Wann wird aus gemeinsam mit Freunden anstoßen, eine Sucht? - © Monkey Business Fotolia
Dr. med. Dieter Jung

Dr. med. Dieter Jung

Facharzt für Allgemeinmedizin

Dr. med. Dieter Jung ist Ansprechpartner für alle medizinischen Belange seiner Patienten - von der Schulmedizin über die Naturheilkunde bis zur Stress-Reduktion durch Autogenes Training. Zudem steht er als Suchtexperte an ihrer Seite.

Wann wird aus gemeinsam mit Freunden anstoßen, eine Sucht? - © Monkey Business Fotolia

Wann wird Alkohol zur Droge?

Grill-Fest, Geburtstags-Party, Kirmes – Möchten wir einen besonderen Anlass feiern, gehört Alkohol für viele einfach dazu. Doch ab wann wird die Ausnahme zur Regel und der Genuss zur Sucht? ÄRZTE.DE EXPERTE Dr. med. Dieter Jung weiß, was beim Alkohol-Konsum in unserem Körper passiert und setzt eine klare medizinische Grenze.

 

„Zwischen Leber und Milz passt immer noch ein Pils!“

„Jede Freude ohne Alkohol ist eine künstliche!“

 

Diese zwei blöden Mottos sind gar nicht so blöd. Zeigen sie doch genau, dass alle über die Alkoholkrankheit gut aufgeklärt sind. Doch wann ist der Alkohol-Konsum noch gesund?

Wie gefährlich ist Alkohol?

Die Gefahren von Alkohol werden mit der Ampel-Methode schnell klar. Wenn wir eine Ampel bauen mit den Feldern Lebensgefahr, Gesundheitsgefahr, Entzugsgefahr, so hat Alkohol rot für akute Lebensgefahr, rot für gesicherte gesundheitliche Schäden und rot für Entzugs-Gefahr. Somit ist Alkohol der gefährlichste Suchtstoff. Es ist aber auf Grund einer 3000-jährigen Kulturgeschichte (König Salomon lässt den Psalmisten singen: Wein erfreut des Menschen Herz) nicht mit einer Ächtung zu rechnen. Trotzdem gesund ist Alkohol Konsum nie.

Was passiert bei der Sucht im Körper?

Der Suchtkick beim Alkohol macht den Unterschied zu den natürlichen Nicht-Suchtstoffen, wie Zucker oder Wasser. Auch sie lösen einen Lustkick aus und lassen ein Wohlgefühl zurück. Doch im Gegensatz zum Alkohol brauchen wir nicht mehr Wasser oder Zucker, um glücklich zu sein.

Beim Suchtmittel wachsen mit der Länge des Konsums immer mehr Sucht-Rezeptoren. Werden diese nicht mehr gefühlt, wächst die Unlust, das Unwohlsein. Bei Wasser und Zucker bleibt die Summe der Rezeptoren gleich, sodass wir nicht mehr Zucker oder mehr Wasser brauchen für dasselbe Lustgefühl.

Wann wird Alkohol gefährlich?

Am besten wäre es also ganz auf Alkohol zu verzichten. Trinken wir ihn dennoch gibt es eine genaue Grenze, ab der es ungesund wird, ausgelöst durch die körperliche Gefahr der Zerstörung der Leber.

Diese ist medizinisch genau messbar über die „Gamma-GT“ (sollte unter 50 sein) und den MCV-Wert (sollte unter 90 sein, und der ist bei Alkoholikern oft über 100). Das kann jeder bei seinem Arzt einsehen.

Unser zweites Motto „Jede Freude ohne Alkohol ist eine künstliche!“ macht klar, dass auch jeder über die psychische Abhängigkeit weiß; dass man sich nicht mehr freuen kann ohne Alkohol, weil die natürliche Schwingungsebene verloren ging und ohne den euphorisierenden Alkoholkick, den der Trinker später schon morgens früh braucht. Diese ist jedoch viel schwerer zu messen und zu überwachen.

Was hilft gegen Alkoholsucht?

Die Antwort ist eigentlich klar: Ein Entzug, bitte nur mit ärztlicher Begleitung, da Krampfanfälle auftreten können. Doch warum funktioniert ein Alkohol-Entzug überhaupt.

Die eben kennengelernten Sucht-Rezeptoren verschwinden ja nicht einfach. Hier kommt der Rose-of-Jericho-Effekt ins Spiel: Wenn wir aufhören, Alkohol zu trinken, dann verschrumpeln die Rezeptoren. Sie brauchen nicht mehr aufgefüllt werden und das Unwohl-Sein verschwindet.

Wie eine juckende und heilende Wunde, ist auch die Schrumpfzeit der Rezeptoren schmerzhaft. Ein konsequenter Wille und ärztliche Unterstützung können dabei helfen und ist der Prozess abgeschlossen, ist man auf dem gleichen Stand wie vor dem ersten Schluck Alkohol.

Das Problem: nur eine winzig kleine Menge und die Sucht ist zurück. Die vielen Rezeptoren blühen wieder auf und rufen wie zuvor nach mehr, ganz egal wie lange man ohne Alkohol durchgehalten hat.

Hilfe beim Kampf gegen die Rezeptoren bekommen Sie bei Ihrem Arzt.