Arztphobie: Der richtige Umgang mit Angstpatienten

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Wir haben Angst vor dem Unbekannten, vor Schmerzen oder vor Kontrollverlust. Manchmal schämen wir uns auch für unseren Körper oder unsere Schwäche. Oder wir fürchten, dass sich eine schlechte Erfahrung wiederholen könnte. Angst ist menschlich und tief in unserer Evolution verwurzelt. Kein Wunder also, dass Sie auch viele Patient*innen bei einem Arztbesuch trifft.

Angst vor dem Arzt – häufiger als gedacht

Nicht jeder Patient, der durch die Praxistür kommt, hat Angst. Die meisten spüren aber doch Unsicherheit. Schon allein die Sorge, krank zu sein, macht nervös. Hinzu kommt, dass Patient*innen oft nicht wissen, was sie genau erwartet. Gleichzeitig sollen sie die Kontrolle abgeben und ihre Gesundheit anderen anvertrauen. Der Arztbesuch ist deshalb in vielen Fällen eine Herausforderung.

Freundliches, zuvorkommendes Praxispersonal, eine angenehme Atmosphäre und Verständnis für die Situation können den meisten Betroffenen schon viel von ihrer Unsicherheit nehmen. Einige Angstpatienten brauchen allerdings zusätzliche Unterstützung.

Woran erkennen Sie Angstpatienten in Ihrer Praxis?

Manchmal erzählen Patient*innen schon bei der Terminvereinbarung von einer Phobie oder ihrer Angst vor dem Arztbesuch. Nicht jeder kann aber so offen damit umgehen. Deshalb sollten Sie und Ihre Mitarbeiter*innen auf Anzeichen dafür achten; besonders beim ersten Besuch in der Praxis oder bei größeren Untersuchungen.

Dabei kann es hilfreich sein, schon auf dem Anmeldebogen nach Ängsten und Befürchtungen zu fragen. Denn in den seltensten Fällen erkennen Sie Angstpatienten an äußeren Merkmalen wie Zittern oder starkem Schwitzen. Stattdessen sind viele in sich gekehrt, wirken teilnahmslos oder versuchen verzweifelt, sich nichts anmerken zu lassen. Deshalb sollten Sie gleich zu Beginn das Gespräch suchen. Eine kurze Unterhaltung über die bevorstehende Behandlung und die Erwartungen der Patient*innen hilft Ihnen, die Situation einzuschätzen. So können Sie auf Ängste und Phobien eingehen und die Situation erträglicher machen.

Der richtige Umgang mit Angstpatienten in der Praxis

Ob nun die Diagnose „Arztphobie“ vorliegt oder nicht, alle Patient*innen haben gute Gründe, Angst vor einem Arztbesuch zu haben. Das können schlechte Erfahrungen, aber auch die Erwartung von Schmerzen oder einfach der allgemeine Kontrollverlust sein. Versuchen Sie also, sich in die Betroffenen hineinzuversetzen. Auf keinen Fall sollten Sie die Ängste kleinreden oder absprechen. Fühlen sich Angstpatient nicht ernstgenommen, kann es sein, dass sie einfach wieder gehen. Stattdessen sollten Sie Sicherheit vermitteln und den Arztbesuch für sie erleichtern.

Den Elefanten im Raum benennen

Viele Ängste werden kleiner, wenn wir darüber sprechen. Deshalb sollten Sie auch mit Angstpatient*innen über ihre Befürchtungen sprechen. Fragen Sie etwa nach den Gründen für die Anspannung. Das gibt Ihnen auch die Gelegenheit, darauf einzugehen und Behandlungen oder Untersuchungen eventuell anzupassen.

Ruhe ausstrahlen

Ist Ihr Gegenüber ängstlich, ist es besonders wichtig, dass Sie ruhig und gelassen bleiben. Das vermittelt Sicherheit. Zudem orientieren wir uns in unserem Verhalten oft an den Menschen in der Umgebung. Schon indem Sie Ruhe ausstrahlen, können Sie viel Angst nehmen.

Einen reibungslosen Ablauf gewährleisten

Angstpatient*innen kostet der Besuch in Ihrer Praxis viel Kraft. Deshalb ist es besonders wichtig, sie eng zu begleiten. Lassen Sie Betroffene nicht zu lange warten, weder im Wartezimmer noch im Sprech- oder Behandlungsraum. Zeigen Sie ihnen lieber persönlich den Weg, anstatt sie mit Anweisungen oder Zimmernummern zu überfordern. Wenn einmal klar ist, was während des heutigen Termins passieren soll, sollten Sie Untersuchungen oder Behandlungen zudem zügig und möglichst ohne Unterbrechung durchführen.

Langsam an die Situation heranführen

Für Sie sind alle Abläufe in der Praxis Alltag. Für die Patient*innen sind sie dagegen meist unbekannt und völlig neu. Angstpatient*innen sollten Sie deshalb immer genau erklären, was geplant ist. Das beginnt schon mit dem ersten Kontakt am Empfang. Geht es heute nur um ein Gespräch? Soll eine Behandlung durchgeführt werden? Wie lange dauert der Arztbesuch etwa? Je mehr Details die Patient*innen wissen, desto sicher können sie sich fühlen.

Nutzen Sie bei den Gesprächen zudem eine möglichst einfache Sprache ohne Fachbegriffe. Die Angst stört die Konzentration und kann schlimmstenfalls für noch mehr Unsicherheit sorgen.

Erklären, was gerade passiert

Untersuchungen und Behandlungen sind für viele Angstpatient*innen besonders beängstigend. Denn dafür müssen sie die Kontrolle vollkommen abgeben. Oft können sie nicht mal genau sehen, was gerade passiert. Deshalb sollten Sie auch dabei immer genau erklären, was sie gerade machen. Erläutern Sie die Handgriffe sachlich und seien sie dabei ehrlich. Ist etwas unangenehm oder verursacht Schmerzen, sollten Patient*innen das wissen. Gut gemeinte Lügen zerstören nur das mühsam aufgebaute Vertrauen.

Für Ablenkung sorgen

Alles, was von der Angst ablenkt, ist erlaubt. Das können die Zeitschriften im Wartezimmer sein, angenehme Musik oder ein Film, der auf einem großen Bildschirm gegenüber vom Behandlungsstuhl läuft. Machen Sie sich am besten schon bei der Ausstattung Ihrer Praxis Gedanken, welche Ablenkung Ihren Patient*innen helfen könnte. Vielleicht haben auch die Betroffenen selbst eine Idee. Manche bringen vielleicht ein Buch mit oder hören gerne Musik. Manchmal kann auch eine Begleitperson Angstpatient*innen unterstützen. Alles, was Ihre Arbeit und die anderen Patient*innen nicht stört, sollte erlaubt sein.

Wünschen entgegenkommen

Gegen die Angst hilft oft Kontrolle. Machen Sie am besten von Anfang an klar, dass Sie gerne auf Wünsche von Angstpatient*innen eingehen. Schon Kleinigkeiten wie ein Termin gleich morgens, wenn nicht so viel los ist, ein Gespräch in einem neutralen Raum oder eine Tasse Kaffee, bevor es losgeht, können den Unterschied machen.
Kommunizieren Sie zudem klar, dass Ihre Praxis offen für Angstpatient*innen ist und das Sie Betroffene gerne durch ihre Ängste begleiten; auch wenn das vielleicht mehr Termine oder erst mal ein unverbindliches Kennenlernen beinhaltet.