Vorwurf Behandlungsfehler: Wie gehen Sie damit um?

Behandlungsfehler adiruch na chiangmai adobestockjzdpxd

Der Vorwurf eines Behandlungsfehlers ist für die meisten Ärzte erst mal ein Schock. Doch ob Sie beginnen, an sich selbst zu zweifeln oder wütend wegen offensichtlich falscher Vorwürfe sind, vor allem sollten Sie in einem solchen Fall Ruhe bewahren.

Welche Schritte jetzt wichtig sind und wie Sie trotz der Situation positiv in die Zukunft blicken können:

Die rechtliche Situation

In der Fachsprache sprechen wir von einem unerwünschten Ereignis, wenn ein Fehler mit harmlosen Folgen oder ohne Folgen passiert, aber auch wenn Patienten bei Untersuchungen, Behandlungen oder in der Pflege schaden erleiden. Rechtlich fallen sie unter das Patientenrechtgesetz von 2013.

Denn zwischen Arzt und Patient entsteht immer ein Behandlungsvertrag. Nach dem Gesetz hat der Patient damit Anspruch auf eine Behandlung nach aktuellen medizinischen Standards. Wird dieser nicht erfüllt, bekommt er unter Umständen Schadensersatz.

Alle Ärzte sollten deshalb eine Berufshaftpflichtversicherung abschließen, die alle Eventualitäten abdeckt. Diese sollte auf jeden Fall regelmäßig überprüft und falls nötig aktualisiert werden. Angestellte Mediziner achten am besten auf einen entsprechenden Verweis im Arbeitsvertrag. Zusätzlich können Sie den Versicherungsvertrag einsehen, um wirklich abgesichert zu sein.

Weitere Sicherheitsmaßnahmen gegen den Vorwurf des Behandlungsfehlers

Fehler sind menschlich und können leider immer passieren. Deshalb ist es besonders wichtig, dass Sie Mechanismen entwickeln, um sie zu vermeiden. Dazu gehört etwa eine gut durchdachte Organisation, das Ansprechen der Patienten mit dem Namen, damit es nicht zur Verwechslung kommt oder die schnelle Reaktion auf Hinweise von anderen.

Eine wichtige Grundlage bei allen Vorwürfen ist zudem die Patientenakte. Anhand der dort festgehaltenen Untersuchungs- und Behandlungsschritte kann ein Streitfall beurteilt werden. In jeder Praxis oder Klinik sollte es deshalb einen festgelegten Standard für die Akte geben. Alle Vorkommnisse und auch ein erster vielleicht nur mündlich geäußerter Vorwurf sollten dort festgehalten werden. Möchte ein Patient seine Unterlagen einsehen, sollten Sie das ebenfalls notieren.

Die Schritte nach dem Vorwurf eines Behandlungsfehlers

ÄRZTE.DE Zahlen ListeKommt ein Patient auf Sie zu, um Sie auf einen möglichen Behandlungsfehler anzusprechen, oder erhalten Sie ein offizielles Schreiben, sollten Sie in jedem Fall Ihre Berufshaftpflichtversicherung benachrichtigen. Selbst wenn es später nicht zu einer Schadensersatzforderung kommt, ist dieser erste Schritt immer der wichtigste.

ÄRZTE.DE Liste Zahl 2Notieren Sie sich möglichst detailgetreu, an was Sie sich zu dem Fall noch erinnern können. Unter Umständen dauert es mehrere Monate oder Jahre bis die Situation geklärt ist. In dieser Zeit könnten Sie leicht etwas vergessen.

ÄRZTE.DE Liste Zahl 3Fordert der Patient die Daten zu seiner Behandlung ein, sind Sie verpflichtet diese zeitnah herauszugeben. Die Originalakte verbleibt immer in der Praxis oder Klinik, eventuell Kopierkosten müssen Sie allerdings selbst tragen. Auch bei einer gerichtlichen Anordnung auf Herausgabe sollten Sie sich nicht widersetzen.

ÄRZTE.De Liste Zahl 4Einen Gesprächsversuch des Patienten sollten Sie nicht ablehnen. Sprechen Sie vorher mit der Versicherung oder dem von ihr gewählten Rechtsbeistand, um sich abzusichern. Für den Termin nehmen Sie sich am besten etwas Zeit und versuchen möglichst ruhig zu bleiben. Lassen Sie den Patienten die Situation aus seiner Sicht schildern und unterbrechen Sie ihn nicht. Oft möchte er vor allem, dass seine Gefühle und Wünsche gehört werden. Gemeinsam können Sie dann ohne Rechtsstreit nach einer Lösung suchen.

ÄRZTE.DE Liste Zahl 5Die schriftliche Kommunikation sollte ausschließlich die Versicherung übernehmen. Alle Schreiben und Dokumente sollten nach Möglichkeit sofort an sie weitergeleitet werden.
Außerdem wichtig: Machen Sie keine Zusagen, sprechen Sie nicht über konkrete Leistungen oder Zahlungen und erläutern Sie der Gegenseite oder ermittelten Beamten nicht, wie Sie die Situation sehen. All das sollte die Versicherung oder ein Rechtsanwalt übernehmen.