur Vermutungen anstellen. Da, wie oben schon erwähnt, viele infizierte Menschen gar nicht in den Statistiken Erwähnung finden, muss von einer erheblichen Dunkelziffer ausgegangen werden. Chinesische Behörden etwa rechnen lediglich die Menschen in ihre Fallzahlen ein, die auch deutliche Symptome aufweisen. Ganz zu schweigen von jenen Fällen, in denen kein Arzt aufgesucht wurde.

Welche Symptome hat Covid-19?

Erste Symptome der Lungenkrankheit Covid-19 äußern sich nach einer Inkubationszeit von zwei bis 14 Tagen. Aber auch dann kann es sein, dass Patienten, wenn überhaupt, nur leichte Erkältungssymptome wie Frösteln oder Halsschmerzen verspüren. Andere haben da schon mehr zu kämpfen, denn auch Fieber, Husten, Atemprobleme oder Kopfschmerzen können auftreten.

Nach wie vor gilt: Sollten Sie ein allgemeines Krankheitsgefühl oder eines/mehrere dieser Symptome verspüren, rufen Sie bitte ERST den Hausarzt an. Meist kann bereits am Telefon ein weiteres Vorgehen besprochen oder ein Termin außerhalb der Sprechzeiten gefunden werden. So kann eine Gefährdung Dritter ausgeschlossen werden.

Wie kann ich mich schützen?

Jeder Mensch kann dazu beitragen, dass sich SARS-CoV-2 nicht weiter ausbreitet. Das ist das erste Gebot in der Frage zu Schutz vor Ansteckung. Übersprungshandlungen helfen dahingegen niemandem. Wer sich also weiterhin an diese Regeln hält, hat alles richtig gemacht:

  • Sehr gute Handhygiene – Seife wirkt! Desinfektionsmittel haben nicht zwangsläufig höheren Schutz, zumal die meisten nicht vor Viren schützen

  • In den Ellenbogen niesen und husten

  • Abstand zu Erkrankten

  • Papiertaschentücher verwenden - nur einmal und anschließend sofort in geschlossenen Behälter entsorgen

  • Handelsüblicher Mundschutz - auch aus der Apotheke - schützt nicht vor einer Virusinfektion

 

Wann kommt ein Impfstoff?

Wissenschaftler arbeiten unter Hochdruck an einem wirksamen Impfstoff gegen SARS-CoV-2. Während das in der Regel mehrere Jahre in Anspruch nehmen kann, sollen spezielle Verfahren diesmal das Verfahren beschleunigen. Bereits 2015 konnte innerhalb eines dreiviertel Jahres ein wirksamer Impfstoff gegen das Zika-Virus entwickelt werden. Unvorhersehbare Hürden auf dem Weg zu einem brauchbaren Vakzin können dessen Testreife aber immer wieder herauszögern.