Sabbatical für Ärzte: Geht das auch in der Gesundheitsbranche?

Eine Frau mit Arztkittel trägt zwei Reisetaschen über eine Wildblumenwiese.
Ein Sabbatical bietet Gelegenheit, sich außerhalb der Arbeit weiterzuentwickeln. | © Kenn W. - stock.adobe.com

Eine Weltreise machen, den Jakobsweg gehen oder viel Zeit mit der Familie verbringen – solche Träume müssen Sie nicht bis zur Rente aufschieben. Sabbaticals sind auf dem Vormarsch, auch in der Gesundheitsbranche.

Zwar ist es immer noch ungewöhnlich, wenn sich Arzt, Ärztin oder Angestellte:r im Gesundheitsbereich eine längere Pause gönnt, es kommt aber immer häufiger vor. Denn gerade in fordernden Berufen kann ein Langzeiturlaub oder Sabbatical genau das richtige sein, um wieder Kraft und Motivation zu tanken. Was Sie dabei beachten müssen?

Was ist ein Sabbatical?

Als Sabbatical, deutsch Sabbatjahr, bezeichnet man eine längere Auszeit von der Arbeit, die weit über den gesetzlichen Urlaubsanspruch hinausgeht. Es kann für ganz unterschiedliche Zwecke genutzt werden. Dabei können Sie den Zeitraum individuell festlegen. Das Sabbatical kann also auch kürzer oder länger als 12 Monate sein.

Für wen ist ein Sabbatical möglich?

Einen Anspruch auf ein Sabbatical haben nur die wenigsten. Lediglich Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst können jederzeit einen Antrag dafür stellen. Einige Kliniken und Großpraxen haben auch selbst Regelungen dazu getroffen. Aber auch wenn der oder die Arbeitgeber:in keine Vorgaben zum Sabbatical festgelegt hat, lohnt es sich nach einer individuellen Vereinbarung zu fragen.

Als Angestellte:r

Gibt es keine Vorgaben für ein Sabbatical von Ihrem oder Ihrer Arbeitgeber:in, sprechen Sie am besten direkt Ihre(n) Vorgesetze(n) an. Mit der richtigen Argumentation ist diese(r) oft bereit, individuelle Absprachen zu treffen.

Als niedergelassener Arzt oder niedergelassene Ärztin

Ärzte oder Ärztinnen mit einem Kassensitz können einen Vertretungsantrag für bis zu drei Monate stellen. Darüber hinaus sind auch Einzelfallregelungen möglich, über die der Zulassungsausschuss der jeweiligen Ärztekammer entscheidet. Hierfür stellen Sie einen Antrag mit dem genauen Zeitraum sowie optional den Gründen für die Auszeit.

Sabbatical ohne Einverständnis

Eine längere Auszeit ist natürlich jederzeit möglich, wenn Sie dafür kündigen und sich danach eine neue Stelle suchen. Besonders wenn Sie sich beruflich umorientieren oder nicht mehr auf Ihre Position zurückkehren möchten, kann das eine gute Möglichkeit sein. Hier sollten aber unbedingt vorher alle Fragen zur Finanzierung geklärt sein.

Sabbatical: Vor- und Nachteile der beruflichen Auszeit

Gerade im Gesundheitsbereich fühlen sich viele nicht wohl, Patienten und Patientinnen „im Stich zu lassen. Gleichzeitig kann ein Sabbatical oder Langzeiturlaub auch wichtig sein, um wieder Kraft und Motivation für die Arbeit zu tanken. Gründe für ein Sabbatical gibt es viele:

  • persönliche Entwicklung: Reisen, Hobbies

  • berufliche Weiterbildung: (Zweit-)Studium, Fortbildung

  • Erholung und Stressabbau: Stress-Management-Kurse, spirituelle Auszeit

  • soziales Engagement: Ärzte ohne Grenzen, Flüchtlingshilfe

  • Familienzeit: Kindererziehung, Angehörige pflegen

Gleichzeitig gibt es aber auch Punkte, die gegen ein Sabbatical sprechen. Die viel beschriebene Lücke im Lebenslauf hat während des aktuellen Fachkräftemangels sicher an Relevanz verloren. Eine Auszeit kann aber immer noch der Karriere schaden. Zudem sind damit auch immer finanzielle Einbußen verbunden.

Finanzierung eines Sabbaticals oder Langzeiturlaubs

Nicht jede(r) der ein Sabbatical macht, muss in dieser Zeit komplett auf das Gehalt verzichten. Stimmen Arbeitgeber:in und Arbeitnehmer:in zu, sind ganz unterschiedliche Modelle denkbar.

Sabbatical Modelle

Sabbatical Modell Erklärung Beispiel Vorteile Nachteile
unbezahlte Freistellung Ihr(e) Arbeitgeber:in stellt Sie beliebig lange von der Arbeit frei. In dieser Zeit ruht das Arbeitsverhältnis und es wird kein Gehalt ausgezahlt. Nach Absprache mit Ihrem oder Ihrer Vorgesetzten nehmen Sie sich sechs Monate Auszeit. Danach kehren Sie wieder auf Ihre Stelle zurück.
  • einfach umzusetzen
  • kostet Arbeitgeber:in nichts
  • Krankenversicherung, Pflegeversicherung, Rentenversicherung und Arbeitslosenversicherung müssen selbst bezahlt werden
bezahlte Freistellung / Sonderurlaub Bis zu vier Wochen bezahlte Freistellung sind möglich. (Danach gilt das Beschäftigungsverhältnis als unterbrochen). Im Anschluss kann der gesetzliche Urlaubsanspruch genommen werden, sodass zwei Monate Auszeit möglich sind. Ihr(e) Arbeitgeber:in genehmigt Ihnen vier Wochen bezahlte Freistellung. Zusätzlich reichen Sie direkt im Anschluss Ihren Jahresurlaub ein. Das restliche Jahr arbeiten Sie ohne Urlaubsanspruch weiter.
  • Krankenversicherung und Sozialversicherungen über den oder die Arbeitgeber:in bleiben bestehen
  • Zeitraum begrenzt
  • Kosten für Arbeitgeber:in bleiben bestehen
  • nur wenige oder gar keine weiteren Urlaubstage in diesem Jahr
Lohnverzicht Anders als der Name vermuten lässt, können Sie durch den Lohnverzicht über das ganze Sabbatical hinweg weiter Gehalt bekommen. Zunächst arbeiten Sie ganz normal weiter ihre übliche Stundenzahl, erhalten aber nur einen Teil Ihres Lohns. Der andere Teil wird dann während des Sabbaticals ausgezahlt. So sparen Sie sich quasi Gehalt für die Auszeit an. Sie arbeiten ein Jahr Vollzeit, erhalten aber nur zwei Drittel Ihres Gehaltes. Im folgenden Sabbatical bekommen Sie dann zwölf Monate lang das zurückgehaltene Drittel ausgezahlt.
  • Krankenversicherung und Sozialversicherungen über den oder die Arbeitgeber:in bleiben bestehen
  • kaum zusätzliche Kosten für Arbeitgeber:in
  • regelmäßiges und kalkulierbares Einkommen während des Sabbaticals
  • Planung weit im Voraus
  • weniger finanzielle Mittel in der Ansparphase
Teilzeitmodell Ihr Arbeitsvertrag wird auf eine reduzierte Stundenzahl angepasst. Zunächst arbeiten Sie aber in Ihrer bisherigen Stundenzahl weiter. Durch die so angesparten Stunden, kann das Teilzeitgehalt auch während der Auszeit ausgezahlt werden. Sie reduzieren Ihre Vollzeitstelle vertraglich auf eine 50 % Teilzeitstelle, arbeiten aber zunächst sechs Monate Vollzeit weiter. In den darauffolgenden sechs Monaten nehmen Sie sich eine Auszeit und erhalten Ihr Teilzeitgehalt weiterhin.
  • Krankenversicherung und Sozialversicherungen über den oder die Arbeitgeber:in bleiben bestehen
  • kaum zusätzliche Kosten für Arbeitgeber:in
  • regelmäßiges und kalkulierbares Einkommen während des Sabbaticals
  • Planung weit im Voraus
  • weniger finanzielle Mittel in der Ansparphase
Arbeitszeitguthaben Auch hier nutzen Sie angesparte Stunden, um während des Sabbaticals weiterhin Gehalt zu erhalten. Dafür reduzieren Sie allerdings Ihre Stunden nicht, sondern bauen Überstunden als Freizeitausgleich ab. Nach Absprache können dafür auch Minusstunden genutzt werden, die Sie nach der Auszeit als Überstunden leisten. Sie möchten vier Monate Auszeit nehmen. Dafür nutzen Sie 480 Überstunden, die Sie in den letzten Jahren angesammelt haben. 160 Überstunden müssen Sie nach dem Sabbatical zusätzlich leisten.
  • Krankenversicherung und Sozialversicherungen über den oder die Arbeitgeber:in bleiben bestehen
  • kaum zusätzliche Kosten für Arbeitgeber:in
  • regelmäßiges und kalkulierbares Einkommen während des Sabbaticals
  • unter Umständen Ansparen über mehrere Jahre nötig
  • Ansparphase kann sehr arbeitsintensiv sein
  • unter Umständen werden unnötige Überstunden geleistet
  • Überstunden müssen offiziell erfasst und über ein Konto festgehalten werden
Zeitwertguthaben Bei einem Zeitwertguthaben können nicht nur Überstunden und Minusstunden, sondern auch Weihnachtsgeld, Bonuszahlungen oder nicht genommene Urlaubstage gesammelt und für die Auszeit genutzt werden. Sie möchten vier Monate Auszeit nehmen. Dafür nutzen Sie 320 Überstunden, 160 Minusstunden sowie 15 Urlaubstage und das Weihnachtsgeld aus dem letzten Jahr.
  • Krankenversicherung und Sozialversicherungen über den oder die Arbeitgeber:in bleiben bestehen
  • kaum zusätzliche Kosten für Arbeitgeber:in
  • regelmäßiges und kalkulierbares Einkommen während des Sabbaticals
  • unter Umständen Ansparen über mehrere Jahre nötig
  • Ansparphase kann sehr arbeitsintensiv sein
  • unter Umständen werden unnötige Überstunden geleistet
  • Überstunden müssen offiziell erfasst und über ein Konto festgehalten werden

Bevor Sie sich für ein Sabbatical-Modell entscheiden, müssen Sie nicht nur mit Ihrem oder Ihrer Arbeitgeber:in sprechen, sondern auch die Kosten für die Auszeit kalkulieren. Neben den Lebenshaltungskosten kommen oft noch zusätzliche Ausgaben für Kurse, Reisen oder Versicherungen hinzu. Hier lohnt es sich, eine ausführliche Aufstellung zu machen, um nicht später in finanzielle Engpässe zu geraten.

Krankenversicherung im Sabbatical

Eine Krankenversicherung ist in Deutschland Pflicht und wird zu einem Teil von dem oder der Arbeitgeber:in und zum anderen Teil von dem oder der Arbeitnehmer:in bezahlt. Während einer Freistellung oder nach einer Kündigung kann es also sein, dass Sie den kompletten Betrag selbst tragen müssen. Hier sollten Sie sich unbedingt im Voraus über die Höhe des Beitrages informieren.
Möchten Sie während des Sabbaticals verreisen, ist außerdem eine ergänzende Auslandskrankenversicherung zu empfehlen. 

Rechtliche und organisatorische Aspekte des Sabbaticals

Ein Sabbatical ist nach Arbeitsrecht möglich, bietet aber einige Fallstricke. So kann es durchaus sein, dass Sie für die Zeit keinen Anspruch auf Urlaubstage haben oder eine Kündigung erhalten. Nachdem Sie die wichtigsten Punkte mit Ihrem oder Ihrer Arbeitgeber:in geklärt haben, sollten Sie deshalb unbedingt einen Sabbatical Vertrag abschließen.

Dieser sollte folgende Punkte enthalten:

  • Beginn und Dauer
  • Vergütung
  • Regelungen für Krankenversicherung und Sozialversicherung
  • Anrechnung von Krankheitstagen während der Auszeit
  • Regelungen für freiwillige Leistungen (z. B. Urlaubs- und Weihnachtsgeld) und betriebliche Altersvorsorge
  • Kündigungsschutz
  • Vertretung / Übergabe der Aufgaben
  • Position und Aufgaben nach der Rückkehr 

Tipps für die Umsetzung eines Sabbaticals

Ein Sabbatical kann eine bereichernde Auszeit vom Berufsalltag sein und auch Arbeitgeber:innen können davon profitieren, zum Beispiel durch bessere Qualifikationen nach einer Weiterbildung oder um lange Ausfälle durch Burnout zu vermeiden. Einige Dinge sollten Sie bei der Umsetzung allerdings beachten: 

  1. Frühzeitig planen

    Beginnen Sie mindestens 12 bis 18 Monate vor dem geplanten Sabbatical mit der Organisation. Klären Sie frühzeitig mit Ihrem oder Ihrer Arbeitgeber:in, ob und unter welchen Bedingungen eine Auszeit möglich ist. Modelle wie Zeitkonten oder Gehaltsverzicht können die Finanzierung erleichtern. Auch eine rechtzeitige Finanzplanung und der Überblick über Versicherungen sind essenziell.

     

  2. Tools und Ressourcen nutzen

    Nutzen Sie Online-Tools wie Sabbatical-Rechner, um die Finanzierung und Dauer Ihrer Auszeit realistisch einzuschätzen. Plattformen wie Helpx, Workaway oder Ärzte ohne Grenzen bieten Ideen für sinnvolle Aktivitäten, etwa für medizinisches oder soziales Ehrenamt.

     

  3. Checklisten erstellen

    Eine gute Vorbereitung hilft, Stress zu vermeiden. Zu den wichtigsten Punkten auf Ihrer Checkliste gehören:

    - Arbeitsrechtliches: Vereinbarung mit dem Arbeitgeber, Kündigungsfristen oder Rückkehrrechte klären.
    - Finanzen: Budgetplanung und Rücklagenbildung.
    - Versicherungen: Kranken-, Renten- und Haftpflichtversicherung überprüfen; ggf. Auslandsschutz abschließen.
    - Reisevorbereitungen: Visum, Impfungen und Unterkunft planen.
    - Rückkehr planen: Wiedereingliederung ins Berufsleben vorab absprechen.

Mit einem strukturierten Ansatz wird Ihr Sabbatical eine inspirierende und gut organisierte Erfahrung.

Quellen

Ein Beitrag von Elisabeth Maußner.

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