Lichttherapie bei Depression

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Die Lichttherapie, auch als Phototherapie bezeichnet, ist eine Behandlung, bei der Sie sich einer künstlichen Lichtquelle, meist in Form einer Tageslichtlampe, aussetzen.

Die Therapie dient in erster Linie der Behandlung einer Winterdepression (Winterblues), die auch als saisonal abhängige Depression (SAD) bezeichnet wird. Dabei handelt es sich um eine Form der Depression, die zu einer bestimmten Jahreszeit auftritt - in der Regel im Herbst und Winter, wenn  das geringe Tageslicht zu einem Lichtmangel sowie einer Störung des Tag-Nacht-Rhythmus führt und unser Gemüt darunter leidet.

Lichttherapie kann darüber hinaus auch zur Behandlung anderer Erkrankungen eingesetzt werden, darunter Schlafstörungen und andere Arten von Depressionen, z. B. Major Depression.

In diesem Artikel geht es darum,

  • wie Lichtmangel eine Depression begünstigen kann,
  • welche Wirkung Tageslichtlampen auf unsere psychische Gesundheit haben können,
  • wie gut die Wirksamkeit einer Lichttherapie bei einer (Winter)-Depression ist,
  • welche Nebenwirkungen durch die Lichttherapie auftreten können
  • und was bei der Anwendung und Durchführung zu beachten ist.

Mehr zum Thema Depressionen, Angststörungen und Erfahrungen zu möglichen Therapien findest du übrigens auf dem Blog Mein Weg aus der Angst.

Wie Lichttherapie zur Behandlung von Depressionen funktioniert

Wenn die Tage kürzer und die Nächte länger werden, reagiert unser Körper darauf mit einer verstärkten Melatonin-Produktion. Dadurch kommt es zu einem erhöhten Melatonin-Spiegel, was müde macht, das Schlafbedürfnis steigert und Heißhunger fördert - und zu einem sinkenden Serotonin-Spiegel, was depressive Symptome wie Antriebslosigkeit begünstigen kann.

Die Rolle von Melatonin und Serotonin

Tageslicht oder Licht von Tageslicht-Lampen kann dem entgegenwirken. Denn Tageslicht ist für unsere Zirbeldrüse das Signal, Melatonin in Serotonin umzuwandeln.

Die Forschung zur Lichttherapie hat gezeigt, dass sie:

  • auf Ihre biologische Uhr einwirkt, indem sie den 24-Stunden-Zyklus Ihres Gehirns (auch zirkadianer Rhythmus oder Schlaf-Wach-Rhythmus genannt) anpassen kann.
  • die Aktivierung der Serotonin-Schaltkreise in Ihrem Gehirn ausgleichen kann, die eine Schlüsselkomponente bei der Stimmungsregulierung sind.
  • zu einem stabilen und beständigen Schlafverhalten beiträgt.
  • die Wachsamkeit erhöhen kann.

Keinen Einfluss auf Vitamin D

Eine Tageslichtlampe hat übrigens keine Auswirkung auf den Vitamin-D-Spiegel. Denn die Vitamin-D-Produktion wird nur durch UV-B-Strahlung (nicht UV-A) stimuliert.

Inwieweit die Lichttherapie bei Ihnen wirkt, hängt von der Wellenlänge des Lichts, der Dauer, der Intensität, der korrekten Anwendung und Ihren persönlichen zirkadianen Rhythmen ab.

Zirkadiane Rhythmen sind Zyklen wichtiger Körperfunktionen, die in einem 24-Stunden-Zyklus ablaufen und sich auf Hormone, Schlafzeiten und Essgewohnheiten auswirken können.

Was die Lichttherapie bewirken kann

Die Lichttherapie kann den Mangel an Sonnenlicht ausgleichen, der zu einer schweren depressiven Störung mit saisonalen Mustern beitragen kann.

Während einer Sitzung machen Sie es sich in der Nähe einer Tageslichtlampe bequem, die helles Licht ausstrahlt. Der Kasten oder die Lampe ahmt in der Regel das natürliche Sonnenlicht nach,  es kann aber Unterschiede zwischen den Geräten der verschiedenen Hersteller geben.

Die Standardleistung eines Lichttherapiekastens liegt im Bereich von 2.500 Lux-10.000 Lux, wobei Lux das Maß für die Helligkeit des Lichts ist.

Idealerweise 10.000 Lux oder mehr

Die Behandlungen beginnen in der Regel im Herbst und halten bis zum Frühjahrsbeginn an. Die Dauer einer Sitzung hängt davon ab, wie gut Sie mit der Behandlung zurechtkommen und wie stark die Tageslichtlampe ist.

In den Richtlinien für eine typische Lichttherapie wird in der Regel empfohlen, mit 10.000 Lux für 30 Minuten jeden Morgen zu beginnen. Stiegen Sie  neu in diese Methode ein, benötigten Sie  möglicherweise kürzere Anfangsbehandlungen. Je stärker die Tageslichtlampe ist, desto kürzer kann die Behandlungssitzung sein.

Nebenwirkungen einer Lichttherapie

Manche Menschen sollten die Lichttherapie nicht anwenden, das gilt insbesondere für Personen, die:

  • an Krankheiten leiden, die die Augen empfindlich gegen Licht machen.
  • Medikamente einnehmen, die die Lichtempfindlichkeit erhöhen,  z. B. einige Antibiotika oder Antipsychotika,.

Außerdem sollten Sie vor der Lichttherapie einen Arzt konsultieren, wenn Sie unter einer der folgenden Erkrankungen leiden:

  • empfindliche Haut
  • Augenleiden
  • Hautkrebs in der Vorgeschichte

Bei manchen Menschen kann es durch die Lichttherapie zudem zu Euphorie oder Reizbarkeit kommen. Dann sollten Sie die Anwendung abbrechen und mit einem Arzt sprechen

  • Weitere mögliche Nebenwirkungen der Lichttherapie sind:Kopfschmerzen
  • Überanstrengung der Augen
  • Unruhe
  • Reizbarkeit
  • Probleme beim Schlafen
  • Müdigkeit
  • Verschwommene Sicht

Um sie zu beheben, reicht es oft Dauer, Intensität oder den Zeitpunkt der Sitzungen anzupassen. Vermeiden Sie es, die Lampe vor dem Schlafengehen zu benutzen, um Schlaflosigkeit vorzubeugen, und stellen Sie den Lichtkasten weiter von sich weg, um Augenschmerzen und Kopfschmerzen zu vermeiden.

Vorteile der Lichttherapie

Der größte Vorteil der Lichttherapie ist natürlich die mögliche  Verbesserung der Depressionssymptome. Sie ist bringt aber noch weitere Vorzüge mit.

Die Lichttherapie ist:

  • Leicht zugänglich. Die Behandlung kann zu Hause mit gemieteten oder gekauften Tageslichtlampen durchgeführt werden.
  • Nicht-invasiv. Sie ist eine Alternative oder Ergänzung zu medizinischen Maßnahmen wie Medikamenten, wird aber nicht innerlich eingenommen.
  • Sicher. Obwohl es einige mögliche Nebenwirkungen gibt, insbesondere bei falscher Anwendung der Lampe, ist die Lichttherapie im Allgemeinen sicher und risikoarm.
  • Bequem. Sie können eine Lichttherapie-Lampe zu Hause verwenden, während Sie lesen oder frühstücken. Sie können die Lichttherapie auch für ein paar Tage unterbrechen, ohne dass es zu unerwünschten Wirkungen oder einer Rückkehr der Symptome kommt.
  • Mit wenigen oder nur leichten Nebenwirkungen verbunden. Die meisten Nebenwirkungen der Lichttherapie, wie Kopfschmerzen, Schwindel oder Übelkeit, lassen sich vermeiden, wenn Sie die Sitzungen entsprechend anpassen.

Die Lichttherapie kann auch über die saisonal bedingte Depression hinaus eingesetzt werden. Vor dem Start einer  neuen Therapie sollten Sie aber immer mit Ihrem Arzt darüber sprechen.

Nachteile der Lichttherapie

Die negativen Aspekte der Lichttherapie sind die Nebenwirkungen und Komplikationen, die auftreten können. Dazu gehören:

  • Kopfschmerzen
  • Schlaflosigkeit
  • Müdigkeit
  • Überanstrengung der Augen
  • Euphorie
  • Reizbarkeit

Die Kosten für eine Lichttherapie-Lampe werden möglicherweise nicht von der Versicherung übernommen, selbst wenn Ihr Arzt sie verschrieben hat. Das kann für manche Menschen ein Hindernis sein.

Zudem braucht es Zeit - mindestens ein paar Tage, um mit einer Lichttherapielampe Ergebnisse zu erzielen,. Für den größten Nutzen sollte die Lampe idealerweise zur gleichen Zeit benutzt werden, insbesondere dann, wenn auch Schlafstörungen vorliegen.

Was die Forschung zur Lichttherapie sagt

Die Lichttherapie kann sowohl als eigenständige als auch als zusätzliche Behandlung eingesetzt werden.

Die meisten Forschungsarbeiten konzentrieren sich auf die Lichttherapie zur Behandlung saisonal bedingter Depressionen.  In der akademischen Forschung wird sie inzwischen vermehrt bei anderen Erkrankungen eingesetzt, etwa anderer Stimmungsstörungen und Schlafstörungen.

Lichttherapie in Kombination mit Psychotherapie oder Medikamenten

Dr. Carl Vincent, Psychologe in Moline, Illinois, schlägt vor, die Lichttherapie zusammen mit anderen Behandlungen wie Psychotherapie oder einer medikamentösen Behandlung einzusetzen.

"Die Idee ist, dass sie als ergänzende Therapie eingesetzt werden könnte", sagt Vincent. "Zusätzlich zur Behandlung sollten Menschen, die in den Wintermonaten unter Depressionen leiden, versuchen, sich mehr zu bewegen. Der Winter ist eine Zeit, in der die Menschen dazu neigen, sich weniger zu bewegen, doch mehr Bewegung kann die Stimmung verbessern."

Eine 2016 durchgeführte Studie mit 122 Teilnehmern, die an Depressionen litten, ergab, dass die Lichttherapie - entweder allein oder in Kombination mit dem Antidepressivum Fluoxetin (Prozac) - die Depressionssymptome wirksam verbessern kann.

Lichttherapie bei Bipolarer Störung

Eine Studie aus dem Jahr 2017 mit Menschen mit bipolarer I- oder II-Störung ergab, dass die Lichttherapie die Remissionsraten bei Depressionen verbesserte und die Depressionsraten über einen Zeitraum von 6 Wochen senkte. Die Lichttherapie war eine Ergänzung zur Behandlung der bipolaren Störung, und die Forscher beobachteten keine Veränderungen der Stimmungspolarität.

Wie man eine Lichttherapie zu Hause durchführt

Bevor Sie mit der Lichttherapie beginnen, sollten Sie mit einem Arzt oder einem Psychotherapeuten sprechen. Die Lichttherapie kann Wechselwirkungen mit anderen Behandlungen haben, die Sie derzeit einnehmen, z. B. mit Medikamenten.

Sobald Sie das Einverständnis Ihres Arztes haben, können Sie mit der ersten Sitzung beginnen. Beachten Sie dabei unbedingt die Anweisungen des Herstellers der Tageslichtlampe.

Ein Licht mit geringerer Intensität erfordert möglicherweise eine längere Belichtungszeit - das heißt, Sie müssen länger vor der Lampe sitzen. Die Anleitung kann Ihnen auch dabei helfen, spezifische Risiken und Gefahren für die Marke des Lichts zu erkennen.

Anleitung zur Durchführung

Um eine Lichttherapie-Lampe mit einer Intensität von 10.000 Lux zu verwenden, gehen Sie folgendermaßen vor:

  1. Stellen Sie die Lampe auf eine Theke, einen Schreibtisch oder eine andere Oberfläche.
  2. Setzen oder stellen Sie sich gemäß den Anweisungen des Herstellers im richtigen Abstand zur Lampe.
  3. Halten Sie Ihre Augen offen und schlafen Sie während der Lichttherapie nicht.
  4. Starren Sie nicht direkt auf den Leuchtkasten oder die Lampe.
  5. Beginnen Sie mit einer 30-minütigen Bestrahlung pro Tag.
  6. Planen Sie die Lichttherapie-Sitzungen so bald wie möglich nach dem Aufwachen ein, idealerweise zwischen 6:00 und 9:00 Uhr morgens.

Sie können diesen Zeitplan und die Dauer der Sitzungen je nach Ihrem Befinden anpassen. Sie können auch versuchen, sich die Zeit vor dem Lichtkasten mit einer Tätigkeit wie dem Lesen eines Buches oder Arbeiten zu vertreiben, solange Sie das Licht noch vor sich haben.

Wie lange dauert es, bis die Lichttherapie bei Depressionen wirkt?

Bei vielen Menschen wirkt die Lichttherapie bereits nach wenigen Tagen.

Die Symptome der Depression sollten sich innerhalb von etwa 2 Wochen verbessern. Wenn dies nicht der Fall ist, können Sie die Zeit, die Sie vor einer 10.000-Lux-Lampe verbringen, auf 60 Minuten pro Tag erhöhen. Sollte auch das nicht zum gewünschten Erfolg führen, sprechen Sie mit Ihrem Arzt das weitere Vorgehen ab.

Wenn Sie feststellen, dass die Lichttherapie bei Ihnen wirkt, können Sie Ihre Routine ändern. Sie können zum Beispiel die Zeit vor der Lampe auf 15 Minuten reduzieren oder sie auf eine andere Tageszeit legen.

Sie können auch ein oder zwei Tage lang eine Pause von der Lichttherapie einlegen. Die meisten Menschen mit saisonal bedingten Depressionen, setzen die Lichttherapie jedoch auch im Winter (oder an Tagen, an denen weniger Sonnenlicht verfügbar ist) regelmäßig fort, um ein Wiederauftreten der Symptome zu verhindern.

Fazit: ideal bei Herbst-Winter-Depressionen

Die Lichttherapie kann zur Behandlung von saisonal abhängigen depressiven Störungen, Schlafstörungen und anderen Arten von Depressionen eingesetzt werden.

Sie ist häufig wirksam, möglicherweise aufgrund der Auswirkungen auf Ihren zirkadianen Rhythmus und den Serotoninspiegel im Gehirn.

Die Lichttherapie kann verschiedene Nebenwirkungen haben, aber die meisten davon sind mild und können vermieden werden. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wenn Sie glauben, dass die Lichttherapie eine gute Behandlungsmöglichkeit für Sie sein könnte.