Bouldern – mehr als nur Klettern

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In ganz Deutschland entstehen aktuell neue Kletterhallen. Für viele Betreiber liegt der Fokus dabei jedoch nicht auf dem klassischen Klettern mit Seil, sondern auf einer Abwandlung davon: dem Bouldern. Denn Bouldern ist die Trendsportart der letzten Jahre und begeistert Menschen deutschlandweit. Die Sportart ist aber mehr als reine körperliche Bewegung. Sie ist ein effektives Ganzkörpertraining und sogar Therapiemöglichkeit bei psychischen Erkrankungen.

Was ist Bouldern?

Der Begriff Bouldern ist abgeleitet vom englischen Wort ‚boulder‘, dem Felsblock. Dabei handelt es sich um Klettern ohne Seil an Felswänden im Freien oder in speziell dafür ausgestatteten Boulderhallen. Im Vergleich zum Klettern mit Seil befindet sich die bouldernde Person zu jeder Zeit in einer Absprunghöhe von bis zu 4 Meter. Ein weicher Untergrund in der Halle oder spezielle Matten für die Nutzung in der Natur sorgen dafür, dass sowohl bei einem geplanten Absprung, als auch einem Sturz die Landung so weich und sicher wie möglich gestaltet ist.

Neben der durchaus gängigen Definition „Klettern ohne Seil in Absprunghöhe“, kann Bouldern ebenfalls als „Bewegungsrätsel an der Wand“ bezeichnet werden. Während Einsteigerrouten meist kein großes Problem darstellen, werden die Herausforderungen mit jeder neuen Schwierigkeitsstufe komplexer und erfordern mehr Zeit, Versuche und vorausschauendes Klettern. Dadurch benötigen Bouldernde ab einem gewissen Level eine Mischung aus Beweglichkeit, Kraft und voller Konzentration.

Bouldern ist ein Training für den ganzen Körper

Neben dem sportlichen Aspekt ist Bouldern auch ein effektives ganzheitliches Krafttraining für den gesamten Körper. Das liegt besonders an der Mischung aus ausgewogener Belastung mit teilweise komplexen Bewegungen. Auch wenn Arme, Finger und Schultern während einer Route stark belastet werden, kommt der Erfolg beim Bouldern aus dem Zusammenspiel verschiedener Muskelgruppen. Bereits nach einigen regelmäßigen Bouldersessions können Einsteiger eine ganzheitliche, positive, Entwicklung der Muskulatur feststellen. Um in diesem Sport Fortschritte zu machen und eine Route zu meistern ist ein Zusammenspiel von Armen, Schultern, Rumpf, Bauch, Beinen und Rücken notwendig.

Der Rumpfmuskulatur kommt dabei dennoch eine besondere Rolle zu. Sie dient als Bindeglied zwischen Armen und Beinen und übertragt die beim Klettern auftretenden Kräfte auf die Extremitäten. Zusätzlich ist sie dafür verantwortlich, dass der Körper in verschiedenen Positionen seine Stabilität nicht verliert. Regelmäßiges Bouldern kann deshalb

  • die Kondition verbessern
  • Muskelkraft und -spannung aufbauen
  • die Augen-Fuß-Hand-Koordination steigern
  • die räumliche Orientierung steigern
  • das Gleichgewicht stärken

Erfolgreiche Therapiemethode bei Depressionen

Neben den positiven Auswirkungen auf die körperliche Fitness und die muskuläre Entwicklung kann Bouldern auch als Therapiemethode bei Depressionen eingesetzt werden.
Schon lange ist bekannt, dass sportliche Aktivität ein wirksames Mittel bei der Therapie depressiver Menschen sein kann. Um festzustellen, ob diese Erkenntnis auch auf den Bouldersport übertragbar ist, hat die Universitätsklinik Erlangen bereits zwischen 2013 und 2015 eine Pilotstudie zu diesem Thema durchgeführt. Das dafür verantwortliche Team konnte dabei nachweislich Erfolge beim Einsatz von Bouldern gegen depressive Erkrankungen erkennen.

In einer groß angelegten Folgestudie, die in mehreren Regionen Deutschlands durchgeführt wurde, haben die Forscher ihre bisherigen Erkenntnisse weiter untersucht und überprüft. Ziel war es, festzustellen wie ihr neuer Therapieansatz sich im Vergleich zu den aktuell gängigen Therapieverfahren, wie der verhaltenstherapeutischen Depressionsbewältigungsgruppe, abschneidet.
Das Studienergebnis zeigt, dass Bouldern als Therapie bei Depressionen vergleichbar gute Ergebnisse erzielt und deshalb eine sinnvolle Erweiterung im Behandlungsportfolio depressiver Erkrankungen darstellen kann.

Jeder kann Bouldern lernen

Egal ob als Therapie für Depressionen oder zum Ausgleich in der Freizeit, Bouldern ist eine Sportart, die für jede Person schnell zu erlernen ist. Durch die Möglichkeit Zeit und Schwierigkeitsstufe selbst zu bestimmen ist sie unabhängig von Alter, Geschlecht, Größe oder Gewicht. Ein weiterer Vorteil ist, dass zum Einstieg keinerlei Vorerfahrung oder eine ausgeprägte Kondition nötig sind. Nur Höhenangst sollten Neueinsteiger nicht haben.

Während bei anderen Sportarten zunächst verschiedene Grundlagen erlernt werden müssen, benötigen Interessierte zu Beginn lediglich eine Sporthose. Die passenden Schuhe sowie das Magnesium um die Griffigkeit der Hände an den Kletterelementen zu erhöhen, können in der Boulderhalle geliehen werden.