Faszientraining – nur ein Hype oder langfristiger Gesundheitstrend?

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Ist Ihnen in den letzten Jahren auch immer öfter der Begriff Faszien begegnet? Ob im Fitnessstudio oder beim Physiotherapeuten, viele setzen auf die vermeintlich positive Wirkung des Faszientrainings. Besonders die Faszienrolle hat sich dabei in den letzten Jahren zu einem Kassenschlager entwickelt. Mithilfe der Hartschaumrolle soll jedermann eigenständig die Faszien ausrollen und damit die Beweglichkeit fördern sowie Schmerzen und Erkrankungen der Muskeln und Gelenke mildern oder vorbeugen können. Was genau steckt hinter dem Trend und wie ist die wissenschaftliche Meinung dazu?

Was sind Faszien?

Der Erforschung der Faszien und welche Rolle sie im menschlichen Körper spielen, wurde jahrelang wenig bis keine Beachtung geschenkt. Zu sehr hing dem Bindegewebe das Stigma des Füllmaterials nach. In den letzten Jahren sind sie jedoch immer mehr in den Fokus gerückt, um die Frage zu beantworten, was Faszien eigentlich sind.

Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass sie mehr sind als reines Füllmaterial, denn sie umhüllen und stützen alle Muskeln und Organe im Körper, wodurch diese vor vielen Verletzungen geschützt wird.
Weiterhin unterstützen sie den Körper bei der alltäglichen Fortbewegung und enthalten viele Nervenenden. Diese nehmen Schmerzen wahr und schicken Informationen über Bewegungen und die Funktion von Organen an das Gehirn.

Wenn Faszien gesund sind, liegen sie geordnet und entspannt, halten den Körper innerlich zusammen und übertragen Kräfte auf die Muskulatur. Sie sorgen für Elastizität, Geschmeidigkeit, Spannkraft und Festigkeit im gesamten Körper.

Bekannte Probleme sind das Verkleben oder Verhärten des Bindegewebes, was Schmerzen und Unbeweglichkeit zur Folge haben kann. Um diese zu beheben, sollen ein spezielles Faszientraining oder die Verwendung einer Faszienrolle helfen.

Was soll ein Faszientraining bewirken?

Mangelnde Bewegung und eine eingefallene Körperhaltung können dazu führen, dass die Faszien verkleben. Daraus kann sich eine mangelnde Verschiebbarkeit der Faszien entwickeln, was beispielsweise Rückenschmerzen zur Folge haben kann.
Regelmäßige Bewegung, Dehnübungen und die Nutzung einer Faszienrolle sollen diesem Umstand entgegenwirken und das Bindegewebe stärken.

Allgemein wird die Wirkung des Faszientrainings wie folgt beschrieben:

  • Leistungssteigerung und verbesserte Regeneration
  • Aktivierung körperlicher Selbsthilfemechanismen, wodurch die Faszien besser schützen, stützen und stabilisieren sollen
  • Problemfelder des Körpers, wie etwa häufige Schmerzen im Rückenbereich, sollen therapiert werden

Um ein ausgewogenes Faszientraining durchzuführen, welches das Bindegewebe geschmeidig hält, hat der Faszienforscher Dr. Robert Schleip von der Universität Ulm die vier Säulen des Faszientrainings definiert:

Die vier Säulen des Faszientrainings

Welche Wirkung soll eine Faszienrolle für das Faszientraining haben?

Die Faszienrolle zählt in ihrer Funktion zum Bereich des „Myofascial Release“. Laut der Deutschen Gesellschaft für Myofascial Release e. V. handelt es sich dabei um eine therapeutische Einzelbehandlung des Körpers. Ziel einer Anwendung ist es, tief sitzende Einschränkungen des Bindegewebes zu beheben und mithilfe des Fasziennetzwerks den gesamten Organismus positiv zu beeinflussen.
Die Faszienrolle soll dabei die Verschiebbarkeit und Beweglichkeit der Faszien verbessern und die Gelenke entlasten.

In der Art der Anwendung dient die Schaumstoffrolle der Selbstmassage. Hersteller dieser Rollen werben damit, dass sie günstige Effekte im Bereich der Mobilisierung,Aktivierung und Regeneration haben soll. Ebenso soll sie bei der Wiederherstellung der schmerzfreien Bewegung helfen und das Ausgleichen von Disbalancen in der Körperhaltung fördern.

Ist die Faszienrolle mehr als ein andauernder Hype?

In der wissenschaftlichen Schmerztherapie ist die Rolle der Faszienrolle bisher nicht von großer Bedeutung gewesen. Ein Grund dafür ist, dass die genauen Effekte zum aktuellen Zeitpunkt wissenschaftlich nicht gesichert sind. Das liegt unter anderem auch daran, dass die Faszien bis vor wenigen Jahren mit bildgebenden Verfahren noch nicht erfasst werden konnten und die Auswirkung auf den Körper erst seit einigen Jahren erforscht werden. Aktuelle Studien, die sich mit der Wirksamkeit der Faszienrolle oder ähnlicher Therapien beschäftigen, sind noch sehr selten.

Die bisher veröffentlichten Ergebnisse geben zu Protokoll, dass:

  • Faszienrollen einen kurzzeitigen, positiven Einfluss auf die Gelenkbeweglichkeit haben können
  • Faszientraining einen Beitrag zu einer erhöhten Flexibilität und weniger Muskelkater leisten kann

Dennoch warnen einige Experten, aufgrund der bisher seichten Faktenlage, vor möglichen Nebenwirkungen. Besonders Personen mit Venenschwäche, Thrombose, Krampfadern, Durchblutungsstörungen und Menschen die regelmäßig Blutverdünner einnehmen müssen, sollten die Faszienrolle nur nach Absprache mit dem behandelnden Arzt verwenden.